ABD0104_20161019 - Besucher gehen zwischen den Bücherregalen von "Fischer Taschenbuch" am 19.10.2016 auf der Buchmesse in Frankfurt am Main (Hessen). Rund 7000 Verlage präsentieren sich vom 19. bis 23. Oktober auf der weltgrößten Bücherschau. Foto: Andreas Arnold/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

© APA/dpa/Andreas Arnold

Frankfurter Buchmesse
10/22/2016

Muss jetzt auch das Lesen digital werden?

Blogger, Start-ups, virtuelle Realität: Ist das die Zukunft des Lesens?

von Georg Leyrer

Die Themen der Frankfurter Buchmesse sorgen für einen Déjà-vu-Moment: Sie erinnern an jede Musikkonferenz der Nullerjahre. Damals beschäftigte man sich, etwa bei der großen MIDEM in Cannes, mit nur einem Thema: Wie eine kämpfende Branche am Digitalen genesen könnte. Start-ups sollten neue Kanäle für den Musikverkauf finden, die Sozialmedien versprachen den engeren Kontakt der Fans mit ihren Stars, die Marketingmenschen rieben sich die Hände in Erwartung jener großen Datenmengen, die die Musikhörer künftig bei jedem Songgenuss hinterlassen würden.

Das ist, im Rückblick, ein überraschend genauer Blick in die Zukunft des Musikmarktes gewesen: Zwar sind viele, viele Musik-Start-ups nach großen Worten sang- und klanglos verschwunden. Aber Streamingdienste wie Spotify und Tidal und diverse Lauf-, Fitness- oder Game-Apps und vieles mehr sind heute wirklich jene Anlaufstellen, an denen Musik überhaupt noch gekauft werden kann.

Lesen mit Datenbrille

Und dennoch: Ist dies auch die Zukunft des Lesens? In Frankfurt jedenfalls glaubt man ganz offensichtlich daran. Eine Jury wählt, festhalten, das schönste Non-Book aus. Ja, das heißt Nicht-Buch, und ist das schönste Zusatzprodukt rund ums Lesen. Präsentiert werden digitale Kinder-Apps, es gibt einen "Selfie-Point", die Menschen im Hintergrund des Buchmarktes beschäftigen sich damit, wie man Textrechte etwa auch in den Games-Bereich hinein verkaufen kann: Aus dem Buch wird ein Film, und aus diesem Buch wiederum ein Game.

Es gibt ein digitales Schulbuch, Literaturblogger begleiten die Messe.

Und ein Teil der Zukunft des Lesens soll die virtuelle Realität sein. Diese ist auf der diesjährigen Buchmesse präsenter denn je, ließen die Veranstalter wissen. Man kann, mit der Datenbrille auf dem Kopf, in zwei Kurzgeschichten des niederländischen Schriftstellers Tonnus Oosterhoff einsteigen, und man kann auch eine "unmögliche" Oper besuchen, deren Texte aus der Hand der flämischen Dichterin Maud Vanhauwaert stammen. Filme, Spiele und dreidimensionale Bilderbücher werden den Messebesuchern nun am Wochenende präsentiert.

Das Lesen soll künftig digital werden. Und wem das nicht gefällt, der kann ja abschalten.

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