Reise
22.01.2018

Roadtrip durch die Nationalparks der USA

Im Norden Kaliforniens und im Süden Oregons liegen Naturwunder, deren Anblick man nie vergisst.

Die Erde lebt, arbeitet. Sie spuckt, dampft, kocht – und riecht dabei streng. Das brodelnde Schlammloch "Sulphur Works" ("Schwefel arbeitet") gibt den Blick auf diese unterirdischen Aktivitäten frei, ebenso Geruchsproben der "Schwefelarbeit". Kräfte die unter der Erdoberfläche im Verborgenen wirken, werden im Lassen Volcanic Nationalpark, eine Autostunde östlich von Redding, sichtbar. Rund um Sulphur Works schießt Dampf aus Fumarolen. Ganz in der Nähe führt ein schmaler Holzsteg über blubbernde Höllenkochtöpfe zu "Bumpass Hell". Doch kurz danach, am Lake Helen: ein großes Schneefeld, auch im Sommer. Die Natur gibt es ihren Besuchern hier kalt-warm.

An den Flanken von Lassen Peak, dem südlichsten Vulkan der Kaskadenkette, der vor rund 100 Jahren zum bisher letzten Mal ausgebrochen ist, kann man zu jeder Zeit vulkanische Aktivität beobachten. 1916 wurde der Nationalpark gegründet, bereits 1907 hatte Präsident Theodore Roosevelt die Gegend um den Lassen Peak zum "National Monument" ernannt.

Bäume, höher als 100 Meter

Übrigens jener Roosevelt, dem wir schon am Tag davor begegnet sind – in Gestalt eines mächtigen Rothirschs im Redwood Nationalpark an der nordkalifornischen Pazifikküste.

Der sogenannte "Roosevelt-Elk", benannt nach dem gleichnamigen Präsidenten, ist die größte der vier noch existierenden Wapiti-Arten Nordamerikas (Elche heißen hier "moose", während "elk" das Rotwild bezeichnet).

Beeindruckend, beinahe bedrohlich nah begibt sich der Hirsch auf Brautschau. Die Menschen und deren Kameras registriert er gar nicht. Obwohl es viele sind, hier in unmittelbarer Nähe zum Strand mit den Gezeitenbecken und dem verwunschenen Fern Canyon, dessen dunkelgrüne Riesenfarne die meisten aus "Jurassic Park" kennen.

Die Tiere, die Gezeiten, die Farne – sie alle sind hier nur Nebendarsteller. Die wahren Stars des Redwood Nationalparks sind die Bäume: Redwood Trees werden 2000 Jahre alt und bis zu 115 Meter hoch, so wie "Helios", der zweitgrößte Baum der Welt. Oder "Iluvatar", dem National Geographic vor einigen Jahren ein ausklappbares Poster widmete. Man brauchte fünf ganze Seiten, um Iluvatars Stamm und Krone abzubilden.

See, blauer als der Himmel

Von Redding im Norden Kaliforniens sind es nur noch dreieinhalb Autostunden bis zum vielleicht beeindruckendsten Nationalpark der USA: Crater Lake in Oregon. Vor 7700 Jahren explodierte der ebenso zur Kaskadenkette gehörende Mount Mazama. Dadurch entstand eine Caldera mit einer Länge von bis zu 10 Kilometern, die sich über Jahrhunderte mit Regen- und Schmelzwasser füllte. Dieser riesige See mit dem saubersten Wasser Nordamerikas ist an der tiefsten Stelle fast 600 Meter tief.

Beim ersten Anblick der satt blauen, beinahe unwirklich wirkenden Wasserfläche, in der sich an manchen Tagen kleine weiße Wolken spiegeln, verschlägt es selbst weit gereisten Naturentdeckern die Sprache. Das Blau des Crater Lake übertrifft jenes des blauesten Himmels um ein Vielfaches.

Ruhe, kraftvoller als Lärm

Wer die Erhabenheit der Naturwunder hautnah erleben will, sollte länger als ein paar Stunden bleiben. Ideal für echte, unverfälschte Wildnis-Erlebnisse eignen sich die naturnahen Campingplätze, die man in allen US-Nationalparks findet und von denen man viele vor Reiseantritt reservieren kann (siehe "Info" links).

Wenn die Tagesgäste abgereist sind, legt sich eine fast mystische Ruhe über die Parks. Man vernimmt plötzlich Tierstimmen. Scheue Erdhörnchen und Echsen wagen sich aus ihren Verstecken. Camper entzünden die ersten Grillfeuer. Der Mond steigt hoch wie ein großer dunkelgelber Ballon. Und allmählich ahnt man, welche Kraft die Jahrtausende alten Berge, Bäume und Seen auf uns Menschen ausüben können. Wenn wir ihnen die Gelegenheit dazu geben.

Info

Anreise San José erreicht man von Wien aus mit British Airways über London, ab Frühjahr auch mit Lufthansa via Frankfurt, www.britishairways.com, www.lufthansa.com

Einreise Bis spätestens 72 Stunden vor Antritt die elektronische Einreisebewilligung ESTA einholen, https://esta.cbp.dhs.gov

Währung 1 US-Dollar = 0,83 Euro

Mietauto Hertz bietet etwa die Premium-SUV-Klasse für den angeführten Reisezeitraum (10 Tage, Anfang September, von und nach San José) um 790 Euro an (unlimitierte Kilometer, Haftungsausschluss, erweiterte Haftpflichtversicherung inkl.), für Eilige auch mit „Goldservice“, www.hertz.at
Essen/Trinken Zocalo-Midtown – der beste Mexikaner von Sacramento, laut, jung, voll. Reservieren, www.opentable.com
Final Draft Brewing Company in Redding – Himmel für Bierliebhaber. Mehr als 20 Sorten, nach eigenen Rezepten gebraut. Die Biere heißen augenzwinkernd „Yoga Pants“, „Buried Alive“ oder „Passive Aggressive“. Gute Burger, Wraps, Pretzel Bites, Salate, www.finaldraftbrewingcompany.com
– The Bewildered Pig – uriger, schräger Platz in Philo, nahe der Weingegend Anderson Valley, fantastische Küche am Ende der Welt, perfekter Service, tolle Weine, Do. bis So. geöffnet. www.bewilderedpig.com

Hotels DoubleTree by Hilton San José, elegant, nahe Flughafen, DZ ab 150 €/Nacht.
– The Silver Legacy Resort Casino in Reno, Spiel und Show, Tanz und Musik, fünf Restaurants, Bars. DZ ab 70 € pro Nacht.
– The Hyatt Regency Lake Tahoe – das schönste Hotel in Westnevada. Höhere Preise im Sommer! DZ ab 300 € pro Nacht.
– Fairmont Sonoma Mission Inn & Spa – Luxushotel mit hohem Promi-Faktor, endlosen Wellnessangeboten, Spitzenrestaurant. DZ ab 500 € pro Nacht.

Camping Die schönste Art, Nationalparks zu bereisen. Immer nach Bärensichtungen fragen! Seit 2007 kann man staatlich geführte Campingplätze bereits 6 Monate im Voraus reservieren: www.recreation.gov

Auskunft www.visit-usa.at