Sturm der Künste an Iberiens Küste

Michael Horowitz…
Foto: Michael Horowitz Das Guggenheim-Museum in Bilbao

Ein Museum, das an ein Traumschiff erinnert, Picassos Geburtshaus, Gaudís Geheimnis. Und fröhliche Delfine. Eine Kreuzfahrt rund um Spanien als wunderbares Erlebnis. Trotz Windstärke 12.

Michael Horowitz… Foto: Michael Horowitz

Wir lieben die Stürme, die brausenden Wogen, der eiskalten Winde raues Gesicht. MS Europa-Kapitän Mark Behrend und seine Shanty-Sänger, ein vergnügter Chor aus Besatzungsmitgliedern, singen am letzten Abend Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern … die Kellnerin aus Filzmoos mutiert zu Lale Andersen, der Stuttgarter Steward vom 8er-Deck fühlt sich heute Abend als Hans La Paloma Albers. Barcelona liegt hinter uns, der Luxuskahn schaukelt ordentlich.

"Ich freue mich, dass Sie so fröhlich sind"

Kapitän Behrend, dessen zweiter Vorname Gelassenheit sein könnte, meint zu seinen gut gelaunten Passagieren, ich freue mich, dass sie so fröhlich sind, immerhin haben wir bereits Windstärke acht … Es wurde zwölf – die höchste Stufe auf der Beaufortskala. Zum Glück habe ich erst am nächsten Morgen im Hafen nachgelesen: Diese Windstärke bezeichnet man als Orkan, der verwüstende Wirkung hat, kein Segel hält mehr stand. Die mächtigen Stabilisatoren haben ganze Arbeit geleistet. Eine außergewöhnliche Kreuzfahrt rund um die Iberische Halbinsel geht zu Ende.

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Kunst im Kunstwerk im Guggenheim-Museum
Bilbao war die erste Station. Seit vor genau 20 Jahren König Juan Carlos hier das Guggenheim-Museum eröffnet hat, kann sich die triste Industriestadt – in der bis dahin mehr Arbeitslose als Kunstliebhaber lebten – der Touristen nicht mehr erwehren. Und der Kalifornier Frank O. Gehry kann sich seit damals kaum vor Aufträgen retten. Er gilt seit dem Bau des spektakulären Museums im Baskenland als Guru der Architektur und freut sich über den Bilbao-Effekt: Bankiers, Bauherrn und Bürgermeister überzeugt der heute 88-Jährige weiterhin mit seinen silbrig gleißenden Gebilden, die sämtliche Gesetze der Baukunst ignorieren. Im 11.000 m² großen, 200 Millionen teuren Guggenheim-Museum am Ufer des Flusses Nervión bleibt dem Besucher der Atem weg. Hier werden klassische Geometrie und Symmetrie, die Diktatur des Rechtecks (Tom Wolfe) missachtet. Noch 20 Jahre nach der Eröffnung lebt der glitzernde Bau von futuristischen Spielereien und suggeriert das Museum für moderne Kunst atemlose Dynamik. Ein silbern funkelnder Titan, der an ein riesiges Traumschiff erinnert. Mit 19 Galerien – eine davon mit 130 Metern länger als ein Fußballfeld. Bis 25. Februar zeigt man hier David Hockneys Porträts. Auf nach Bilbao …
Vor dem Bau in Bilbao debattierte man in Salzburg über eine Dependance des New Yorker Guggenheim-Museums. Das von Hans Hollein weltweit beachtete Konzept für den Bau am Mönchsberg wurde nicht realisiert – nach jahrelangen provinzpolitischen Diskussionen, einem Fundamentalkonflikt in Salzburg, entschloss man sich für das Museum im Baskenland.

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Pablo Picasso: Her kleine Herr aus Malaga lebte ohne Einschränkungen
Málaga, nächste Station der Reise. Die Heimatstadt von Pablo Picasso. Auf den Kunstschulen von Madrid und Barcelona verblüffte dieser
 Rastelli der Malerei nicht nur durch seine Begabung, sondern auch durch  Geistesgegenwart. Arbeiten, für die andere Schüler Wochen brauchten, vollendete er in wenigen Stunden. Später beeinflusste er alle Richtungen der Malerei, egal ob sie sich abstrakt, surrealistisch oder neoklassizistisch nennen. Der kleine Herr mit breiter Stirn, markanter Nase, großen braunen Augen und eigenwilliger Kleidung lebte ohne Einschränkungen: Das Geld flog ihm zu, großzügig gab er es aus. Er galt als Kommunist, aber in Moskau nannte man ihn einen verfaulten und degenerierten Bourgeois.

