Reise
16.10.2017

Südafrikas Wildnis und das Kap der Freude

Abenteuerliche Safaris locken ebenso wie die Suche nach Mandelas Spuren, die von Johannesburg bis nach Kapstadt führt.

Startklar nach Südafrika. Und das ganz schön abgehoben: Mit Boeings Dreamliner (der Autor durfte es sich auf Sitzplatz 1 A so richtig 1 A bequem machen) von Qatar Airways vergeht die Zeit wie im Fluge. Dabei ist die Übersiedlung von Wien über Doha nach Johannesburg wahrlich kein Katzensprung.

Katzen, und zwar richtige Raubkatzen sollten in Südafrika in jedem Fall auf dem Programm stehen. Von Johannesburg aus erreicht man mittels Propellerflug den kleinen Flughafen Hoedspruit, von dort aus die AM Lodge, wo im umliegenden Safari-Park Gustav wohnt.

Gustav, das ist kein deutscher Pensionisten-Tourist, sondern der Hausherr des dortigen Safari-Parks. Er kann sich recht und billig als König der Löwen bezeichnen: Er ist der einzige seiner Zunft. Ihn zu finden war in diesem Gebiet gar nicht so leicht, die Safari-Guides schafften es dennoch innerhalb einer Stunde, als die Dämmerung keine klare Sicht zuließ. Denn: Profis sind Profis, und Gustav wurde an einem Fluss entdeckt. Mit stolzen Schritten marschierte er erhobenen Schopfes vorbei am Jeep. Ganz nah.

Wenngleich ein bisserl Unbehagen mitmischte im Gefühlsleben – es war ein Erlebnis für die Ewigkeit. Dabei ist es nur ein Vorspiel zum sehenwertesten Game Drive: dem Besuch im Kruger-Nationalpark.

Big Five

Hier wäre Gustav nicht allein gewesen. Wer Glück hat und ausgezeichnete Safari-Guides, der darf auch die anderen vier Artgenossen der Big Five bestaunen: Neben dem Löwen zählen Elefanten, Büffel, Nashörner und Leoparden dazu. Die Situation, als zwei Löwen gerade ihr Schläfchen nach getaner Mahlzeit hielten, war eher nichts für Feinschmecker. Vom Büffel, dem Hauptmahl, waren nur noch Gebeine übrig. "Es ist aber nicht immer so, dass die Löwen den Kampf gewinnen. Oft tötet der Büffel die Löwen", sagt ein Guide. Der Löwe zählt ohnehin nicht zum gefährlichsten Wesen dort – zumindest für die Spezies Mensch. "Elefanten, Nashörner und Büffel. Auf die muss man achtgeben." Vor allem, wenn Elefanten mit den Ohren klatschen, ist keine Zeit, um zu sagen "schau wie süß", dann sollte man sich laut Guide "eher schleunigst auf den Weg machen".

Breakfast in der Wildnis

Weder wundern noch fürchten muss man sich, wenn im Safari-Park zwanglos eine Pause eingehalten werden kann. Die Guides wissen, wann es gefährlich wird und wann nicht. Dasselbe gilt in manchen Regionen von Soweto – ein Pflichttermin für Südafrika-Liebhaber. Dort, wo die Entwicklung rasch nach oben geht. In manchen Gebieten.

Denn auch heute noch sieht man Wellblech-Behausungen nebst schmucken Häusern mit Vorgärten. Der Vier-Millionen-Vorort von Johannesburg erlangte traurige Berühmtheit, als bei blutigen Stundenten-Aufständen gegen das Regime zahlreiche Opfer zu beklagen waren. Der Aufstand führte zu lange andauernden, landesweiten Protestaktionen gegen die rassistische Bildungspolitik und das gesamte Apartheidsregime des Landes. Mittendrin in Soweto hatte im Stadtteil Orlando auch Nelson Mandela gewohnt (dort gibt es heute ein Museum), fast Seite an Seite mit Desmond Tutu. Eine Straße mit zwei Friedensnobelpreisträgern – das gibt es sonst nirgendwo. Dieser Tage lohnt sich ein Besuch im Apartheid-Museum, wo die lange Geschichte des unrühmlichen Themas in Bild und Ton genau aufgearbeitet wurde, oder die Besichtigung der Nelson-Mandela-Stiftung. Beides in der Metropole Johannesburg, die der südafrikanische Botschafter als "Heartbeat of Africa" bezeichnet. Zu empfehlen ist ein Besuch einer der vielen Märkte.

