© Hapag-Lloyd Cruises/Richard Hübner

Reise
11/15/2019

Luxus-Kreuzfahrt braucht keinen Smoking und kein Schweröl

Deutlich legerer geht die MS Europa nach einem Werftaufenthalt auf Kreuzfahrt. Für die Umwelt verzichtet man 2020 auf Schweröl.

von Caroline Kaltenreiner

Es ist schon wieder passiert: Die MS Europa und das Schwesterschiff Europa 2 sind als einzige Schiffe vom Berlitz Cruise Guide mit der Bestnote Fünf-Sterne-Plus (Kategorie kleine Schiffe mit 251 bis 750 Passagieren) prämiert worden. Schon zwanzig Jahre in Folge erreicht die Europa diese Auszeichnung, nicht zuletzt, weil sich das Schiff ständig Erneuerungen unterzieht.

Erst Mitte Oktober ist die doch schon ältere Dame wieder von ihrer Schönheitskur, sprich einem Aufenthalt in der Werft, zurück gekommen. Während in den vergangenen Jahren viel in die Modernisierung der Suiten und Badezimmer gesteckt wurde, wurde dieses Mal vor allem das kulinarische und gesundheitliche Konzept in Angriff genommen.

Geschuldet ist das dem Luxuskunden, der sich verändert, wie Marktforschung und Gästebefragungen zeigen. Heute geht es weniger um die Zelebration gesellschaftlicher Anlässe, sondern um die individuelle Erfahrung und Freiheit, erklärt Negar Etminan, Sprecherin von Hapag-Lloyd-Cruises. Sind vor fünfzehn Jahren Damen in Roben, reich beschmückt und die Herren im Smoking zum Dinner erschienen, lautet der Dresscode heute sportlich-elegant und bei Welcome- und Farewell abendlich-elegant – also mit Cocktailkleid bei den Damen und Anzug und Krawatte bei den Herren.

Das Schiff immer weiter zu modernisieren, dabei aber das beizubehalten, was die Gäste schätzen, wie die Nähe zu Crew und Captain, sei eine Herausforderung, erklärt die Sprecherin. Passt zu dem, was ein Passagier am Alleinreisenden-Stammtisch in der Gatsby-Bar erzählt. Dieses Jahr sei es schon seine vierte Kreuzfahrt mit Hapag-Lloyd. Gegen die Modernisierung habe er nichts einzuwenden, aber er sei auch zuvor sehr zufrieden gewesen. Ein besonderes Erlebnis sei für ihn die Einschiffung in der Werft gewesen. Geplant war das nicht, aber die Improvisation nach einer Verzögerung kam bei den Stammgästen gut an.

Veränderungen zeigen sich in der Kulinarik: Wurde man früher beim Essen fix an großen Tischen platziert, gibt es jetzt mehr Zweiertische. Das Hauptrestaurant Europa ist etwas kleiner, die Spezialitäten-Restaurants, in denen Gäste je einmal ohne Aufpreise reservieren können, sind größer geworden.

Weltküche und neunzig Gramm Kaviar

Apropos Spezialitätenrestaurants: Nach zehn Jahren hat man sich von der deutschen Kochlegende Dieter Müller verabschiedet. Das Fine-Dining-Restaurant bespielt jetzt Kevin Fehling, der mit seinen jungen Jahren in seinem Hamburger Restaurant „The Table“ schon drei Sterne erkocht hat. Für den 42-Jährigen ist es eine Rückkehr auf die Europa, war er doch 2002/03 als Souschef am Schiff angeheuert. „The Globe“ hat er gemeinsam mit den Architekten von Cubik3 kreiert. Fehlings Liebe zu Astronomie spiegelt sich nicht nur im Namen, sondern auch in der Einrichtung wider: An die rauen Betonwände wird die Milchstraße projiziert und die vielen runden Lampen unterschiedlicher Größen sowie die Teller erinnern an das Sonnensystem. Das Menü stellt eine kulinarische Reise unserer Welt dar, inspiriert von den unterschiedlichen Kulturen und Aromen, die der Koch auf seinen Abenteuern kennen lernte. Die Gänge sind extravagant präsentiert, die Gänseleber kommt in Form des Pharaos daher und das Kalamansi-Ganache (Zitrus-Creme) als Tempel.

Weil für mehr Flexibilität fünfzig weitere Sitzplätze benötigt wurden, hat man mit dem „Pearls“ eine zusätzliche Alternative zum Hauptrestaurant Europa geschaffen. Eines der Glanzlichter an Bord, die Küche, muss sich keinesfalls hinter der von Kevin Fehling verstecken. 90 Gramm Kaviar, etwa Prunier, Ossetra und Beluga, werden pro Person im Menü „Schätze des Meeres“ am Heck von Deck 7 kredenzt.

Zu den Passagieren, die nicht jünger, aber aktiver und fitter sind, als noch vor einigen Jahren, passt das neue, ganzheitliche Wellbeing-Konzept. Mit dem „Doc-Fleck“ Frühstück können Gäste, die das wollen, gesund in den Tag starten. Die Internistin und Bestsellerautorin Dr. Anne Fleck wird auf einigen Reisen anwesend sein und Vorträge halten. An Bord befinden sich Sport-, Wellness-, Golf- und externe Experten, die Workshops und individuelle Beratungen anbieten. Damit Bewegung nicht zu kurz kommt gibt’s auf dem Schiff einen Joggingpfad, ein Fitnessstudio und ein Les-Mills-Kursangebot.

Und die Umwelt? War in der Werft auch Thema, obwohl man baulich eingeschränkt ist. Trotzdem wurden Bunkerkapazitäten zugunsten einer neuen Balastwasseranlage geopfert, damit die Wasseraufbereitung so stattfindet, dass Meeresflora und -fauna nicht von Ort zu Ort verschleppt werden. Ab Juli 2020 verzichtet zudem die ganze Flotte auf Schweröl. Als Kraftstoff wird Marinegasöl eingesetzt, das wesentlich teurer ist, aber einen Schwefelgehalt von nur 0,1 Prozent hat und deutlich weniger Feinstaub und Ruß aufweist. Nachhaltigkeit darf eben auch dem Luxusgast von heute nicht egal sein.

Das Schiff
Das Luxus-Schiff verfügt ausschließlich über Suiten ab 27 m² (insg. 204  für max. 400 Gäste), fünf Gourmet- restaurants ohne Aufpreis, Bars, einem Wellnessbereich mit Spa, Fitnessstudio, Golfsimulator und Außenpool

Preisbeispiele
– Von Fort Lauderdale nach New York 12.– 28.4.2020 (16 Tage) Ab 7.190 €/Person.  hl-cruises.de/EUR2006
– Von Civitavecchia (Rom) nach Palma de Mallorca vom 9.–20. Mai 2021 (11 Tage). Buchbar ab 5.311 €/ Person.  hl-cruises.de/EUR2108

Buchung
Entweder direkt bei Hapag Lloyd (hl-cruises.de) oder im Reisebüro bei Kreuzfahrtspezialisten wie Kuoni Kreuzfahrtcenter (Kärntner Ring 15, 1010 Wien, 01 / 512 9400) oder  Austrian Cruise Center (14x in Österreich, 0800/66 55 74)