An der Küste Käsmu, Estland

© Stefan Hofer/KURIER

Reise
10/04/2019

Geheimtipp Estland: Diese fünf Orte sollten Sie gesehen haben

Das nördlichste der drei baltischen Länder überzeugt mit Mooren, prachtvollen Landsitzen und pittoresken Städten.

von Stefan Hofer

1. Endla Moor

Im kleinsten und bevölkerungsärmsten Land des Baltikums gibt es sage und schreibe 4.000 Moorgebiete. Endla, im östlichen Zentralland, ist das größte davon, es erstreckt sich über eine Fläche von mehr als 10.000 Hektar. Auf Holzpfaden kann mehrere Kilometer über die Sümpfe gewandert werden. Ein besonderer Blick aufs Moor bietet sich von einem hölzernen Aussichtsturm (Bild). Auf drei unterschiedlich langen Lehrpfaden und Wanderwegen (zwischen 2,2 und 8 Kilometer) durch Wälder und vorbei an einem See kann das Naturschutzgebiet mit Hunderten Pflanzen- und Vogelarten erkundet werden.

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2. Findlinge auf der Halbinsel Käsmu

Käsmu im Nationalpark Laheema überrascht. Sandstrand am Finnischen Meerbusen? Ja, doch. Die Halbinsel Käsmu besticht mit ihren "Findlingen". Gletscher der letzten Eiszeit transportierten die riesigen Steinbrocken von Skandinavien hierher. Unser Wanderpfad schlängelt sich an der Küste entlang - auf weichem Waldboden, auf Schotter oder auf Sand direkt am Ufer. Kiefern, Birken, Heidekraut, Pilze und Preiselbeerstauden säumen den Weg. Schwäne und andere Vogelarten tummeln sich im Wasser. Vogel- und Naturkundler sind hier selig. Und als Instagram-Fotomotiv oder zum Klettern für Kinder sind die Findlinge natürlich ideal. Unweit davon ist ein altes Fischerdorf noch gut erhalten, da es in der Sowjetzeit Sperrgebiet war.

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3. Gutshöfe und Herrenhäuser

Eine Besonderheit in der Region Laheema östlich von Tallinn sind die revitalisierten Herrenhäuser und Gutshöfe. Ab dem 13. Jahrhundert ließen adelige oder großbürgerliche deutsch-baltische Familien diese Landsitze erbauen. Später residierten hier auch russische Großgrundbesitzer. In den Kriegen und in der Sowjetzeit wurde viele zerstört. Einige wurde in den vergangenen Jahren aufwendig restauriert, heute befinden sich in diesen Hotels, Museen oder öffentliche Einrichtungen. Zwei Beispiele sind Gutshof und Freilichtmuseum Palmse oder das Schloss Sagadi. Auch im "Vihula Manora Country Club & Spa" (Bild) lässt es sich herrschaftlich nächtigen, speisen und durch Parks und Alleen flanieren.

4. Künftige Kulturhauptstadt Tartu

"Tallin mag die Hauptstadt sein, aber Tartu ist die Stadt mit Haupt", sagt die Stadtführerin beim Rundgang in der zweitgrößten Stadt des Landes (93.000 Einwohner) stolz. Bereits 1632 wurde vom schwedischen König Gustav II. Adolf die Universität gegründet. Noch heute beleben die Studenten die ansonsten beschauliche Stadt im Osten des Landes, laden charmante Cafés und hippe Lokale zum Verweilen ein. Im Café "Werner" werden etwa ausgezeichnete Torten und Kuchen kredenzt. Vom Domberg öffnet sich ein schöner Blick auf die Altstadt, die gut zu Fuß oder per Rad erkundet werden kann. Ein Kuriosum ist das "Schiefe Haus", in dem ein Kunstmuseum beheimatet ist. Die ehemalige Hansestadt putzt sich derzeit heraus: 2024 ist Tartu eine von drei Europäischen Kulturhauptstädten.

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5. Pittoreskes Tallinn

Für viele gilt Tallinn als lieblichste der drei baltischen Hauptstädte. Dies mag am mittelalterlichen Flair liegen. Fakt ist: Die Altstadt ist eine der best erhaltenen Stadtzentren der Hansezeit und so kompakt, dass sie am besten zu Fuß erkundet wird. Der Rathausplatz mit dem gotischen Rathaus, die russische-orthodoxe Alxander-Newski-Kathedrale, der Blick vom Domber auf das rote Dächermeer und die Ostsee. Tallinn (1,3 Mio. Einwohner) weiß kulturell und kulinarisch zu überzeugen.

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