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Das unberührte Hellas
05/13/2015

Pilion: Urlaub bei Freunden

Echte Gastfreundschaft, viel Grün, weite Wälder, Berge und einsame Badebuchten: Die griechische Halbinsel Pilion präsentiert sich als das andere, unberührte Hellas – und war einst die Lieblingsregion von Zeus.

Heleni breitet die Arme aus und kommt lachend aus der Küche gelaufen. "Schön, dass ihr da seid, ich freue mich so sehr!" Wir werden wie beste Freunde begrüßt, sehen die Wirtin des Restaurants und Hotels Kritsa in Portariá aber zum ersten Mal. So ist das am Pilion, einer Halbinsel an der Ostseite des Festlands von Griechenland, ziemlich genau auf halbem Weg zwischen Thessaloniki und Athen.

Gastfreundschaft ist in der bergigen, touristisch noch nicht überlaufenen Region kein Schlagwort. Der Landstrich verkörpert noch das gute alte Griechenland, wie wir es schon längst verloren glaubten. Hier gibt’s tatsächlich noch Urlaub bei Freunden.

Herzlichkeit

Was es nicht gibt, sind große Bettenburgen und Massentourismus. Speziell in der Nebensaison könnte man meinen, die urigen Fischerdörfer, versteckten Sandbuchten, ausgedehnten Kiefern-, Platanen- und Kastanienwälder, wasserreichen Schluchten, fruchtbaren Obsthaine und uralten Bergdörfer hätten noch kaum Touristen gesehen. Die Herzlichkeit der Wirte verstärkt dieses Gefühl.

Spät Abends kommen wir müde im Leda Village Resort in Horto an, wollen eigentlich nur eine Kleinigkeit essen und dann ins Bett plumpsen. Doch Chef Paris hat andere Pläne: In der hoteleigenen Taverne warten Landsleute von uns.

"Gäste aus Österreich, die können wir uns nicht entgehen lassen", grinst "Nockerl" von einem Ohr zum anderen. Gemeinsam mit seiner Frau Petra ist er herbeigeeilt, um mit uns den Abend zu verbringen. "Nockerl" heißt eigentlich Helmut Nowak und er war niemand Geringerer als der Schlagzeuger und Songwriter von Wolfgang Ambros. Anders als der Wolferl blieb er aber für immer dort – am stillen, urigen Pilion.

Der Pilion versprüht seinen Charme vom ersten Anblick an, in allen Dörfern erfreut sich das Auge an auffallend pittoresken Häusern. Die regionale Architekturtradition ist geprägt von einem Untergeschoß aus Naturstein, überragenden weißen Stockwerken, bunten Glas-Fenstersteinen, farbigen Wandmalereien sowie Dächern aus Schieferplatten. Einer Gesetzesverordnung nach darf auch nur in diesem "Pilionstil" neu gebaut werden. So fällt sofort auf: Die hässlichen, für Griechenland berühmt-berüchtigten Bauruinen, mit in den Himmel ragenden Eisenträgern, gibt es hier so gut wie nicht.

Ein wahres Schmuckstück ist Makrinitsa, der "Balkon des Pilion": Wie ein Amphitheater drückt sich das urige Bergdorf an den steilen Hang, der Ausblick über die Bucht von Volos, der Hauptstadt des Pilion, ist gewaltig. Es macht Spaß, durch die schmalen, autofreien Gassen zu schlendern – treppauf, treppab, auf dem herrlichen Dorfplatz mit seinen fünf gigantischen Platanen zu verweilen oder dem Plätschern des Löwenkopf-verzierten Marmorbrunnen zu lauschen.

Wanderparadies

So wie Makrinitsa wirkt der ganze Pilion: ein bisschen stehen geblieben. Erst 1930 wurden asphaltierte Straßen bis an die Südspitze und Ostküste der Halbinsel gebaut. Davor gab es nur Eselswege und eine kurze Bahnstrecke von Volos nach Milies. Beides gereicht heute Touristen zur Freude: Die Steinpfade, Kalderimi genannt, wurden als wunderschöne Wanderwege hergerichtet – mit insgesamt 300 km Länge.

Auf schmaler Spur schnaufte von 1903 bis 1971 die letzte Dampflokomotive Griechenlands in die Berge: Auf 21 Kilometern Länge und 60 cm Breite überwand sie sieben porzellangemauerte Bogenbrücken, zwei Tunnels und eine Eisenträgerbrücke. 1996 wurde die Bahntrasse als Touristenattraktion reaktiviert, die Dampflok der Waldbrandgefahr wegen gegen eine Diesellok getauscht. Die nostalgische Schmalspurbahn verkehrt nur am Tagesrand, ansonsten liegt der Gleiskörper still und verlassen da – und dient als origineller Wanderweg. Unser Tipp: Hinauf per Bahn, zurück per Pedes.
Auch die vielfältige Küstenlandschaft des Pilion beeindruckt: In der Steilküste liegen herrliche Sandbuchten versteckt, auf kleinen Inselchen thronen ehrwürdige Klöster – wie etwa die Abtei Evangelistría auf Palió Trikeri.

