Reise | leseerlebnis
22.04.2017

Kult-Figuren: Die Bücher unserer Kindheit

Am Welttag des Buches erzählen Eltern, welche alten Geschichten sie ihren Kindern weitergeben

Pippi Langstrumpf, die drei Stanisläuse, Emil und seine Detektive, die Kinder aus Bullerbü, Pumuckl, das Sams: Die Kindheit ist voller imaginärer Wegbegleiter. Sie sind vielleicht alt, aber nicht in die Jahre gekommen. Noch heute lesen Eltern mit ihren Kindern die Geschichten, die sie früher glücklich gemacht haben. Sechs prominente Eltern erzählen, welche Bücher sie für ihre Kinder aus der Mottenkiste holen und was sie ihnen bedeuten.

Wer in Erinnerungen schwelgen möchte, kann sich inspirieren lassen: Sehen Sie sich diese 30 Bücher aus alten Zeiten an.

„Ich hatte selbst eine starke Beziehung zu meiner Großmutter“

„Mir fallen so viele Bücher ein“, sagt Schauspielerin Nina Blum und fängt an zu sprudeln: „Ich mochte die kleine Raupe Nimmersatt sehr gerne, weil ich ihre Verwandlung zum Schmetterling wunderbar fand. Und ’Valerie auf der Gute-Nacht-Schaukel’, weil ich immer in Fantasiewelten eingetaucht bin, bis ich in die Schule gekommen bin. Und die ’Omama im Apfelbaum’ hat mich sehr berührt. Ich hatte selbst eine starke Beziehung zu meiner Großmutter, die viel auf mich aufgepasst hat, sie war eine sehr starke, unkonventionelle Frau wie im Buch.“ Michael Endes Bücher berührten sie auch sehr, erzählt die Mutter von Baby Elsa imd Intendantin des Theater-Projektes "Märchensommer". „Ich war auch fasziniert vom kleinen Prinzen. Als Kind kann man das Buch gar nicht in seiner ganzen Vielfalt verstehen. Es geht um Werte und die Frage, wofür es sich zu leben lohnt. Wenn die Rose sagt: Komm’ jeden Tag zur selben Zeit, damit ich mich auf dich freuen kann', zeigt das schon, dass Rituale etwas Gutes sein können.“ So wie das gemeinsame Lesen von Eltern und Kind.

Geschichten vom Theo

Designerin Niko Fechter hat einen eindeutigen Literatur-Liebling aus ihrer Kindheit: „Alles von Christine Nöstlinger ist toll. Ich habe ihre Bücher als Kind verschlungen. Die Sorgen und die Themen werden nicht alt. Und sie schreibt österreichisch, das mag ich“, schwärmt die schwangere Zweifach-Mama. „Leider findet mein siebenjähriger Sohn Theo die ’Geschichten vom Franz’ nicht so cool, aber das wird schon noch.“ Dem kleinen Viktor liest sie gerade ihr altes Buch „Wer baut ein Haus?“ vor. „Die Maus will Architekt werden und er auch. Das Buch ist genial illustriert. Ich wusste, das muss ich unbedingt mitnehmen, wenn ich von zu Hause ausziehe.“

Fortsetzung folgt nicht

Das Leseverhalten von Kabarettist Gerald Fleischhacker war ähnlich wie bei vielen Kindern seiner Generation: „Ich habe alles gelesen, was in der Fernsehsendung ’Fortsetzung folgt nicht’ vorgestellt wurde.“ In diesem legendären Kinderprogramm wurden Buch-Szenen verfilmt, um die Zuschauer neugierig zu machen. Beim kleinen Gerald wirkte es. „Ich habe gerne ’Die fünf Freunde’ gelesen. Und natürlich ’Das kleine Ich bin ich’.“
Seiner Tochter Lila (2) liest er vor, dem großen Sohn Nuno (9) nicht mehr, „der liest schon selbst. ’Die drei Fragezeichen’ sind wieder wieder out. Jetzt lesen wir ’Tom Gates’, eines nach dem anderen im Schnelldurchzug. Und alles von David Williams. Das ist ein super Typ aus England. Schräger böser Humor für Kinder und auch Geschichten über den Tod oder Trennung mit dabei, eine Gangsteroma zum Beispiel.“ Lili (2) bevorzugt Von der Oma werden die Kinder mit moderner Literatur versorgt: „Sie lässt alles signieren, wir haben eine ganze Sammlung: Ben Becker. Turrini. Saskia Hula.“

30 Kult-Kinderbücher: Erinnern Sie sich noch an diese Geschichten?

30 Kult-Kinderbücher: Erinnern Sie sich noch an diese Geschichten?

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Gute Botschaft für Kinder

Rapid-Kapitän Steffen Hofmann liest seinen Kindern gerne „Das kleine Ich bin Ich“ vor: „Ich habe das Buch erst als junger Vater kennengelernt und trotzdem hat es auch mich noch geprägt. Die Botschaft „Sei einfach so, wie du bist“ finde ich sehr passend – und für ein Kinderbuch perfekt.“ Und für einen Mann, der so in der Öffentlichkeit steht, auch. In den unzähligen Wiederholungen, die Kinder lieben, entfaltet der Inhalt erst seine Wirkung, findet er: „Für unseren Jüngsten, den Sohn, ist es vorrangig lustig. Für die beiden älteren Mädchen zählt schon die Botschaft.“

Das Buch passt in unsere Zeit

Für Schauspielerin Ruth Brauer-Kvam war das prägende Jugendbuch Michael Endes „Momo“: „Da kommt ein Mädchen und zeigt vor, wie man zuhört ohne zu urteilen. Sie hört eben mit dem Herzen zu. Das können wir heute genau so gut brauchen wie früher.“ Das Thema war visionär, schwärmt sie: „Es geht um die grauen Männer, die uns die Zeit stehlen. Das war lange vor den Smartphones.“ Ihre ältere Tochter Alina, heute zwölf Jahre alt, las das Buch mit zehn. „Sie ist ein Bücherwurm und liest 1000 Seiten in de Woche.“
Der dreijährigen Naomi liest sie ihr altes Buch „Wo die wilden Kerle wohnen“ vor. Die Geschichte des Buben Max ist gut für alle Kinder, beschreibt sie: „Es ist gut, wild und wütend zu sein. Aber irgendwann wird das langweilig.“
Die Schauspielerin hat selbst auch ein motivierendes Kinderbuch geschrieben: „Mit guten Gedanken kann man fliegen.“

Fantasie ohne Grenzen

Seinem Film „Die Nacht der 24 Stunden“ merkt man die Begeisterung für Fantasie an: Seit der Kindheit liebt Regisseur Virgil Widrich ausgefallene Geschichten. Besonders die von einem Haus, in dem Bücher lebendig werden: „’Serafin und seine Wundermaschine’ habe ich damals gelesen und lese ich jetzt meinen Kindern vor. Mir hat es gefallen, wie ein Einzelner mit Hilfe des Einsatzes von verrückter Technik die Welt verändern kann. Und wegen der magischen Stufen am Ende, mit denen man in den Himmel steigt“, erinnert sich der Vater von drei Buben. Für sie ließ er auch die Fantansie spielen: „Ich habe ihnen hunderte Geschichten live erzählt.“

Welche Bücher lesen Sie Ihren Kindern jetzt vor? Posten Sie Ihre Tipps unter dieser Geschichte!

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