Narrenturm & Alsergrund: Wien zu Fuß entdecken

Am 5. November luden die Fremdenführer des Vereins Wiener Spaziergänge zum "Tag der Wiener Spaziergänge". Diesmal warten kostenlose Themenrundgänge rund um den Narrenturm.

"Rund um den Narrenturm Wien entdecken" lautet das Motto der Wiener Spaziergänge, die am 5. November zu kostenlosen Themenstadtführungen laden. Die Fremdenführer des Vereins Wiener Spaziergänge führen ganzjährig durch Wien - und zwar nicht nur Touristen, sondern immer öfter auch Wiener und Österreicher, die "ihre" Stadt gerne von einer anderen Seite kennen lernen möchten. "Für unseren Tag der Wiener Spaziergänge 2011 haben wir mit dem Narrenturm und Umgebung ein besonders interessantes und für viele Einheimische 'verstecktes' Eck von Wien ausgegraben, das wir gemeinsam entdecken werden," so Kerstin Timmermann, Vorstand des Vereins. 

Angeboten werden die folgenden Themen-Stadtführungen, die alle zu Fuß stattfinden. 1. "Der Narrenturm: Eine Entdeckungsreise in den runden Gemäuern"

Vom Narrenturm, Europas erstem psychiatrischen Krankenhaus, geht eine morbide Faszination aus. Seine außergewöhnliche Architektur war 1784 eine Sensation. Die über 200 Jahre alten, runden Gemäuer beherbergen heute das pathologisch-anatomische Museum, in dem an die 50.000 Objekte ausgestellt sind. In Glasgefäßen und Schaukästen sind menschliche und tierische Präparate zu sehen, die verschiedenste Krankheiten dokumentieren und Medizinern im Laufe der Geschichte bei Diagnostik und Therapie geholfen haben. Auch eine Sammlung von Trocken- wie Feuchtpräparaten oder Skelette werden in den ehemaligen Zellen für Nervenkranke gezeigt. Lange Zeit im Volksmund "Kaiser Josef II. Gugelhupf" genannt, erfahren Interessierte während der Tour auch, warum die Wiener den Kaiser selbst dort einweisen wollten. Niemand verstand zu jener Zeit, warum er so viel Geld für die "Irren" investierte… 2. "Die Strudlhofstiege: Geschichten und Geschichte rund um die berühmteste Stiege Wiens."

Unweit des Narrenturms lädt ein weiteres geschichtsträchtiges Bauwerk zu einer Zeitreise ein. Die im Wiener Jugendstil erbaute Strudlhofstiege verbindet die Strudlhofgasse und die Liechtensteinstrasse im 9. Bezirk. Sie wurde vor über 100 Jahren zur öffentlichen Benützung freigegeben. Die Strudlhofstiege ist nicht nur ein bauliches Juwel im Alsergrund, sondern auch ein literarisches. Ihren Namen verdankt die berühmte Stiege dem Maler und Bildhauer Peter von Strudel, der 1690 den Strudelhof errichtete und dort eine private Malerschule eröffnete. Typisch Wien: Ob der akustischen Vereinfachung ging im Laufe der Jahre das "e" im Namen von Strudel verloren. Weltbekannt wurde die Treppenanlage durch den Roman "Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre" von Heimito von Doderer. Einige zentrale Ereignisse des Romans spielen in ihrer Umgebung. Seit der Renovierung im Jahr 2009 sind die geschätzten Worte Doderers bei den Stiegen zu lesen: „Wenn die Blätter auf den Stufen liegen, herbstlich atmet aus den alten Stiegen, was vor Zeiten über sie gegangen,…“ 3. "Das Alte AKH - Von Maulbeerbaum-Plantagen, den Träumen des Kaisers Joseph II., und einem modernen Uni-Campus."

Wussten Sie, dass dort, wo heute Studierende im Frühjahr die Mittagspause genießen, vor zirka 300 Jahren Tausende von Raupen Seide gesponnen haben? Die riesige Maulbeerbaum-Plantage im heutigen Hof 1 des Alten AKH wurde von den Bewohnern des damaligen Armenhauses betreut. Zahlreiche überraschende, interessante und unglaubliche Informationen erfährt man beim Spaziergang durch den heutigen Uni-Campus im Alten AKH. Ob über das "Tor der heimlichen Schwangeren", das größte Findelhaus Europas, oder ... ... die wechselvolle Historie des jüdischen Betpavillons im AKH - der moderne Uni-Campus ist voller Geschichte und Geschichten. Der Campus der Universität Wien ist auch wegen seiner Architektur und seiner Gesamtkonzeption ein besonderer Ort. Als Teil der Universität Wien beheimatet der Campus über 15 vorher über das Stadtgebiet verteilte Fachbereiche und eine Reihe von studentisch geprägten Lokalen. 4. "Der 9. Bezirk - Interessantes aus der Vorstadt. Von den Arbeitern aus Lichtental bis zu den noblen Sommerresidenzen der Adeligen."

Bei einem Rundgang durch den neunten Wiener Gemeindebezirk erfährt wohl auch der Ortskundige noch viel Neues. Namensgebend für den Alsergrund ist das Bächlein "Als", das vom Wienerwald durch die Stadt fließt und schon seit dem 19. Jahrhundert unterirdisch geleitet wird. Hygienischen Gründe machten es notwendig, den Fluss einzuwölben. Heute mündet der Alserbach bei der Friedensbrücke in den rechten Hauptsammelkanal. Ihre Blütezeit erlebte die Vorstadt Alsergrund, als Adelige wie der Fürst Johann Adam von Liechtenstein begannen, ihre Sommer-Palais auf den günstigen Gründen außerhalb der Stadtmauern zu bauen. Auch erste Manufakturen siedelten sich im 18. Jahrhundert an. So war beispielsweise im Bezirksteil Lichtental die Weberei das wichtigste Gewerbe. Am Michelbeuerngrund gab es wiederum die größte Dichte an Ziegeleien. Nicht nur zahlreiche medizinische Institutionen oder Sigmund Freud prägten also den 9. Bezirk. Seit 20 Jahren organisiert der Verein Wiener Spaziergänge Wiener Spaziergänge und führt Tausende Geschichts- und Kulturinteressierte pro Jahr kreuz und quer durch Wien, um den Geheimnissen der Stadt auf den Grund zu gehen. 

Der nächste Termin:
Samstag, 5. November 2011 ab 10 Uhr
Treffpunkt: Narrenturm, Uni Campus
Spitalgasse 2, 1090 Wien
Die Führungen sind an diesem Tag kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
www.wienguide.at
(KURIER.at) Erstellt am
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