An der mediterran-lieblichen Südspitze der stiefelförmigen Halbinsel findet man die einsamsten Badebuchten, sandig bis fein kiesig. Tzasteni Bay gibt sich als wahres Postkartenidyll: Auf einem ins Meer ragenden Landfinger posiert eine strahlend weiße Häusergruppe, das Grün der Macchia wetteifert mit den Blautönen des Meeres. Selbst im Hochsommer ist hier wenig los – ein Wunder.

Eine andere Bucht hingegen hat es zur Berühmtheit gebracht – wenn auch anonym: Die von Damouchari an der steilen Ostküste. Hier wurde 2008 die Filmversion von "Mamma Mia" gedreht, dabei spielt das ABBA-Musical gar nicht hier, sondern auf einer fiktiven Insel namens Kalokairi. Der Pilion gibt sich eben still und bescheiden.

Mythologie

So muss man auch erst in den dicken Sagenbüchern nachschlagen, um zu erfahren, welch Bedeutung Pilion in der Mythologie hatte – als Heimat der Argonauten und Lieblingsregion der Götter. Gottvater Zeus habe das Schönste, was Griechenland zu bieten hat, am Pilion zusammen getragen, um hier seinen eigenen Urlaub zu verbringen.

Die schönsten Inseln Griechenlands

Anreise, Angebot, Auskünfte

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KURIER Grafik
Anreise Mit AUA nach Thessaloniki, ca. 2,5 Std. mit dem Auto nach Volos. Zwischen 23. 5. und 26. 9. 2015 fliegt Austrian my Holiday jeden Samstag direkt Wien – Volos, ab 198 €, www.austrian.com/myholiday

Hotels Boutique-Hotel & Bungalows Kentrikon 4*, historisches Haus mit traditioneller Architektur in zweiter Reihe im Badeort Agios Ioannis. 50 m zum Dorfstrand, weitere herrliche Strände in der Nähe. DZ Bed & Breakfast ab 65 € für zwei Personen (geöffnet ab Mai). www.bungalows-kentrikon.gr
– Leda Village Resort, Horto Schöne Ferienanlage, wie ein am Strand gelegenes Dorf im typischen Pilionstil, hoteleigener Sand-Kiesstrand mit Schirmen und Liegen. Große Gartenanlage, Restaurant, Pool, Whirlpool, Sauna, Fitness-Studio, Beach-Bar. Gratis-Sportaktivitäten, Kinderclub, Kochkurse, Studio mit Küche für zwei Pers. (inkl. Frühstück) ab 65 €. www.ledahotel.gr

Pauschalangebot Hotel Valis Resort 5* in Agria: Eine Woche im DZ mit Frühstück ab 715 € pro Person inkl. Flug ab/bis Wien und Transfer. Terminbeispiel für Abflüge am: 12. 5. und 2. 6. 2015 www.thomascook.de

Tanz im SandPilion Summer Academy (PISA), Petra Nowak, Ehefrau des Ambros-Musikers Helmut Nowak organisiert im Leda Village Resort Sommerkurse für Körper, Geist und Seele. Modern Jazz, Salsa, Streetdance, Hip Hop, Improvisationstheater und Yoga. 8 Tage HP mit Kurs ab 690 €.www.pisa.gr,
Essen Hotel Restaurant Kritsa, Portariá, sehr gemütliches Restaurant am Hauptplatz des Bergdorfes Portariá mit großartigen Pilion-Gerichten, Chefin Heleni begrüßt und bewirtet ihre Gäste überaus herzlich. Das Hotel (DZ mit Frühstück für 2 Personen ab 55 €) im gleichen Haus ist genauso empfehlenswert wie das dazugehörige Ferienhaus Anna’s Home (DZ ohne Verpflegung, ab 60 €), beide ganzjährig geöffnet, herrliches Frühstücksbuffet.
www.hotel-kritsa.gr,www.annashome.gr
– O Manolas, Trikeri, Entzückende Fischtaverne direkt am kleinen Hafen an der Südspitze der Halbinsel Pilion, frische Fischgerichte und typische griechische Küche,www.manolastrikeri.gr
– M-ZEN, sogenanntes „Tsipouradiko“ im Zentrum von Volos: Hier werden viele kleine Häppchen gereicht (als Art griechische Tapas), zum Verdauen gibt’s Tsipouro (Tresterschnaps). www.mezen.gr
– Café Casablanca, Horto, gemütliches Café betrieben von Maria, einer Deutsch-Marokkanerin, gute Snacks und tolles Frühstück.

Geführte Wanderungen Hellas Smile, Dimitris Varalis führt auf Themenwanderungen durch „seinen“ Pilion (engl.), www.hellassmile.gr
– Pauschalangebot: „Wanderwege des Pilion“: 7 Tage Wandern ab 540 €, inkl. 6 ÜF im Mittelklassehotel in Kala Nera oder Koropi, Bergführer, Transfers, 2 x Mittagessen, Eintritte, Fahrkarten, Wanderkarten.

Auskunft www.travel-pelion.gr, www.holidays-in-pelion.gr, Reisebüro Les Hirondelles