Vom Magdalensberg blickt man weit über Mittelkärnten.

© Franz Gerdl/Kärnten Werbung

Reise
03/21/2019

Mittelkärnten: Kulinarische Geheimtipps entdecken

Von Kasnudln über Reindling bis zur Haubenküche - in der Region im Herzen Kärntens lässt sich vieles entdecken.

von Ingrid Teufl

Ein Germkuchen, bestrichen mit Honig-Mohn-Butter und belegt mit Schinken und Kren? Klingt ungewöhnlich, gehört aber in vielen Familien Mittelkärntens zum traditionellen Oster-Brauchtum.

Der Reindling ist für sich schon eine Spezialität, wie Kärnten-Fans wissen. Germteig wird mit Zimt, Zucker und Rosinen gefüllt, eingerollt – und in einer Gugelhupfform ohne Loch (dem „Reindling“) gebacken.

Mit dem Einrollen haben es die Mittelkärntner offenbar. Denn auch die eingangs erwähnte Buttermischung ist eine Rolle, die mit Honig und Mohn gefüllt ist. Jetzt fehlt nur noch Osterschinken mit Kren – fertig ist die Osterjause.

Konditorei Taupe: 100 Jahre altes Reindling-Rezept

Im Rest des Jahres ist die Café-Konditorei Taupe St. Veit eine gute Anlaufstelle in Sachen Reindling. Er wird hier nach einem 100-jährigen Originalrezept von Hand in einer Schau-Backstube gefertigt.

Mittlerweile ist das Backwerk auch außerhalb Kärntens bekannt. Die Region Mittelkärnten ist hingegen noch ein Geheimtipp auf der Landkarte. Dabei haben Glan-, Gurk- und Görtschitztal oder Orte wie St. Georgen am Längsee, Metnitz und Friesach viel zu bieten, das eine Erkundung lohnt.

Hier, rund um die Bezirksstadt St. Veit/Glan, liegt die „historische Mitte“ Kärntens. Davon zeugen Sehenswürdigkeiten wie die imposante Burg Hochosterwitz oder Friesach mit seinem mittelalterlichen Zentrum.

Kulinarische Schätze: Wirtshäuser und Top-Restaurants

Kulinarisch ist die Region ein Schatz, der sich quer durch die Region wunderbar entdecken lässt. Hier findet man alles – von urigen Buschenschanken über gutbürgerliche Wirtshäuser bis zu gehobener und kreativer Spitzenküche. Was sie alle eint: Die Verbundenheit zur Umgebung, die sich in der Verwendung regionaler Produkte zeigt. Getrunken wird dazu, was kleine Brauereien (z. B. Wirtshaus-Brauerei Gelter, St. Veit) und Weingüter produzieren.

Nationalspeise Kasnudl

Egal, wo man isst, an der Nationalspeise Kasnudl kommt man nicht vorbei. Das gefüllte Teigtascherl fehlt auf keiner Wirtshauskarte – und es schaut überall ein bisschen anders aus.

Das ist auch gut so. Weist es doch auf den Status des Selbstgemachten hin und ermöglicht das Verkosten der unzähligen Füllungen – von Topfen und Minze, Erdäpfeln, Pilzen und Fleisch. Zum Beispiel gepaart mit einzigartigem Panoramablick über die Karawanken, im Gipfelhaus Magdalensberg der Familie Skorianz.

Das Haus ist weithin bekannt für seine Kasnudl-Varianten, die man am besten mit dem „Kudl-Mudl-Nudelteller“ kennenlernt. Neben der traditionellen Kärntner Nudl gibts auch Knoblauch, Spinat, Fleisch, Kraut oder Tomate/Mozzarella. In Friesach ist Caroline Leitgebs kleine Manufaktur eine gute Anlaufstelle für Kasnudln. 60 Sorten stellt sie her (auch Online-Versand).

