© Hubert Huber

Japan
10/07/2014

Geishas und Kirschblüten

Im Land der aufgehenden Sonne existieren althergebrachte Traditionen und moderner Kitsch fröhlich nebeneinander. Harmonie, auch zwischen Gegensätzen ist den Japanern wichtig. Das spüren auch die Besucher.

von Hubert Huber

Ah, du warst in Japan. Wie spannend: War das nicht wahnsinnig teuer?" Nein, war es nicht. Die am zweithäufigsten gestellte Frage: "Warst du in Fukushima?" NEIN!

Europäer lassen sich von diesen zwei Vorurteilen – teuer und atomverstrahlt – vermutlich leicht abschrecken,eine Reise in das Land der Kirschblüten zu wagen. Auch dass man ständig auf dem Boden sitzen muss, stimmt heute nicht mehr. Tatsächlich ist Japan für Europäer geradezu ein ideales Reiseland, vorausgesetzt, man lässt sich auf ein paar Besonderheiten ein: das traditionelle Essen ist für unsere Geschmacksnerven gewöhnungsbedürftig (obwohl da der Sushi-Boom ja schon Vorurteile abgebaut hat), nur selten sind Infos auch zweisprachig (in Englisch) angeschrieben, es gibt sehr viele Tempel, dafür aber kaum Bankomaten.

Allerdings: Die Menschen sind sehr diszipliniert, höflich, freundlich, hilfsbereit und kultiviert; eigene Bedürfnisse werden in der Regel dem Wohl der Gemeinschaft untergeordnet. So sind die Städte sauber, obwohl man kaum Mistkübel findet – die Japaner nehmen einfach ihren Mist mit nach Hause. Man fühlt sich auch als Fremder sicher, die öffentlichen Verkehrsmittel sind vorbildlich.

Um Japan genauer kennenzulernen, empfiehlt sich trotzdem eine sprach- und landeskundige Begleitung (die Fremdsprachenkenntnisse der Japaner halten sich in Grenzen, was sie aber mit ihrer Höflichkeit wettmachen). Die Gruppenreise, die hier beschrieben und von Raiffeisen Reisen veranstaltet wird, erlaubt einen sehr guten, ersten Einblick in das Reich der aufgehenden Sonne. Und die Reiseleiterin, Christine Sommer, macht mit ihrem Wissen und ihrer Begeisterung auch den 20. Tempel interessant.

Land der Kontraste

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Höhepunkte

Bei der Fülle an faszinierenden Eindrücken ist es etwas schwierig, Höhepunkte auszumachen, aber eines ist sicher: Wer in Japan ist, muss den Fudschijama gesehen haben. Er gilt als einer der schönsten Berge der Erde, für die Japaner ist er heilig, sie nennen ihn Fudschi-san. In majestätischem Schwung ragt der schlafende Vulkan fast 3.800 Meter in den Himmel, den schneebedeckten Gipfel versteckt er häufig in den Wolken. Zeigt er sich in seiner ganzen Pracht, kann man nur andächtig verharren und staunen – oder wie wild fotografieren.

Und dann gibt es Kioto, die ehemalige Hauptstadt. Dort lassen sich Geschichte und Moderne am konzentriertesten erleben. Die Stadt liegt umgeben von Bergen etwa 400 Kilometer südwestlich von Tokio. Sie wurde schon bei ihrer Gründung nach chinesischen Harmonieprinzipien angelegt, ist deswegen symmetrisch aufgebaut und recht überschaubar. Sie war elfhundert Jahre lang (bis 1869) Sitz des Kaisers (Tenno).

Sohn der Sonne

Den Mythen zufolge stammt der Tenno von der Sonnengöttin Amaterasu ab. Er gilt nach wie vor als göttlich, erfüllt aber eine rein zeremonielle Funktion. Das war auch in der Vergangenheit schon so. Die politische Macht hatten vom 17. bis ins 19. Jahrhundert sogenannte Schogune – Kriegsherren, die mit ihren Samurai (Rittern) das Land beherrschten. Die berühmteste Herrscherfamilie war die der Tokugawas, ihr Name wird bei den Führungen durch Schlösser und Tempel immer wieder erwähnt.

