Reise 05.12.2011

Mehr als elf Millionen Menschen warten auf Rettung

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Dürre in Afrika: Das erste Flugzeug mit Nahrungshilfe ist in Mogadischu gelandet. Doch die UN-Luftbrücke ist "nur wie ein Tropfen im Ozean".

Eltern müssen ihren Kindern beim Sterben zusehen, weil diese zu schwach sind zum Schlucken. Immer mehr kranke und ausgezehrte Menschen sterben auf den langen Märschen zu den völlig überfüllten Lagern. In Dadaab in Kenia, dem größten Flüchtlingslager der Welt mit mehr als 400.000 Menschen, bekommen Neuankömmlinge Kekse, bis sie registriert und aufgenommen werden können. Dadaab wurde für 90.000 Menschen errichtet, bald werden es eine halbe Million sein. Viele Helfer fühlen sich von den Behörden behindert: Ein nagelneues Camp für 40.000 Menschen darf noch nicht in Betrieb genommen werden.

Die schlimmste Hungerkatastrophe in Ostafrika seit 60 Jahren stellt die Helfer vor unglaubliche Probleme. "Es ist ein logistischer Albtraum", der sich gerade am Horn von Afrika abspielt. Die Luftbrücke der UNO, die seit Montag stehen sollte, verzögerte sich. Die Regierung in Nairobi machte Zollprobleme geltend, ehe der erste Transporter nach Mogadischu abheben konnte. Wann die nächste Maschine mit vitaminreicher Nahrung startet, kann die in Nairobi stationierte Sprecherin des Welternährungsprogramms, Stephanie Savariaud, nicht genau sagen, weil alles von Start- und Landegenehmigungen abhängt. Doch die UNO-Organisation will ihre Hilfsflüge ausweiten und auch bald die Grenzregion Dollo beliefern. Denn die Situation in Somalia ist so verheerend, dass ein BBC -Reporter berichtete, jede Hilfsaktion in dem zerstörten Land wirke nur "wie ein Tropfen im Ozean".

Jeder Vierte hungert

Essensausgaben für die Flüchtlingsströme auf den "Straßen des Todes".
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Die Zeit wird knapp. Seit Juni weiß man, dass jeder vierte Äthiopier, Somali und Kenianer in den Dürregebieten stark unterernährt ist. Für Kenia sind die Flüchtlingsströme aus Somalia ein zusätzliches Problem, denn viele Somali wollen für immer bleiben. Außerdem befürchten die Behörden, dass sich Mitglieder der Shabaab-Milizen unter die Flüchtlinge mischen könnten. Bereits heute sind die Rebellen laut UNO in Kenia aktiv.

Auch im Norden Kenias leiden Hunderttausende unter der Dürre. Der Wiener Caritas-Mitarbeiter Andreas Zinggl, der sich in Marsabit befindet, sagte am Donnerstag: "Wir starten mit unserem Programm richtig los." An die Bevölkerung werden jetzt Essensgutscheine verteilt, damit die Familien selbst aussuchen können, was sie bei den lokalen Lebensmittelhändlern einkaufen können. "Fertige Pakete sind nicht so ideal," sagt Zinggl, denn damit zerstört man die lokalen Vertriebswege, die funktionieren. Außerdem gibt es jetzt Trinkwasser in Tanks. Zusätzlich startet ein Tier-Programm: Den Bauern werden die ausgemergelten Tiere zu einem erhöhten Preis abgekauft und geschlachtet. Damit erhalten die Familien Geld und Fleisch und können möglicherweise einen reduzierten Viehbestand ins nächste Jahr retten. Andreas Zinggl sagt, dass Spendengeld angekommen ist. Er klingt optimistisch.

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Erstellt am 05.12.2011