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Reise
11/30/2019

Surinam – Wo liegt das schnell noch mal?

Es gibt ihn, den weißen Fleck auf der touristischen Landkarte: Surinam überrascht mit einer bunten Mischung aus 3 Kontinenten und 100 Grün-Tönen.

Viermal Indonesien und dreimal Afrika: So lautete das Ergebnis einer nicht repräsentativen Umfrage unter Freunden, wo denn auf dem Globus Surinam liege. Alle falsch! Nur die drei Fußballer unter den zehn Befragten wussten es: Surinam ist das kleinste unabhängige Land in Südamerika – und die Heimat von Ruud Gullit, Frank Rijkaard oder Clarence Seedorf, um nur drei zu nennen, die in den Niederlanden zu Weltklassespielern reiften.

„Oh ja!“, sagt der Gärtner im „Bergendal Resort“ am Surinam River. „Mein Neffe kam früher ein Mal pro Jahr aus Paramaribo zu Besuch. Ich bin der Onkel von Clarence Seedorf!“ Der Gärtner heißt Karl und sieht mit seinen Rastalocken aus wie ein Karibe. Der Hindu Bysai sagt dagegen, seine Familie lebe schon seit Generationen in Surinam. Woher sie aus Indien kämen, wisse er nicht. Aber er weiß, dass seine eiskalte Trinkkokosnuss am Straßenrand 2,50 Surinam-Dollar kostet, etwa 50 Euro-Cent. Fu Lin hingegen ist einer der vielen Chinesen, die ein Lebensmittelgeschäft führen und Wayan, wie in Indonesien traditionell die Erstgeborenen heißen, nimmt in seinem Warung die Bestellung für ein Nasi Goreng auf.

In der Hauptstadt Paramaribo, wegen seiner Holzbauten Weltkulturerbe seit 2002, stehen Kirche, Moschee, Hindu-Tempel und Synagoge einträchtig nebeneinander. Die Straßennamen sind holländisch. Das Leben auf den Straßen ist karibisch-heiter und Südamerika scheint weit weg zu sein. Surinam vereint auf engem Raum und auf unaufgeregte, weil gewachsene Weise holländische und kreolische, westafrikanische und indische, aber auch indonesische und deutsche Einflüsse. So manche Plantage trägt noch heute deutsche Namen, wie etwa Altona, Berlijn, Frankfort oder Hannover. Gefahren wird allerdings links. Der erste Besitzer eines Autos in Surinam hatte einen Chauffeur aus England und der entschied, gewohnheitsmäßig links zu fahren.

„Instappen!“ – einsteigen – sagt Bootsführer Oswaldo. Er ist ein Maroon wie etwa ein Viertel der insgesamt 500.000 Einwohner. Sie sind die Nachkommen geflüchteter Sklaven. Und viele von ihnen leben am Brokopondo, ein Stausee, dreimal so groß wie der Bodensee, der aussieht wie nach einem Atomangriff. Apokalyptisch ragen Tausende von überschwemmten und abgestorbenen Bäumen aus dem Wasser und an einigen Stellen stemmt Oswaldo mit seinem zehn Meter langen und zwei Personen schmalen Boot die Baumstumpen bei Seite, wie Slalomläufer beim Skifahren die Stangen, einfach um durchzukommen in diesem toten Labyrinth.

Westafrika im Kleinformat

Lebidoti, eines der Dörfer am See, ist alles andere als ausgestorben. Im See waschen farbenfroh gekleidete Frauen die Wäsche und unterhalten sich lautstark. Die Männer gehen zum Fischen. Die Kinder schreien den Fremden zu. Lebidoti ist eine hundertprozentige Maroon-Siedlung und Westafrika im Kleinformat. Abgesehen davon, dass es keine Hunde im Dorf gibt. „Hunde waren Sklavenjäger“, erklärt der Kapitän, der Dorfchef, und freut sich auf die Flasche Rum, die als Gastgeschenk übergeben wird. „Der Lehrer der Dorfschule kommt wochenweise aus der Hauptstadt. Diesel für den Generator fließt nur, wenn Wahlen sind. Und für kleinere Delikte bin ich auch Richter“, sagt der Kapitän. Die Polizei käme ja frühestens nach zwei bis drei Tagen ...

„Instappen!“, sagt Oswaldo wieder. Der Oberlauf des Surinam River mit den hundert Arten von Grün im Regenwald, Dorfbesuchen am Fluss und schöne Lodges warten. 85 Prozent des Landes sind fast unberührter und beinahe unbewohnter Regenwald. Weit mehr als 90 Prozent der Menschen leben entlang der Küstenregion im Norden oder entlang der acht Flüsse des Landes. Ab jetzt gibt es keine Straße und kein Auto mehr. Der Fluss und das Boot sind die einzigen Fortbewegungsmitteln: eine wunderschöne Regenwaldtour mit schwarzen Granitfelsen und goldbraunen Sandbänken, mit Stromschnellen und gemütlichen Passagen in aller Abgeschiedenheit.

