Hamburg feiert 823. Hafengeburts­tag

Wer der Hansestadt einen Besuch abstattet, landet unweigerlich am Hafen. Hier lebt und wächst die Stadt, wird Neues neben Altes gebaut und ist das Flair der Kaufmannschaft allgegenwärtig.

Hamburg - das ist in erster Linie einer der wichtigsten Seehäfen im nördlichen Europa. Der Hafen wird auch "Deutschlands Tor zur Welt" genannt. Hamburg ist aber auch Deutschlands zweitgrößte und grünste Stadt. Die Topographie der "Freie und Hansestadt Hamburg", so der offizielle Name, ist durch ihre Flüsse und maritime Geschichte geprägt. 

Fragt man einen Hamburger nach der Altstadt, rümpft dieser leicht verlegen die Nase. Von den alten Bauten hat der Große Brand von 1842 nicht viel übrig gelassen. Große Teile der Altstadt wurden bei dem Feuer zerstört. Die Speicherstadt bildet seither das hamburgische Pentant einer herkömmlichen historischen Altstadt. Das Leben in der Hansestadt, vor allem das geschäftliche spielt sich seit jeher auf dem Wasser ab. Die Lebensadern der Stadt sind die Elbe und die Alster. Die Elbe mündet 110 Kilometer flussaufwärts in die Nordsee. Sie ist Hamburgs direkte Verbindung zum offenen Meer. Die Ursprünge des Freihafens Hamburg lassen sich bis ins Jahr 1189 zurückverfolgen. Kaiser Friedrich I. Barbarossa gewährte den Hamburger Kaufleuten das Privileg, Abgaben von den Schiffen auf der unteren Elbe einzuheben, während ihre eigenen Schiffe davon befreit waren. In den folgenden Jahrhunderten wurde Hamburg eines der wichtigsten Handelszentren und einer der bedeutendsten Häfen Nordeuropas. 1888 trat Hamburg dem Deutschen Zollverein bei. Für den neuen Freihafen an den Kanälen wurden zwischen 1885 und 1927 in drei Bauphasen eine Reihe riesiger Speicher errichtet. Vom Rest der Stadt war die in sich abgeschlossene Speicherstadt durch den Zollkanal getrennt, auf dem Lastkähne und Binnenschiffe den Freihafen umfahren konnten. Die Lagerhäuser in neugotischer Backsteinarchitektur haben jeweils auf der einen Seite Anbindung ans Wasser und auf der anderen Seite an die Straße. Gelagert wurde Stückgut und vor allem Kaffee, Tee und Gewürze auf fünf "Böden" übereinander. Über eine eigene, jeweils am Hausgiebel montierte Seilwinde waren die einzelnen Stockwerke erreichbar. In den Speichern, die meistens unbeheizt waren und Holzfußboden hatten, herrschten relativ gleichmäßige klimatische Lagerbedingungen. Im Zweiten Weltkrieg wurde rund die Hälfte des städtischen Lagerzentrums zerstört. Vieles wurde wieder aufgebaut, in den 1970er Jahren wurden die Speicher jedoch zugunsten der Containerterminals aufgegeben. Heute beherbergen die alten Lagerhäuser Büros, Cafés und Museen. Ihre ursprüngliche Funktion haben sie aber nicht ganz verloren: Abseits der arabischen Welt lagern in Hamburg die meisten Orientteppiche weltweit. Prachtvolle handgeknüpfte Woll- und Seidenteppiche aus der Türkei, dem Iran, Pakistan, China und Afghanistan türmen sich stapelweise in den Teppichspeichern. Die Speicherstadt in Hamburg ist der größte auf Eichenpfählen gebaute Lagerhauskomplex der Welt und steht seit 1991 unter Denkmalschutz. Das Fleetschlösschen ist eines der vielen touristischen Attraktionen in dem Lagerhauskomplex. Es ist eines der kleinsten Cafés der Stadt - kein Wunder, wurde das Häuschen doch ursprünglich mal als Toilette erbaut. Von diesen umfunktionierten Aborten gibt es übrigens noch mehr. Wie Teppiche geknüpft werden, kann gleich nebenan im Afghanischen Museum besichtigt werden. Gedämpfte Beleuchtung und traditionelle Hintergrundmusik prägen die Atmosphäre in dem großen Raum. Die Intention des Gründers Barjalai Nek Mohamad Pirzad, ein afghanischer Rechtsanwalt und Unternehmer, war es, die Kultur und die Traditionen seiner Heimat einem breiten Publikum näher zu bringen. Im gleichen Speicher, einen Boden höher ist "Spicy`s Gewürzmuseum" untergebracht. Über fünfzig verschiedene Gewürze aus allen Teilen der Welt können hier angefasst, gerochen und probiert werden. Es werden alle Aspekte des Anbaus, der Ernte, der Verarbeitung und des Transports von Gewürzen gezeigt. Auch die historische Rolle des Gewürzhandels in der kolonialen und maritimen Geschichte Hamburgs wird beleuchtet. Witziges Detail am Rande: Der Wohlstand einiger Hamburger Kaufleute beruhte auf dem Handel mit Gewürzen. Spöttisch wurden sie als "Pfeffersäcke" bezeichnet. Der Spottname wird auch heute noch für reiche, nur auf Geld und Macht bedachte Menschen verwendet. Die hanseatische Zeitreise in der alten Speicherstadt lässt sich am besten mit einer Hafenrundfahrt auf der Elbe beginnen. Die Maritime Circle Line verbindet Hamburgs maritime und kulturelle Attraktionen wie Ausstellungen, Museen, Bauwerke und Traditionsschiffe miteinander. Die roten Barkassen sind am billigsten: Für 8 Euro können die wichtigsten Stationen vom Wasser aus erkundet werden, nach belieben können Zwischenstopps eingelegt werden. Die Rundfahrt führt vorbei an den Container Terminals, wo mit ein bisschen Glück gerade ein riesiges Container- oder Massengutschiff be- oder entladen wird. Die größten fassen über 8000 Container, 38 Großschiffsliegeplätze stehen dafür zur Verfügung. Die Ursprünge des Hamburger Hafens liegen im 9. Jahrhundert. Als offizielles Gründungsdatum gilt der 7. Mai 1189, der jedes Jahr mit einem mehrtägigen Fest, dem Hafengeburtstag, gefeiert wird Seit langem ein Synonym für Schiffsbau in Hamburg ist der Name Blohm & Voss. Die ausgedehnten Werften dominieren immer noch die Elbe. Passagierdampfer und Segelschiffe für den Handel mit Übersee liefen hier ebenso vom Stapel wie U-Boote und Kriegsschiffe zu Zeiten der beiden Weltkriege. Das Dock Elbe 17 ist das größte Trockendock Europas. Heute haben sich Blohm & Voss auf den Bau von Luxusyachten spezialisiert. Bei Blohm & Voss waren viele Arbeiter beschäftigt, die in Neustadt wohnten. Deshalb beschloss die Stadt den Alten Elbtunnel graben zu lassen, um eine direkte Verbindung zwischen den Werften und den Wohnvierteln zu schaffen. Bis zu seiner Eröffnung 1911 mussten mehr als 40.000 Arbeiter täglich mit der Fähre über die Elbe, was nicht nur lange dauerte, sondern auch die Schifffahrt behinderte. Der Alte Elbtunnel verbindet die St. Pauli Landungsbrücken mit Steinwerder im Süden. Er zählt zu den beliebtesten verborgenen Orte Hamburgs. Weit imposanter hingegen sind die Abfertigungsgebäude an den Landungsbrücken gestaltet. Der so genannte Pegelturm zeigt den Wasserstand der Elbe an, die den Gezeiten unterliegt und dass, obwohl die Nordsee mehr als hundert Kilometer entfernt ist. Die mehr als hundert Jahre alten Gemäuer aus rauem Tuffstein beherbergen neben zahlreichen Schifffahrtsunternehmen auch Gastronomie und Souvenirläden, die mit Fischbrötchen und Kaffee locken. Wirklich gut schmeckt der Kaffee im Lokal "Brücke 10" am westlichen Ende der Landungsbrücken. Vor allem aber ist es schön warm in dem liebevoll gestalteten kleinen Café. So kann ganz entspannt dem rauen Hamburger Wetter getrotzt werden. Das Hafenviertel St. Pauli bietet einen bunten Kontrast zum tristen Bild am Wasser. Die Häuser sind bunt und das Nachtleben sowieso. Ein paar Straßen weiter ist hier auch schon der berühmteste Straßenzug der Hansestadt: die Reeperbahn, Hamburgs "sündige Meile". St. Pauli hat aber noch anderes Interessantes zu bieten: Den Fischmarkt nämlich, der immer sonntags von 5 bis 10 Uhr in der Fischauktionshalle Altona die Massen anlockt. Längst geht es nicht mehr nur um Fisch alleine. Obst und Gemüse, sowie lebende Tiere werden ebenso feilgeboten, wie Hüte und Taschen. In der Halle kann beim Kapitänsbrunch so richtig geschlemmt werden, während Rockbands für Zeltfeststimmung sorgen. Wer`s doch lieber etwas gemütlicher mag, verbringt einen verregneten Tag in einem der zahlreichen Museen in der Nähe des Hafens. Der Museumsfrachter Cap San Diego kann nicht nur besichtigt werden, sondern bietet auch die Möglichkeit, auf dem Schiff zu übernachten. 

