Reise
18.01.2018

Wo es so schön ist, dass es fast kitschig ist

Der "Rote Hahn" steht für Urlaub auf dem Bauernhof, Gastfreundschaft und Kulinarik, ohne Schnickschnack und Luxus, aber trotzdem auf hohem Niveau.

Nico stellt sich den neuen Gästen in den Weg und lässt sich auf den Boden fallen. Der gutmütige Hund vom Thalhofer Hof scheint auf die Welt gekommen zu sein, um sich von früh bis spät streicheln zu lassen. Wer das kurz vergisst, wird mit Pfotentapsern so lange erinnert, bis die Finger wieder durchs flauschige Fell wandern. Das lässt sich der neunjährige Ferdinand nicht zweimal sagen und knuddelt den Hofhund so richtig durch, während Bäuerin Erika Obrist seiner Tante eine Führung durch Hof und Garten gibt.

Der Thalhofer Hof in Latzfons bei Klausen gehört zum "Roten Hahn", einem Zusammenschluss von mehr als 1600 Bauernhöfen und 40 Schankbetrieben in Südtirol. Sie bieten naturnahe Urlaubserlebnisse ohne Schnickschnack und garantieren trotzdem Genuss auf höchstem Niveau.

Viele Tiere gilt es am Hof zu entdecken. Die Katzen liegen faul in der Sonne, die Hühner legen Eier in Baumstämme, die Ziegenböcke warten kampfeslustig auf Zuschauer und die Hasen hoppeln in ihrem großen Gehege herum. Die Kindern lieben es, die Eier einzusammeln, oder zu den Zicklein ins Streichel-Gehege zu klettern und mit ihnen zu spielen. Bei so vielen Tieren bleibt gar keine Zeit für den Spielplatz, nur die große Schaukel, bei der man über dem Hang schwingt, muss sein.

Selbst anpacken

Wenn Bauer Florian die Kühe von der Weide in den Stall holt, helfen seine Kinder Daniel, Anja und Ivan gemeinsam mit den Gästen tatkräftig, die Tiere zu versorgen. Die Kühe bekommen frisches Heu, die jungen Kälber frische Milch zu trinken. Aktiv mit den Bauern werken zu können, ist eine von vielen Voraussetzungen für einen Hof, um beim "Roten Hahn" aufgenommen zu werden – auch hofeigene Produkte muss jeder Betrieb anbieten.

Erika bereitet ihren Gästen etwa ein liebevolles und abwechslungsreiches Frühstück zu, serviert dazu selbst gemachten Traubensaft und eingekochte Marmelade sowie selbst gebackenes Brot. Wie man das nach einem alten Südtiroler Rezept macht, zeigt die Bäurin in der Backstube samt eigens gebautem Ofen. Den Gästen bleibt es überlassen, ob sie nur zuschauen oder selbst den Teig kneten. Das Brot schmeckt auch hervorragend zur Speckjause. Das Fleisch dafür kaufen Erika und Florian zu, geselcht wird selbst.

Irgendwann fällt auf: Fernseher, Konsole und Smartphone gehen keine Sekunde ab. Dafür bleibt keine Zeit, denn wenn Ferdinand nicht bei den Tieren ist, spielt er mit Ivan und Daniel Fußball, bis die Sonne untergeht. Es gefällt ihm so gut am Thalhofer Hof, dass er kaum zu überreden ist, auch die Umgebung zu erkunden. Dabei gibt es so viel zu entdecken.

Elefanten und Lamas

Als sie in Brixen halten, schlendern Ferdinand und seine Tante durch die herzigen Gassen des mehr als 1000 Jahre alten Zentrums, einst Reisestation der Kaiser und prunkvolle Bischofsstadt. Sie stoßen auf kleine Boutiquen, einladende Kaffeehäuser und beeindruckende Bauten. Zwischen Domplatz und Hofburgplatz steht der hölzerne Soliman, der an den Elefanten erinnert, der auf seiner Reise nach Wien im 16. Jahrhundert in Brixen Halt machte.

Keine Elefanten, aber Lamas und Alpakas gibt am Waldharthof, auch Teil des "Roten Hahns", in Natz-Schabs zu sehen. Zusätzlich zu ihren Ferienwohnungen bieten Erich Tauber und sein Sohn Andreas Spaziergänge mit den Tieren an.

Ferdinand, der anfangs gar nicht von "seinem" Bauernhof weg wollte, geht nun mit einem Alpaka an der Leine durchs Dorf und strahlt glückselig. Die staunenden Passanten beweisen: Er und sein pelziger Freund sind die Stars auf der Straße.

Beruhigende Tiere

Der Bub, der sonst immer in Bewegung ist, ist jetzt ganz ruhig. Die Tiere haben eine therapeutische Wirkung, erklärt Erich. Ferdis Tante – ein Lama an der Seite – spürt sie auch. Sie passen sich dem Schritt an und gehen völlig unkompliziert nebenher.

Beim zweistündigen Spaziergang, der über Wiesen und durch Apfelplantagen, die in voller Blüte stehen, führt, ist eine Jause eingeplant. Da darf, man ist in Südtirol, ein herzhafter Speck nicht fehlen. Und selbst gemachter Apfelsaft, der nicht nur herrlich schmeckt, sondern auch eine außergewöhnlich rote Farbe hat.

Danach zeigt Erich noch seine Schweine, Pferde, Hühner, Wachteln und Katzen. Schon wieder ein Hof, von dem sich der Neunjährige nicht verabschieden will.

Als es zurück am Thalhofer Hof schließlich Zeit für die Heimreise ist, ist nicht nur Ferdinand traurig, der sich von seinen neuen Freunden und den Tieren trennen muss, auch Nico stellt sich ihnen noch einmal in den Weg und macht etwas, das er vorher noch nicht gemacht hat: er bellt.

Anreise von Wien auf der A1, über das große deutsche Eck, A12 nach Innsbruck, A13 über den Brenner auf die A22 bis Klausen. (ca. 6 Std.)

Essen und Trinken Köstliche Schmankerl am Villscheiderhof in Brixen ☎ +39 472 832037, info@villscheider.info

Aktivitäten Fischen bei der Fischerstube Vahrn, Brennerstraße 125, 39040 Vahrn

– 2 Stunden Lamatrekking mit dem Bauer vom Waldharthof in Natz-Schabs (10 €/ P. ) ☎ +39 472 412242, waldharthof.it

– Mountaincarts fahren auf der Plose ist ein riesen Spaß. Nur im Sommerbetrieb der Bergbahn und nur an gewissen Tagen. www.plose.org

Thalhofer Hof verfügbare Termine bis Mitte Mai, Ferienwohnung Edelweiß für 2–6 Personen ab 67 €/ Nacht (bei 2er Belegung), Ferienwohnung Enzian für 2–3 Personen ab 61 €/Nacht (bei 2er Belegung). inkl. Klausen Card (u. a. gratis Öffis in Südtirol, freier Eintritt in über 80 Museen, Eintritt in Schwimmbäder). Details: ☎ +39 472 545395, info@thalhofer.it, www.thalhofer.it

Auskunft www.roterhahn.it/de