Pilion: Griechenland wie vor 20 Jahren

Blick auf Pilion.
Foto: wikimedia commons Heidi B

Auf der Halbinsel Pilion ist die Zeit stehen geblieben: Dörfer ohne Discos, Strände ohne Trubel, urige Tavernen. So himmlisch schön, dass selbst Zeus hier urlaubte.

Die griechischen Götter flogen der Mythologie nach jedes Jahr im Sommer auf die zentralgriechische Halbinsel Pilion, die Lauda Air tut es heuer ab 21. Mai nach langer Zeit erstmals wieder: Ein Direkt-Charter in die Regionalhauptstadt Volos bringt dieses wildromantische Stück ursprüngliches Hellas näher an Wien heran, das sonst nur über eine dreistündige Autofahrt von Thessaloniki aus erreichbar ist.

Der KURIER hat das "Liebesnest der griechischen Götter" vorab mit dem Mietauto erkundet und sich wie einst der Göttervater in diese besonders süßen Seiten Griechenlands verliebt.
Pilion ist aber nicht nur die Bezeichnung für die stiefelförmige Halbinsel, sondern zugleich auch der Name des 1624 Meter hohen Berges mit einem herrlich vorsintflutlichen Skigebiet, wo bis in den April hinein Schnee liegt.

Start: Volos

Ausgangspunkt meiner Fahrt ist Volos. Die 755.000-Einwohner-Stadt ist quirlig und schmucklos wie alle größeren griechischen Städte. Aber immerhin gibt's hier etwas, was man sonst noch kaum auf dem Pilion findet: Internet-Cafés, Fast-Food-Restaurants, Bars mit lauter Musik, Bierlokale und - Bankomaten. Hier sollte man sich gleich mit dem nötigen Bargeld ausstatten, sonst könnte es knapp werden auf der Halbinsel.

Am schönsten zeigt sich Volos an der mehrere Kilometer langen Uferpromenade, wo sich ein Lokal ans andere reiht, am Wochenende die halbe Stadt lustwandelt, wo Straßenhändler Luftballons und Loukumades verkaufen. Loukoumades sind wie Donuts, nur viel süßer, weil die Griechen sie im Honig triefen lassen.
Mir steht der Sinn nach Würzigem: In einer Tsipouradika (Schnaps-Lokal) bestelle ich "Tsipouro me Meze" - das Imbiss-Menü des Pilion mit Trester-Schnaps und Köstlichkeiten wie saurem Fisch, griechischem Erdäpfelpüree, Taramosalata (Fischroggensalat) und dergleichen. Gestärkt fahre ich die Uferstraße Richtung Stiefelspitze.

Fischerdörfer trotzen Krise

Blick auf Pilion. Foto: wikimedia commons Heidi B Blick auf Pilion.

Es kann allerdings zwei Gründe geben, Volos nicht sofort Richtung Pilion zu verlassen: Zum einen sind von hier die berühmten Meteora-Klöster in eineinhalb Autostunden erreichbar, zum anderen kann man die Fähre nach Skiathos nehmen. Die Insel liegt wie der abgetrennte Absatz vor dem stiefelförmigen Pilion.
Ich begebe mich aber auf die Zeitreise Richtung Südosten und mit jedem Kilometer lege ich scheinbar ein Jahr zurück, bis ich im Fischerdorf Afissos in einem Griechenland wie vor 20 Jahren lande.

Wie Perlen reihen sich am windgeschützten Golf von Volos entzückende Fischerdörfer aneinander. Die Welt ist hier noch halbwegs in Ordnung. Zwar stöhnen die Menschen auch hier über die Wirtschaftskrise, aber das Lächeln strahlt über die Sorgenfalten in den wettergegerbten Gesichtern hinweg.

In Milina treffe ich auf eine sympathische Aussteiger-Enklave: In der Ufertaverne "En Plo" ("Auf hoher See"), dem letzten Wirtshaus im Ort, stammt die Köchin aus Indonesien, die Kellnerin aus Albanien, die Aushilfe aus Nigeria. An den Tischen trinken Deutsche und Holländer Bier, die alle viel länger bleiben als ich. Hamburgerin Anna etwa lebt seit 26 Jahren von Gelegenheitsarbeiten und Gemüse aus ihrem winzigen Garten. "Wenn du in Hamburg kein Geld hast, verhungerst du", sagt sie.

"In Milina kannst du auch ohne Geld leben." Manchmal verdient sie nur 80 € im Monat, "aber ich bin hier so glücklich wie noch nie". Früher hat sie oft einen berühmten Österreicher getroffen - Austropopper Wolfgang Ambros, der hier früher die Sommer verbracht hat. "Aber der lässt sich nur noch selten blicken."

Die Straße nach Trikeri in der Stiefelspitze bietet Fotomotive am laufenden Band: Olivenhaine, Tavernen, und winzige vorgelagerte Inseln.
Am nächsten Tag ist "Bergwertung" angesagt - auf geht's auf den Götterberg Pilion. Ein ideales Pflaster für Wanderer, Mountainbiker und Cabriofahrer. Die für griechische Begriffe bis auf wenige Stellen recht gut ausgebaute Straße schlängelt sich hinter Volos in Serpentinen hinauf, vorbei an einem dicht bewaldeten Hügel, einer Kapelle und mit schönen Ausblicken auf die Bucht von Pilion.

