Exklusive Reiseziele für den sanften Tourismus

Nachhaltigkeit liegt im Trend, auch beim Reisen. KURIER.at zeigt exklusive Reiseziele, wo der Umweltschutz groß geschrieben wird und auch die Erholung nicht zu kurz kommt.

"Kann man als umweltfreundlich denkender Mensch noch guten Gewissens reisen?" Diese Frage stellen sich immer mehr Reisende. Ein Urlaub macht man zur Erholung oder Ablenkung vom Alltag oder weil man auf Abenteuer aus ist. Doch längst zählt nicht nur der persönliche Benefit allein. An den Schutz von Umwelt und Klima wird immer öfter gedacht - "grün reisen" ist in. Schließlich wollen alle noch lange etwas von den Schätzen der Erde haben. Es ist möglich nachhaltig und dennoch luxuriös zu reisen. "Sanfter Tourismus" ist kein neues Konzept, gewinnt aber erst allmählich Anhänger. Weltweit gibt es innovative und schöne Hotels, die darauf bedacht sind, mit den Ressourcen der Erde rücksichtsvoll umzugehen. Wo diese zu finden sind, zeigt der neue Bildband "Green Hotels". KURIER.at stellt Ihnen exemplarisch sechs Hotels daraus vor. Lapa Rios, Costa Rica

Das Lapa Rios ist kein Resort, es ist ein ganzes Reservat. John und Karen Lewis haben vor 20 Jahren ihr privates Naturschutzgebiet erschaffen, das mittlerweile ganze 375 Hektar groß ist. Sie forsten Wälder wieder auf, schaffen Arbeitsplätze und schauen darauf, dass ein Teil des Dschungels auf Dauer erhalten bleibt. "Je ursprünglicher der Regenwald bleibt, desto besser", lautete das Credo der Lewis, als sie das Lapa Rios gründeten. Die Ökolodge steht mitten im Tausende von Jahre alten Regenwald von Costa Rica. Die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren ist hier enorm hoch. Die Lodge mit ihren 16 Zimmern steht am höchsten Punkt der Halbinsel Osa, mit Blick auf den Pazifik und den Fjord Golfo Duce. Erreichbar ist sie nur über eine staubige Schotterstraße. Es gibt weder Fernseher, noch Internet oder Telefon. Auf Plastik wurde gänzlich verzichtet und für die Einrichtung ausschließlich lokales Holz verwendet. Auf dem im Buch erstellten Öko-Index überzeugt das Lapa Rios in den Kategorien "Schonung und Erhaltung der Naturressourcen" sowie "Soziale Projekte und regionale Verantwortung". 

Die grüne Lodge ist wegen ihrer abgeschiedenen, romantischen Lage beliebt bei Hochzeitsreisenden und Paaren, die Erlebnisse in intakter Natur suchen. Die Zimmerpreise variieren je nach Saison zwischen 150 und 300 Euro.

www.laparios.com The Scarlet Hotel, Großbritannien

Nicht nur Fans von Rosamunde Pilcher-Verfilmungen bereisen gerne das britische Cornwall. Herrschaftliche Landsitze und malerische Küstenstriche zeichnen Südengland aus. Dazu gesellte sich 2009 das Green Luxury Hotel Scarlet in Mawgan Porth, das kein gewöhnliches "Öko-Kratzpullover-Jutesack-Hotel" sein will. Das Hotel ist glamourös und modern: Die Möbelbezüge sind von Missoni, die Möbel selbst von bekannten internationalen Designern. Die Zimmer werden in die Kategorien gerade recht, großzügig, einzigartig, geräumig und maßlos eingeteilt. Geführt wird das Scarlet Hotel von den drei Schwestern Emma Stratton, Debbie Wakefield und Rebecca Whittington, die das "Hotel ihrer Träume" realisiert haben. Im Pool des Boutique-Hotels schwimmen Algen, sie halten ihn sauber, auf Chlor wird verzichtet. Ebenso auf Duschgel im Badezimmer. Wer will, kann stattdessen handgemachte Seife haben, die nicht schäumt. Das Abwasser wird biologisch aufbereitet und wieder verwendet. Der Zement für den Bau wurde aus recyceltem Porzellan hergestellt. Wer mit Bahn, Bus oder Fahrrad anreist, bekommt einen Preisnachlass. Ganz nach dem Motto der drei Schwestern: Reduce, Reuse, Recycle. In der Kategorie "Umgang mit erneuerbarer Energie" des Öko-Index hat das Scarlet Hotel die Nase vorne. 