Japan verfolgte in dieser Zeit eine Politik der Isolation, die erst 1854 endete, als die USA die Öffnung des Landes erzwangen. 1868 initiierte der damalige Tenno einen Reformkurs (Meiji-Restauration), der Japan zu einem modernen Staat machte.

Trotzdem bewahrten die Japaner ihren Hang zur Tradition und Geschichte. Wunderbar lässt sich das in den zahllosen Tempeln und Schlössern erleben, deren Gründungen bis ins 8. Jahrhundert zurückreichen, die tatsächlichen Bauten aber nicht viel älter als ein-, zweihundert Jahre alt sind. Sie wurden nach Erdbeben, Kriegen oder Bränden in der ursprünglichen Form wieder aufgebaut.

Zwei Religionen bestimmen das Leben: Schintoismus, eine auf Ahnenverehrung basierende Naturreligion, und Buddhismus, der im 5. und 6. Jahrhundert Japan erreichte. Sie existieren recht harmonisch nebeneinander, weshalb in den meisten Tempelanlagen sowohl schintoistische als auch buddhistische Andachtsstätten zu finden sind.

Die Japaner gehen mit ihren Religionen recht ungezwungen um. Die meist einzige Vorschrift in Tempelanlagen: Keine Fotos. Eventuell sind auch Schuhe auszuziehen. Sonst herrscht reges Kommen und Gehen, die Besucher kaufen Glücksbringer, Opfergaben oder Räucherstäbchen, verbeugen sich vor dem Buddha oder den Götterbildern, werfen ein paar Kupfermünzen in den Opferstock, klatschen in die Hände, um die Aufmerksamkeit der Gottheit zu wecken, und verharren dann im Gebet. Manche Tempel sind ausgesprochen witzig, wie der buddhistische Tempel beim Itsukuschima-Schrein auf der Insel Miyajima – die verschiedenen Götter und Hilfsgeister wirken mehr wie eine Sammlung von Comic-Figuren denn eine Andachtsstätte.

Der Zauber der Gärten

Praktisch jeder Tempel, jedes Schloss ist von einem Garten umgeben. Es gibt hier viele Schulen der Gestaltung, sie alle zu kennen ist eine eigene Wissenschaft. Das Grundprinzip ist immer das gleiche: Die Schönheit der einzelnen Gewächse in Einklang mit der Umgebung zu bringen, damit ihr spezieller Charakter am besten zur Geltung kommt.

Diese Kunst beherrschen die Japaner offenbar perfekt und sie bezaubern damit die Seele der Besucher. Manchmal stößt hier der Ungeübte an seine Grenzen. Die Schönheit des Zen-Steingartens im Rioanji-Tempel in Kioto zu entdecken bedarf einer gewissen Meditationsübung, während der Steingarten im Silbernen Pavillon (Ginkakuji) sich auch ungeübteren Augen erschließt.

Kitsch und Design

Diese Gegensätze begleitet einen auf der gesamten Reise: Neben ultramodernen Hochhäusern findet man in einer Nische einen Schinto-Schrein, leicht erkennbar am symbolischen Tor (Torii) und einem mit weißen Papierfahnen geschmückten Seil. Oder eines der traditionellen Häuser mit Wänden aus Holz und Papier sowie Fußböden aus Reisstrohmatten (Achtung-Schuhe ausziehen!).

In den Straßen sieht man junge Leute in traditionellen Schuluniformen, poppig-bunten Kostümen im Lolita-Style oder im Kimono. So ausgeflippt die Freizeit in grellen Karaoke-Clubs etwa rund um die U-Bahnstation Shibuya verbracht wird, so streng-formell begeht man die Tee-Zeremonie. Das gilt auch für Geishas, deren Gesang und Tanz für Touristen exotisch anmutet. Daher werden Touristenabende meist von Maikos (Geishas in Ausbildung) absolviert.