Ein Dackel namens Lump

Picassos Dackel Lump und seine Eule gelten als die bedeutendsten Tiermodelle der Kunstgeschichte. Die Eule habe sich geweigert, sich auf den Bildern wiederzuerkennen, erzählte Picasso in einem Interview mit dem Magazin Life – und fügte hinzu, klügere Köpfe hätten das auch getan.
Das pittoreske Málaga lebt gut von  seinem berühmten Malerfürsten. In Picassos Geburtshaus in zentraler Lage der Stadt strömen kunstbesessene Touristen aus aller Welt. 1998 hatte König Juan Carlos wieder eine Eröffnungszeremonie vorzunehmen: Der renovierte Prachtbau aus dem endenden 19.  Jahrhundert, wo der große andalusische Maler seine ersten Lebensjahre verbrachte, ist seit damals ein viel besuchtes kunsthistorisches Monument.  Nur wenige Schritte entfernt hat man im Palacio de Buenavista ein Picasso-Museum eingerichtet. Mehr als 200 seiner Werke aus sämtlichen Schaffensperioden werden hier präsentiert. Als 19-Jähriger hat Pablo im Jänner 1901 Málaga zum letzten Mal besucht. Und kehrte nie wieder zurück. Doch auf den prachtvollen Plätzen, in den schmalen, schattenspendenden Gassen verfolgt einen der Künstler auf Schritt und Tritt: Man bietet den hungrig-erschöpften Touristen Picasso-Pizza und Calamares à la Picasso, Ensalada Picasso und Tortilla Picasso an.  

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Delfine zum Angreifen in Valencia
Nächste Station ist Valencia im Osten Spaniens. Nach so viel Kunst gibt es Entspannung im größten Aquarium Europas.
 Im Oceanogràfic sind zwar die Korallenbänke aus Plastik – aber die Delfine, Haie und Wale sind echt. Viermal pro Tag gewinnen die Show-Delfine die Herzen der Besucher: Sie tanzen nach der Pfeife, apportieren Bälle, begeistern mit gewaltigen Sprüngen und heben ihre Trainerinnen anmutig aus dem Wasser. 

Spektakuläre Unterhaltung

Doch es gibt nicht nur spektakuläre Unterhaltung. Der junge Delfinarium-Chef klärt Kinder über die erschreckende  Situation der Weltmeere auf. Umwelt-Sensibilisierung zwischen fröhlich lachenden Delfinen. Danach spaziert man durch einen 70 Meter langen Unterwassertunnel oder beobachtet im zwölf Meter hohen Turm in Form eines Iglus Tiere der Arktis: Walrosse schnaufen auf einer gigantischen Felsenlandschaft vor sich hin und die extrem seltenen Beluga-Wale umrunden Eisblöcke im Becken. Während sie beim Tauchen ihren Herzschlag von mehr als hundert auf zehn bis zwanzig  Schläge pro Minute reduzieren, um Sauerstoff einzusparen.

Michael Horowitz… Foto: Michael Horowitz

Gespenstische Augen: Casa Batlló von Antoni Gaudí

Die letzte Station einer Seereise zwischen Kunst-Betrachtungen und Beluga-Walen ist Barcelona. Antoni Gaudí, der berühmteste Künstler Kataloniens, verfolgt einen auf Schritt und Tritt. Gaudís Bauwerke sind einmalig, bombastisch, gespenstisch überladen: Als er 1878 sein Diplom erhielt, meinte der Direktor der Architekturschule: Wer weiß, ob wir das Diplom einem Verrückten oder einem Genie gegeben haben – nur die Zeit wird es uns sagen.

