Reise
26.01.2018

Florida – abseits der rosa Touristenpfade

Paddeln im Quellgebiet der Everglades, Schwimmen mit Seekühen und ein Kennenlernen mit Alligatoren: Der südlichste US-Bundesstaat hat deutlich mehr zu bieten als allseits bekannte Vergnügungsparks und Strände.

Man riecht sie sofort, die Hitze, die Feuchtigkeit – um die 30 Grad, 90 Prozent. Steril wirken dagegen die eisig klimatisierten Gebäude. Der erste Eindruck nach der Landung ist symptomatisch für Florida, den südöstlichenZipfel der Vereinigten Staaten: Es ist ein Land der Kontraste.

Am Rande von Orlando, wo Walt Disney Anfang der 1960er-Jahre seinen Plastik-Park aus der trockengelegten Sumpflandschaft stampfen ließ, beginnt ein anderes Florida. Eines, in dem die Menschen nicht exaltiert Amerikanisch, sondern im breitesten Südstaaten-Slang und betont langsam sprechen; wo sich niemand aufregt, wenn ein Fußgänger im Schneckentempo die Straße überquert, während sich in Disneyland täglich Tausende von Menschen durch eine quietschbunte Welt drängen.

Die Tour durch dieses "andere Florida" beginnt unweit von Orlando, in Kissimmee. Die spanischen Kolonialherren haben einst Orangen, Kühe und Pferde hergebracht. Und weil das drei Dinge sind, die sich schnell vermehren, leben die Einheimischen bis heute davon. Auf den Plantagen werden über 50 Sorten Zitrusfrüchte angebaut.

Cowboys nennt man hier "Cattle Men" ("Boys" würden das Klima in Florida nicht überleben, scherzt man) und sie haben im 19. Jahrhundert begonnen, Rinder von Weide zu Weide zu treiben. Die Pferdezucht ist auch im weiter nördlichen Ocala – "Pferdehauptstadt der Welt" – ein florierendes Traditionsgewerbe.

Abenteuer-Tour

Berühmt ist Florida unter anderem für die Everglades – eine einzigartige Flusslandschaft, die in der Gegend ihre "Headwaters", ihren Ursprung, hat. Wer nicht gerade reitet oder Orangen isst, geht hier im Herzen des "Sunshine State" paddeln bzw. kajaken. Ein Sport, der einen gewissen Nervenkitzel mit sich bringt: Inmitten üppiger Pflanzen am seichten Ufer ruhen Alligatoren. Sie mit einem Paddel versehentlich anzustupsen, könnte ungemütlich werden.

Alligatoren sind nicht nur groß, robust und erstaunlich flink, sie fressen auch, was ihnen über den Weg rennt. Durch ihren genügsamen Lebensstil konnten die geistig recht beschränkten Panzertiere Millionen von Jahren überleben, ohne sich viel weiterzuentwickeln, erklärt Brandon, Wärter im "Gatorland", 20 Kilometer südlich von Orlando. Aber Brandon kennt die Tricks: "Alligatoren sind faul, wenn man also dafür sorgt, dass sie nicht hungrig sind, sind sie sehr brave und gelehrige Tiere." Die regelmäßige Fütterung mit frischem Fleisch nimmt er persönlichvor Publikum vor.

"Gatorland" ist so etwas wie ein Asyl für verhaltensauffällige Alligatoren, die in Florida mitunter aus Pools gefischt oder beim Fressen von Haustieren erwischt werden. Bei einer Population von rund 1,3 Millionen Alligatoren wurden seit 1940 laut Gator-Flüsterer Brandon "nur" 32 Menschen gefressen. "Bambi", also Rotwild, habe deutlich mehr auf dem Gewissen, sagt er lachend.

Zur Ruhe kommen

Zu hundert Prozent zahm – auch im hungrigen Zustand – sind die so genannten "Manatees", Rundschwanzseekühe. Die gefährdete Tierart findet, wenn es ihr im Ozean zu kalt wird, Zuflucht in Crystal River. In einer kleinen Bucht sorgen warme Quellen vom Golf von Mexiko von November bis April für Badewannen-Temperaturen.

Manatees sind scheu, aber auch neugierig. Das Hotel-Resort "Plantation" organisiert Touren, bei denen man ihnen ganz nahe kommen kann. Und zwar, indem man so tut, als wäre man ein Artgenosse. Mit ausgestreckten Beinen (starre Schwanzflosse) und angewinkelten Armen treibt man in einem Taucheranzug wie ein Korken an der Wasseroberfläche. Leichtes Paddeln mit den Händen ist erlaubt – das tun die auch (bewegliche Bauchflosse). Wer geduldig ist, wird angestupst und beschnuppert. Wie gesagt, Manatees – bis zu viereinhalb Meter lange, flache Schwimmer mit steinartigem Hautrelief am Rücken, fleischigem Rüssel und Knopfaugen – sind neugierig.

Die Rundreise durch das "andere Zentralflorida" endet wieder mit einem scheinbaren Gegensatz: New Smyrna Beach ist im Stadtkern zuckerlrosa und knalltürkis – für ihre bunten Häuserfassaden ist die "Flagler Avenue" berühmt. Sie führt direkt zum Strand, zum tiefblauen Ozean. New Smyrna ist ein Paradies für Surfer; und für Haie. Der "gefährlichste Strand der Welt" ist dennoch wohl eines der ruhigsten und idyllischsten Plätzchen im Sunshine State.

Info

Anreise:
MitAustrianvon Wien nach Frankfurt, weiter u. a. mit Lufthansa nach Orlando.

Einreise:
Bis spätestens 72 Stunden vor Antritt die elektronische Einreisebewilligung ESTA einholen, https://esta.cbp.dhs.gov

Beste Reisezeit:
Ende November bis Mitte Mai; Juli bis September ist Hurrikan-Saison mit meist kurzen, heftigen Regenfällen.

Währung:
1 US-Dollar = 0,82 Euro

Essen/Trinken:
– Im „Catfish Place“ in St. Cloud essen Einheimische und Trucker frittierten Alligator und Schildkröte mit deftigen Soßen.
– Geheimtipp „Katch Twenty-Two“ neben dem Highway in Lecanto; kleine Karte, tolle Qualität. Spezialität Key Lime Pie probieren, www.katchtwentytwo.com.
– Original amerikanisches Essen gibt’s bei „Mojo’s Grill“ in Ocala.
– Gesund, jung und kreativ isst man im „Third Wave Café“ in New Smyrna Beach.

Unterkünfte:
Global Resort Homes: Ferienhäuser nahe Orlando erinnern an TV-Serie „Desperate Housewives“, Haus mit vier Betten (perfekt für Familien) ab 200 €/Nacht.
Plantation on Crystal River: Resort im Stil einer Südstaaten-Plantage, DZ ab 100 €/Nacht.
Howard Johnson Inn: typisch amerikanisches Motel in Ocala, DZ ab 60 €/Nacht.
Ocean Trillium Suites: direkt am Strand in New Smyrna Beach, mehrstöckiger Hotel- Apartment-Kompex, DZ mit Kochnische ab 160 €/Nacht.

Auskunft
www.visit-usa.at
www.visitflorida.com/de