Mit Balzlauten lockt Oswaldo einen handflächengroßen indigoblauen Schmetterling an und bietet ihm ein gebrochenes Blatt. Der schöne Flattermann saugt und kann scheinbar gar nicht genug davon bekommen. Oswaldo lacht und erklärt, warum der Schmetterling gekommen ist: „Sex, Drugs und Rock ’n’ Roll! So ein männlicher Schmetterling lebt nur 18 Tage. In dieser Zeit trinkt er die 50-fache Menge Alkohol, die er eigentlich vertragen würde, tanzt dementsprechend froh gelaunt durch die Lüfte, bis er ein Weibchen findet, das mit ihm 48 Stunden ohne Unterbrechung Liebe macht. Ist das nicht wunderbar …?

T wie Tiere

Blauer Baumsteiger

Der maximal viereinhalb Zentimeter große Pfeilgiftfrosch  kommt nur in dem kleinen Gebiet im Länderdreieck Surinam, Französisch-Guayana und  Brasilien vor und lebt zumeist auf dem Boden des tropischen Regenwaldes. Wegen des keinen Verbreitungsgebiets gilt er als gefährdet.  

Totenkopfaffen

Surinam kennt eine große Vielfalt an Flora und Fauna, circa achtzig Prozent des Grundgebietes besteht aus Regenwald – also idealer Lebensraum für Totenkopfaffen und andere Primaten.  

Scharlachsichler

Der Rote Ibis ist mit seiner leuchtenden Farbe kaum zu übersehen, wobei er die Färbung erst im zweiten Lebensjahr bekommt. Er lebt in großen Gruppen im nördlichen Südamerika in Feuchtgebieten. 

Flüge
via Amsterdam mit KLM  nach Paramaribo (klm.com). Die -Kompensation kostet optional ab/bis Wien via climateaustria.at 47,87 €  

Beste Reisezeit
Die trockenen Monate Januar bis Mai und September bis November.

Einreiseformalitäten
Das Visum gibt’s am Flughafen von Paramaribo für 30 Euro bei der  Ankunft

Währung
Ein Euro entspricht rund 8,50 Surinam-Dollar. Kreditkarten werden fast nur in Paramaribo akzeptiert

Gesundheit
Malaria-Prophylaxe wird empfohlen. Mücken- und Sonnenschutz mitnehmen. Leitungswasser nicht trinken

Unterwegs
Das Taxi vom 40 Kilometer entfernten Flughafen nach Paramaribo kommt auf 20 Euro. Mietwagen sind günstig (ab 20 Euro pro Tag), aber es gibt letztlich außerhalb von Paramaribo nur zwei Hauptstraßen: parallel zur Atlantik-Küste und die Straße zum Brokopondo. Danach sollte man sich in die Obhut eines Veranstalters begeben, sei es für See-, Fluss- oder Regenwaldtouren. Einfache geführte Dschungel- Wanderungen kommen auf 10 €/h. Eine zweitägige Regenwald-Expedition in den tiefen Süden kostet, inklusive Flüge ab Paramaribo, Boot, Führer, Hängematten mit Moskitonetz, Vollpension ca. 1.250 €. Norman Mac-Intosh, Besitzer und Chefguide von Discover Suriname Tours, kennt sich im Land bestens aus und spricht Deutsch, Englisch, Niederländisch, Taki-Taki  (Sprache in Surinam) und Indio-Sprachen. discoverSurinametours.com

Übernachtungen
Ein Stadthotel wie das „Torarica“, gehobene Mittelklasse mit Pool in Paramaribo, kommt auf 150 € (torarica.com), die Kolonialholzhäuser der alten Plantage „Frederiksdorp“, abgeschieden und nur per Boot erreichbar, auf 65 € (m.hagemeijer@hotmail.com). Lodges entlang des Surinam Rivers kosten zwischen 25 (sehr einfach) und 75 € (komfortabel), jeweils pro Nacht/2 P. im DZ

Essen
Es gibt nur einfache Restaurants. Hauptgerichte wie Huhn kreolisch mit Reis und Bohnen oder das Nationalgericht Heri Heri, Wurzelgemüse mit Reis, kosten 4 und 6 €

Angebot
Authentisches Surinam: 15-tägige Rundreise ab 2 Personen, Von 1. 1. 2020 bis 31. 10. 2020 wöchentlich jeden Donnerstag antretbar.  Ab 1.698 Euro/P. bei Ruefa. 0800/200400 ruefa.at

Allgemeine Auskünfte
Surinametourism.sr; Surinam unterhält keine touristische Vertretung in Europa.