Reise
13.01.2013

Und täglich grüßt das Abenteuer

Im Feriendorf „Kirchleitn“ werden Kinder drei Tage lang zu Jung-Rangern ausgebildet. Die Eltern können in der unberührten Natur einfach relaxen oder sich ebenfalls ins Abenteuer stürzen.

In der Nacht träumte sie von jenen zwei Murmeltieren, die sie am Vorabend gesehen hatte, sagt die 11-jährige Melissa. Dann schält sie sich noch sehr schlaftrunken aus ihrem Schlafsack, zupft sich ein paar Heu-Reste aus den blonden Haaren und freut sich schon auf das Frühstück auf der Alm hoch über dem Kärntner Tourismusort St. Oswald bei Bad Kleinkirchheim.

Doch nichts da: Wer ein echter Ranger werden will, übernachtet hier nicht nur im Heustadl, sondern muss sich auch sein Frühstück erst verdienen – Kühe melken ist angesagt. Mühsam ringen die Kinder und Jugendlichen den Vierbeinern die kräftige Milch ab. Die schmeckt dann zur deftigen Eierspeise mit Speck und Käse so gut, dass die meisten den Kakao sogar weglassen.

Die Übernachtung ist das Highlight der dreitägigen Ranger-Ausbildung, die die Feriendörfer Kirchleitn in St. Oswald seit dem Vorjahr für Burschen und Mädchen von acht bis 15 Jahren anbieten. Am Tag zwei führt Rangerin Marina Huber – die 34-jährige ist beim Nationalpark Nockberge beschäftigt – die maximal 15-köpfige Gruppe auf die Lärchenhütte. Die Heranwachsenden lernen Karten lesen und GPS-Peilung, die dann auch bei der Schatzsuche hilft (was zu finden ist, wird natürlich nicht verraten). Wenn sich die Sonne über der idyllisch gelegene Lärchenhütte senkt und der sattgrünen Landschaft noch mehr Charakter verleiht, können die kleinen Wildwächter auf einer nahen Lichtung Rehe sowie Hirsche und mit ein bisschen Glück Steinadler und eben Murmeltiere beobachten. Ehe es zum Lagerfeuer mit Würstel und „Steckerlbrot“ geht.

Balance zwischen Spaß und Info

„Bei so viel Erlebnis in dieser fast unberührten Natur, was für die meisten Kinder komplett neu ist, sind einige dann aber schon ziemlich müde“, sagt Marina Huber, die in ihrer zusätzlichen Tätigkeit richtig aufgeht. Sie versteht es prächtig, eine spannende Balance zwischen Spaß – die von den Jung-Rangern selbst gebastelten kleinen Wasserräder drehen sich zur Freude aller im kalten Gebirgsbach – und Lernen herzustellen: So können die Burschen und Mädchen Strudelwürmer und Eintagsfliegenlarven unter dem Mikroskop betrachten und erfahren, dass diese Tierchen anzeigen, dass das Wasser des Baches trinkbar ist.

Krönender Abschluss am dritten Tag ist der Besuch der Fischfarm des urigen Züchters Hermann. Wenn er sie in die Geheimnisse seines Geschäfts einweist, werden die Augen der Kinder groß, und noch größer werden sie, wenn sie die Saiblinge oder Forellen selbst in Händen halten dürfen. „Am Anfang war das schon ein bisschen komisch, weil es sich so glitschig angefühlt hat“, sagt die 13-jährige Maristella, „aber dann war es nur mehr urcool.“ Als sie dann als stolze Jung-Rangerin mit Zertifikat in Kirchleitn eintrudelt, wird sie von ihren Eltern schon voller Sehnsucht empfangen – und hört zunächst gar nicht mehr auf zu erzählen.

Doch auch hier im autofreien Feriendorf ist gemäß dem eigenen Motto „Und täglich grüßt das Abenteuer“ Langeweile ein Fremdwort. Auf dem Wasser-Spielplatz plantschen die Kleinen, im Schwimmbiotop die Größeren. Im Streichelzoo mit Schafen und Ziegen herrscht sowieso immer Hochbetrieb. Und die professionelle Betreuung der Kinder zwischen 9 und 17 Uhr ermöglicht es den Eltern, einmal Auszeit von ihren Liebsten zu nehmen und einen der Berge zu erklimmen. Etwa den 2226 Meter hohen Mallnock. Mit der Seilbahn geht es von St. Oswald zur Brunnachalm (1902 Meter). Von dort führt eine gemütliche Wanderung (1,5 Stunden) zum Gipfelkreuz. Auf dem Rückweg kann man sich in mehreren Hütten laben und dann wieder per Gondel oder zu Fuß den Abstieg antreten.

Spektakuläre Panorama-Straße

Besonders empfehlenswert ist zudem ein Ausflug zur (mautpflichtigen) Nockalmstraße, die sich quer durch den Nationalpark schlängelt. Dafür sollte man unbedingt einen ganzen Tag veranschlagen, denn diverse Stationen laden zum Verweilen ein. Etwa der Kraft-Elemente-Wanderweg, auf dem man sich und seinen Körper zwischen Hochmooren und Kühen erfahren – und sogar den einen oder anderen Steinpilz finden kann. Oder auf der Grundalm, wo der Besucher in die Welt der Elfen, Feen und Riesen eintaucht und nebenbei allerlei über die Gesteine und Pflanzen des Nationalparks lernt, der im Vorjahr von der UNESCO als Biosphärenreservat anerkannt wurde.

Murmeltier-Spielplatz

Nach einer Rast – etwa in der malerisch gelegenen Steigerhütte, wo selbst produzierte Buttermilch kredenzt wird – gelangt man schon ziemlich am Ende der atemberaubenden Panorama-Strecke zur Zechneralm. Dort wird den Urlaubern im Almwirtschaftsmuseum veranschaulicht, wie mühselig das Bauernleben in den vergangenen Jahrhunderten war.

Gleich daneben gibt es eine ganz besondere Spezialität für Kinder: Einen Murmeltierspielplatz. In verzweigten unterirdischen Gängen können die Buben und Mädchen auf den Spuren des so scheuen Tieres wandeln. „Das ist wie in einem Labyrinth, voll super“, sagt der neunjährige Matteo, „hier müssen wir unbedingt wieder her, Papa.“ Das Lächeln des Vaters verrät, dass 2013 durchaus unter dem Motto stehen könnte „Und täglich grüßt das Murmeltier.“