Peinliche Höflichkeit

Dem Korsett aus formeller Tradition begegnet man auch in der für europäische Verhältnisse fast peinlichen Höflichkeit. Verlässt man etwa ein Restaurant, verbeugt sich das Personal lächelnd, mit im Schoß gefalteten Händen und ruft im Chor: "Arigato gosaimaschita, iorosch’ku onegaischimasu", was frei übersetzt so viel heißt wie: Vielen herzlichen Dank, mögen Sie ihre Tätigkeit weiter gut fortsetzen.

Natürlich wird auch von den Touristen ein gewisses Maß an gutem Benehmen erwartet, wie das schon erwähnte Ausziehen der Schuhe oder die Rücksichtnahme auf die Menschen rundherum. Dazu ist es gut, sich vor der Reise ein bisschen schlau zu machen, weil zurechtgewiesen wird man kaum; dazu sind die Japaner zu höflich.

Wie wichtig das Vermeiden von Peinlichkeiten ist, zeigen die Toiletten auf Autobahnraststätten: Sie sind top sauber, haben meist vorgewärmte Toilettensitze mit Wasserspülung für vorn und hinten und dazu noch eine "Geräuschprinzessin"; so wird ein künstlich erzeugtes Rauschen genannt, das persönlich erzeugte Geräusche übertönt; die könnten den Toilettenbenutzer ja in Verlegenheit bringen.

Infos zu Japan

Flug Austrian fliegt täglich von Wien nach Tokio-Narita. Tagesaktuelle Preise auf www.austrian.com

Beste Reisezeit März/April zur Zeit der Kirschblüte, November/Dezember zur Laubverfärbung. Die Sommer sind sehr heiß und feucht, es drohen Taifune (Wirbelstürme).

Währung Rund 140 Yen entsprechen derzeit einem Euro. ACHTUNG: Ausreichend Bargeld mitnehmen und am Flughafen wechseln. Bankomaten sind äußerst rar, Kreditkarten sind nur beschränkt einsetzbar (in größeren Hotels und Kaufhäusern; es wird geraten, das zuständige Kreditinstitut von der Reise in Kenntnis zu setzen).

Essen Restaurants stellen ihre Gerichte gern in einer Vitrine aus. Was tatsächlich drinnen ist, erschließt sich nicht immer. Die Preisspanne ist sehr breit gefächert. In Straßenlokalen kann man schon um 1200 ¥ (ca. 8,50 €) gut essen. Liebhaber von Sushi und Ähnlichem können sehr gute Qualität auch in Kaufhäusern oder in den Bahnstationen erstehen.

Unterkunft Die Zimmer in Hotels sind relativ klein, sonst aber unseren Standards entsprechend ausgestattet. Nur in traditionellen Herbergen (Ryokan) kann man auch mit Futon auf dem Tatami-Boden schlafen und ein Ofuro (Gemeinschaftsbad) bzw. Onsen (Thermalbad) probieren.

Pauschale Raiffeisen Reisen bieten die elftägige Rundreise "Best of Japan" ab preiswerte 2599 € p. P. /DZ an. Inkludiert sind Flüge mit Austrian oder Lufthansa via FrankfurtTokio/OsakaFrankfurt, 9 N/F, Transfers, Besichtigungen mit Bus & Öffis, Eintrittsgebühren, Shinkansen Superexpressfahrt, örtliche deutschsprachige Reiseleitung. Elf Termine von 22. Nov. 2014 bis 6. Okt. 2015. Info & Buchung im Raiffeisen Reisebüro, buze@raiffeisen-reisen.at, ☎ 01/313 75-82

Auskünfte Japanische Fremdenverkehrszentrale JNTO in Frankfurt, ☎ +49/69/20353, www. jnto.de

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