Absolute Askese

Privat lebte der exzentrische Architekt und strenggläubige Katholik in absoluter Askese. Als zölibatärer Laie. Besessen plante und baute er ein Haus nach dem anderen. In seiner Vorstellung existierte ein „gigantischer Sühnetempel der Heiligen Familie“. Gaudí  wusste, dass er sein Lebenswerk, die Sagrada Familia, nie vollenden würde. In seinem Sinn bauen Architekten seit vielen Jahrzehnten weiter. In neun Jahren soll das himmelstürmende Bauwerk, das auch reich an kitschigen Übertreibungen ist, endlich fertig sein.  
Nach so viel grandioser Gigantomanie, Kitsch und Kunst geht’s ins Els Quatre Gats, zu den vier Katzen. In diesem Künstlercafé erlebte Pablo Picasso 1899 seine erste Einzelausstellung. Zwei Jahre zuvor wurde der Treffpunkt der Bohemiens von Barcelona eröffnet. Mit den Malern Ramon Casas, Santiago Rusinol und Miquel Utrillo als trinkfesten Gästen. Antoni Gaudí  verkehrte selten hier. Zu sehr war er in der Welt seiner monumentalen Architektur-Wunder versunken.
Wieder einmal im Gedanken vertieft, übersah er am 7. Juni 1926 auf dem frühmorgendlichen Weg zur Baustelle seiner Sagrada Familia die Straßenbahn und wurde zu Boden gestoßen. Da er keinen Ausweis bei sich hatte und weil er wegen seines verwahrlosten Äußeren für einen Bettler gehalten wurde, versorgte man ihn nicht medizinisch und brachte ihn in das Santa Creu-Armenspital von Barcelona. Wo er kurz danach starb.

Michael Horowitz… Foto: Michael Horowitz

DIE SCHÖNSTE YACHT DER WELT

Wer ist die Schönste der Meere? Ob die „Europa“ (o.) oder die „Europa 2“ ist für leidenschaftliche Kreuzfahrer inzwischen eine rein philosophische Frage geworden. Schwören die einen auf die jüngere, unbeschwerte „2er“, gibt es für die wahren Luxus-Seefahrer nur eine: „ihre“ Europa. 1999 erstmals in See gestochen, ist es das einzige Schiff der Welt, das vom britischen Kreuzfahrtführer „Berlitz“ zwölf mal in Folge mit der Kategorie „5-Sterne-plus“ prämiert wurde. Das bedeutet für die elegante Dame immer wieder schönheitschirurgische Eingriffe. Vor wenigen Wochen gab es wieder ein Facelifting. Und ehe die „Europa“ nach zahlreichen optischen Neuerungen sowie technischen Updates Mitte Oktober wieder in See stechen konnte, wurden der Spa-Bereich vergrößert und neu konzipiert, 2.900 Quadratmeter neuer Teppich verlegt und 3.500 Liter Farbe verbraucht. Der Re-Fit ist perfekt gelungen und die einzigartige „Europa“ wieder auf den Weltmeeren unterwegs.

IN 80 TAGEN UM DIE WELT

KURIER-Infografik… Foto: /KURIER-Infografik


 Mit der  Passagierzahl von maximal 408 Personen auf sieben Decks ist die „Europa“ eines der elegantesten, kleinsten Kreuzfahrtschiffe. Neben einem großen kulturellen Angebot wie dem  „Stella Maris-Gesangswettbewerb“ und dem klassischen „Ocean Sun Festival“ gibt es auch kulinarische Hochgenüsse: Wie im Restaurant „Dieter Müller“. Der  Drei-Sterne-Koch ist an 80 Tagen pro Jahr an Bord der MS Europa und verwöhnt mit siebengängigen Amuse -Bouche-Menüs: Ob Tiramisu von der Gänseleber, Hummerbisque oder Kaviar-Rinderfilet-Carpaccio. Nicht zu vergessen: die schönst gelegene Bar der Welt, die „Sansibar“ – nicht in den Dünen auf Sylt, sondern am Heck der „Europa“ auf Deck 9.

PROST,  MAHLZEIT
Auf einer zehntägigen MS-Europa-Reise werden z.B. folgende Lebensmittel und Getränke genossen: 1.910 kg Fleisch, 1.385 kg Fisch, 24 kg Kaviar, 380 kg Lobster und 1.200 Austern, 7.550 Eier, 5.260 kg Gemüse,  7.245 kg Obst, 1.310 Flaschen Wein, 720 Flaschen Sekt und Champagner …
www.hl-cruises.de/schiffe/ms-europa

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(freizeit kurier am Samstag) Erstellt am
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