Süße Früchtchen

Ein besonderer Genuss für jeden Griechenland-Fan sind die urigen Bergdörfer. Vizitsa etwa - mit ungewöhnlichen Steinhäusern samt Holzläden und Zierfenstern unterm Dach. Oder Milies, das "Apfeldorf", wo Mitte Juli ein Handwerksfest gefeiert wird. Hier gibt's ein Museum, in dem Leiterin Ellen in gutem Englisch Interessantes aus der Region erzählt. Hier ist auch Endstation der Pilion-Bahn , die sich jeden Tag ab zehn Uhr von Ano Lechonia bei Volos in eineinhalb Stunden auf den Berg plagt. Rückfahrt: 14 Uhr, One-Way-Ticket: 10 €.
Das allerschönste Dorf ist Makrinitsa, auch "Balkon des Pilion" genannt. Ein romantisches Ensemble aus uralten Steinhäusern, Geschäften, Tavernen und steinernen Maulesel-Pfaden. Ein Bild für Götter!

Ein recht skurriles Erlebnis ist der Wintersportort Hania mit seinen antiken Einser-Sesselliften, die an die Anfänge des Ski-Tourismus erinnern.
Nach Hania ändert sich plötzlich die Landschaft: Überall Apfelbäume, dazwischen Bauernhäuser, viel Grün, und Blick aufs Ägäische Meer. Bei Zagora werden die Äpfel in einem riesigen Betrieb sortiert und für den Import vorbereitet. Auf dem Pilion gibt's übrigens eine einzigartige Apfelsorte: Firiki , kleine längliche rote Früchte, die süßer sind als unsere steirischen. Den Griechen sind sie aber immer noch nicht süß genug. Drum füllen sie die Firiki vorzugsweise in Einmachgläser und legen sie in viel Zuckersirup und Honig ein. So kann man sie in den Dörfern als typische Souvenirs kaufen.

Muss für Verliebte

Auch auf der Ägäis-Seite hat der Pilion Zuckersüßes zu bieten - Fotomotive und Zufluchtsorte für die Seele: entzückende Dörfer, kleine Badebuchten, bizarre Felsküsten. Horefto ist zum Beispiel ein bezauberndes Fischerdorf, touristischer geht's in Agios Ioannis zu.

Ein absolutes Muss für Verliebte, Romantiker, Burn-out-Opfer und Hobby-Philosophen ist die Bucht von Damouchari. Die findet man vom Parkplatz erst einmal gar nicht. Nach ein paar Minuten Gehweg steht man plötzlich dort, wo die "Dancing Queen"-Szene für den ABBA-Film "Mamma Mia" gedreht wurde. Von der Ufertaverne kann man die wunderbare Kulisse erste Reihe fußfrei genießen und sogar übernachten.
Ja, und noch was Süßes gibt's auf dem Pilion: Zum Nachtisch schenken viele Tavernen-Wirte ihren Gästen ein Mini-Eis am Stil oder eingelegte Firiki. Ist doch göttlich!

Infos

Direkt-Charter Lauda Air fliegt vom 21. Mai bis 1. Oktober jeden Samstag direkt Wien nach Volos. One-Way ab 149 €. www.laudaair.com

Mietauto Eine Woche ab/bis Flughafen Volos zum Beispiel bei Hertz ab 161 €, www.hertz.at

Geld & Preisniveau Einfache Mahlzeit in einer Taverne ab ca. 6 €, 1/2 Liter Hauswein 2,50 €. Achtung: Man sollte immer genügend Bargeld dabei haben. Nicht in jedem Ort gibt's Bankomaten, auch Kreditkarten werden nicht überall akzeptiert.

Essen & Trinken
Die meisten Tavernen bieten kaum mehr als das übliche Standard-Essen wie Souvlaki und Gyros, aber es gibt auch fast überall frischen Fisch. Unbedingt probieren sollte man:
Meze & Tsipouro: Anisschnaps und kleiner Imbiss wie Kartoffelsalat und Fisch, gibt's für 3 € in den
Tsipouradikas an der Uferpromenade von Volos.
Firika: die süßen kleinen Äpfel, in Honig eingelegt, werden in den Läden in Portaria und Milies verkauft.
Lobster und anderes Seafood in den Tavernen von Agia Kiriaki.
frischen Fisch in einer der drei Tavernen von Katigiorgis.

Strände Die schönsten Strände am Golf von Volos erreicht man am besten mit dem Boot von Kala Nera oder Afissos aus. Die Strände auf Ägäis-Seite sind für Surfer geeignet. Top-Sandstrände sind Potistika bei Xinovrisi, Platanias, Agios Ioannis, Lefocastro.

Auskünfte Griechische Tourismuszentrale in Wien,
T.: 01/ 512 53 17-15

(kurier) Erstellt am
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