Kulturwirtshaus Bachler: Kreative Neuinterpretationen

Keine Frage, dass es die Nudln auch süß gibt. In der Version von Gottfried Bachler vom gleichnamigen Restaurant und Kulturwirtshaus in Althofen werden die Nudln mit getrockneten Birnen (Kletzn) gefüllt, der Teig besteht aber aus Traubenkernmehl. Dieses Dessert ist typisch für den Tüftler Bachler: Kreative Neuinterpretationen traditioneller Rezepte, mit regionalen Produkten. Er fermentiert Erdbeeren, räuchert gekochte Eier oder kombiniert Reinanken und Saibling mit Topfen. Seine Frau Ingrid, eine profunde Sommelière, ist für den Weinkeller mit 750 Flaschen besten Weins verantwortlich.

Drehscheibe "Marktplatz Mittelkärnten"

Die Bachlers, die vor über 30 Jahren quer in die Gastronomie eingestiegen sind und seither mit lokalen Produzenten arbeiten, haben den „Marktplatz Mittelkärnten“ ins Leben gerufen. Derzeit zählt diese Zusammenschluss 46 Mitglieder, darunter eingesessene Wirte.

Deren junge Generation geht oft neue Wege, wie etwa die Familie Moser im gleichnamigen Gasthaus in Guttaring. Dort züchtet und verarbeitet man unter anderem spezielle Rindersorten wie das Wagyu-Angus Rind.

Gasthof Liegl: Mutter und Tochter in der Küche

In St. Peter bei Taggenbrunn kocht mittlerweile im Gasthof Liegl die Tochter des Hauses Elisabeth Warmuth-Liegl mit Mutter Alberta auf dem Niveau einer Gault&Millau-Haube und setzt dabei auf liebevolle Details. Zum Carpaccio vom Kärntner Saibling kombiniert sie etwa Orangen-Basilikum-Schaum.

Elisabeths Mann Michael, gelernter Fleischhauermeister, betreibt mit seinem Schwiegervater eine Landwirtschaft und ist im Service für Menü-Gäste ebenso da, wie für Einheimische, die sich auf ein Bier an die Schank setzen. Und da lässt es sich erst so recht in die Region eintauchen, denn Essen und Trinken haben die Leut’ noch immer zusammengebracht.

Info

Anreise

Mit dem PKW von Wien über die A2 oder die A9 (Pyhrnautobahn), von Salzburg über die A10 (Tauernautobahn). Bahnreisende können in St. Veit/Glan, Althofen oder Friesach aussteigen.

Tipps für Ausflüge

- Burg Hochosterwitz:  Wehranlage aus der Renaissance-Zeit, große Waffensammlung in der  Rüstkammer. Beim Aufstieg passiert man 14 Tore, per Lift ist  es gemütlicher.
Friesach: Die mittelalterliche Stadt verfügt über den einzigen noch Wasser führenden Burggraben Mitteleuropas.
– Schokolade-Manufaktur: Fam. Craigher produziert in ihrer Schau-Manufaktur eigene Schokolade, in der Erlebnismanufaktur erfährt man alles über die Kakao-Produktion (Friesach, craigher.at)


– Dom zu Gurk: Die Grabstätte der Hl. Hemma befindet sich in einer imposanten 100-säuligen Krypta, sehenswert ist auch das berühmte Fastentuch.

Museen

- Heinrich-Harrer-Museum: Leben und Expeditionen des Bergsteigers, der Gebetsraum im Tibetmuseum  wurde vom Dalai Lama geweiht. (Hüttenberg, harrermuseum.at)
– Auer-von-Welsbach-Museum: Das Laboratorium des  Chemikers und Erfinders ist ebenso zu sehen, wie seine ersten Metallfadenlampen und Feuerzeugzündsteine. (Althofen, auer-von-welsbach-museum.at)
– Wachsstub’n-Museum:  In der Museums-Werkstatt zeigt Isabella Marx, wie früher Kerzen und Wachsstöcke erzeugt wurden.

Natur

Die hügelige Region Mittelkärnten bietet zahlreiche beschilderte Rad- und Wanderwege in den verschiedensten Schwierigkeitsgraden. Im Sommer kann man am idyllischen Längsee (St. Georgen) und am Maltschacher See (im Sommer max. 25 Grad) baden.

Auskunft

Tourismusregion Mittelkärnten,  Tel. 04212 / 456 08, www.kaernten-mitte.at