Die wohl umstrittenste Attraktion im Hamburger Hafen ist noch nicht einmal ganz fertig gestellt: die Elbphilharmonie (links im Bild). An der Elbphilharmonie wird seit 2007 gearbeitet, die Fertigstellung musste bereits mehrfach verschoben werden und ist derzeit für 2013 geplant. Das Konzerthaus auf dem Kaispeicher A in der HafenCity soll zu einem neuen Wahrzeichen Hamburgs werden. Neben den Konzertsälen werden in dem Gebäude ein Hotel mit Wellness- und Konferenzbereich sowie Gastronomie und Wohneinheiten untergebracht. Die Kosten für das Monsterbauwerk haben sich mittlerweile mehr als verdoppelt. Die Elbphilharmonie ist nicht die einzige Baustelle in der HafenCity. In dem neuen Stadtteil im nördlichen Teil des Großen Grasbrooks sollen bis zur Mitte der 2020er Jahre jede Menge Wohneinheiten und Arbeitsplätze entstehen. Es ist das flächenmäßig größte Stadtentwicklungsprojekt Hamburgs. Seit 2003 wird hier gearbeitet und gebaut. In Zukunft wird die noch in Bau befindliche neue U-Bahnlinie U4 den modernen Stadtteil mit der Innenstadt verbinden. Am Rande der HafenCity liegt dann noch eine echte Kuriosität: die Schwimmende Kirche. Der ehemalige Lastkahn dient seit 1952 der protestantischen Gemeinde als Gotteshaus. Etwa 130 Gläubige finden in dem zur Kirche umfunktionierten Laderaum Platz und können hier mit allem was dazu gehört Messen feiern. Denn auf dem Dach gibt es sogar einen winzigen Glockenturm.
(KURIER) Erstellt am
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