Kap der Freude

Einzigartig ist auch Kapstadt, der nächste Pflichtpunkt für Südafrika-Fans. Auch dort erinnert einiges an Mandela, der auf Robben Island vor Kapstadt den Großteil seiner Haftstrafe (1964 bis 1990) absaß.

Kapstadt hat mehr zu bieten. Der Tafelberg prägt die Silhouette der 3,7-Millionen-Einwohner-Metropole, seine Ausläufer reichen bis zum Kap der Guten Hoffnung (Cape Point), ein früher wegen seiner Klippen gefürchtetes Kap nahe der Südspitze Afrikas. Dort, wo der atlantische vom indischen Ozean getrennt wird. Hier empfiehlt sich eine Rad-Tour (Infos unter: www. capecycleroutes.co.za).

Zur Erkundung von Kapstadt ist auch ein Helikopter als Transportmittel angesagt. Bei herrlichem Wetter lässt sich die zauberhafte Umgebung aus der Luft genießen.

Wer schon einmal in Kapstadt ist und Gaumenfreuden nicht abgeneigt ist, sollte sich nch Stellenbbosch begeben. Sie ist nach Kapstadt die älteste von Europäern gegründete Siedlung im heutigen Südafrika. Ein Leckerbissen.

Gourmetfreuden

Die Gemeinde ist bekannt für den Export von hochwertigem Wein, der aus über 120 Weingütern kommt, und gilt als gute Adresse für den Tourismus, der seit Jahren hohe Zuwachsraten zu verzeichnen hat.

In Stellenbosch kann man abschließend auf eine gelungene Südafrika-Reise anstoßen. Apropos Gourmet: Ein gelungenes Straußensteak sollte man sich dazu nicht entgehen lassen.

Info

Anreise Mit Qatar Airways via Doha (Katar) nach Johannesburg. Flugzeit nach Doha ca. fünf Stunden, bis Südafrika weitere acht Stunden. Economy Class: ab 769 €, Business Class: 3080 €, www.qatarairways.com

Einreise Kein Visum erforderlich. Bei Ankunft erhält man ein sogenanntes „visitor’s permit“, das für maximal 90 Tage gilt.

Beste Reisezeit Das Klima im Kruger-Nationalpark wird zwischen Mitte Oktober und Anfang März (Sommer in Südafrika) mitunter sehr heiß und verzeichnet zudem erhöhte Regenfälle. Der Winter bringt eine Trockenzeit mit sich. Nachts kühlt es herunter auf 7 bis 9 Grad. Kapstadt und Umland sind eher in der Sommerzeit zu empfehlen.

Essen & Trinken Südafrikas Küche spiegelt die bewegte Geschichte des Landes mit ihren mannigfaltigen Einflüssen wieder. Vor allem Fleisch steht zumeist auf dem Menüplan. Besonders beliebte Sorten sind Rind, Lamm und Huhn. In teureren Restaurants sollte Wildfleisch wie Strauß, Springbock, Kudu, Krokodil oder Zebra probiert werden. Obwohl das Land seit über 300 Jahren Wein anbaut, sind die Südafrikaner selbst erst vor knapp 20 Jahren so richtig auf den Geschmack gekommen.

Übernachten Bei einer Safari in der AM-Lodge. Z. B. Anfang nächsten Monats um 600 bis 1300 Euro/ Nacht. www.amlodge.co.za

Gesundheit/Sicherheit Zu beachten ist die nicht unbeträchtliche Malariagefahr im Kruger NP und in einigen angrenzenden Gebieten.

Angebote gibt es u.a. bei Best4Travel, Kneissl Touristik, Chamäleon Reisen, Jumbo Touristik und Dertour.

Auskunft Südafrikanische Botschaft, Sandgasse 33, 1190 Wien.

Tel. 01/ 320 6493