Das Haus verfügt über 37 Zimmer. Es wird als "adults only"-Hotel geführt. Die Zimmerpreise liegen zwischen 120 und 290 Euro.

www.scarlethotel.co.uk Shompole Lodge, Kenia

Die Massai am Tourismus beteiligen, Armut bekämpfen und Artenschutz fördern: Das sind die drei Säulen der Shompole Lodge. Gemeinsam mit den ansässigen Loodokilani-Massai wurde die Lodge im Jahr 2000 verwirklicht. Jedes Jahr gehen Anteile in ihren Besitz über, bis das Projekt vollständig den Massai gehört. Die Massai stellten auch sämtliche Baumaterialien sowie ihre Arbeitskraft zum Aufbau der Lodge zur Verfügung. Das Ressort liegt 120 Kilometer von Nairobi entfernt. Gäste der Nationalparks bezahlen zehn Euro Eintrittsgebühr. Die Einnahmen gehen direkt an die Bevölkerung und werden in Schulprojekte oder Wasserleitungen investiert. Das Projekt macht Schule: In Ostafrika gibt es bereits mehrere Lodges und Camps, die auf ökologische und soziale Nachhaltigkeit setzen. "Grün statt Gucci" lautet die Devise in der afrikanischen Savanne. Die Kategorien "Ökologische Bauweise", "Schonung und Erhaltung der Naturressourcen" und "Soziale Projekte und regionale Verankerung" des Öko-Index erfüllt die Lodge überdurchschnittlich gut. 

Die Ökolodge verfügt über sechs offene Cottages, die ab 330 Euro pro Nacht zu haben sind. 

www.wilderness-ventures.com North Island Luxury Lodge, Seychellen

Auf der Seychellen-Insel North Island urlaubt man dort, wo die Riesenschildkröten wohnen. Verwirklicht hat dies die Belgierin Linda Van Herck, eine von vielen Ökologen und Biologen, die auf dem Eiland leben und forschen. Hierher dürfen nur ganz wenige Touristen, maximal 30 nämlich. So soll das ökologische Gleichgewicht erhalten bleiben. Immerhin war die Insel zuvor 30 Jahre lang unbewohnt. Ganze 2,5 Hektar misst die Insel, die zur Arche Noah für Pflanzen und Tiere werden möchte. Es gibt lediglich elf Villen entlang des Hauptstrandes. Versteckt zwischen Bäumen und Palmen verbrachten Prinz William und seine Catherine hier ihre Flitterwochen. Auf ihrer eigenen Honeymoon-Insel sozusagen. Äußerst luxuriös sind die Villen der Lodge gestaltet. Jede misst 450 Quadratmeter und bietet alles, was das Herz des Luxus-Urlaubers begehrt, direkter Zugang zum weißen Sandstrand inklusive. 150 Angestellte, die zum Großteil aus der Region stammen, kümmern sich um die Gäste. Wo bleibt hier die Nachhaltigkeit? Der Insel-Eigentümer und Lodge-Betreiber Wilderness Safari möchte North Island zur Arche Noah machen. Jeder Luxus-Urlauber unterstützt dieses Projekt finanziell. Bleibt zu hoffen, dass der Wunsch gelingt und die Schönheit North Islands erhalten werden kann. "Soziale Projekte und regionale Verankerung" werden in der Luxury Lodge groß geschrieben, befindet der Öko-Index. 

Die elf Villen der Lodge sind auf der ganzen Insel verteilt. Die zehn Presidential Villen kosten 2115 Euro pro Nacht und Person. Noch exklusiver urlaubt es sich in der Villa North Island um 3340 Euro pro Nacht und Person. 

www.north-island.com
www.wilderness.co.za Casa Camper, Deutschland

Keinen ökologischen Fußabdruck hinterlassen möchte der Enkel des Gründers der spanischen Schuhmarke Camper, Miguel Fluxá. 2005 begann er in Barcelona mit dem ersten Casa Camper, mittlerweile hat sich daraus eine Hotelgruppe entwickelt, die voll auf Nachhaltigkeit setzt und dabei das Design nicht aus den Augen lässt. Wie das Beispiel des Casa Camper in Berlin zeigt. In Barcelona gehört ein Bio-Restaurant im Ethno-Design samt Öko-Speisekarte zum Hotel. Essen ist wichtig im Casa Camper, deshalb steht auch "Du bist, was du isst" an den Wänden. Fluxà erklärt das Prinzip seiner Hotelkette so: "Bei Camper glauben wir, dass Luxus in Einfachheit, Authentizität, gesunder Lebensweise und der Betrachtung von Ästhetik zu finden ist, als eine Quelle für innere Zufriedenheit." Der Umweltgedanke dominiert sowohl im Schuh- als auch im Hotelgewerbe. Es werden in erster Linie wiederverwertete Materialien verwendet und soziale Projekte unterstützt. Grauwasserrecycling kommt ebenso zum Einsatz. Last but not least gibt es einen kostenlosen Fahrradverleih und praktische Tipps auf Schildern bei den Aufzügen wie "Nehmen Sie die Treppe, das ist gesünder." Auf dem Öko-Index überzeugt das Casa Camper in den Kategorien "Ökologische Bauweise", "Umgang mit erneuerbarer Energie" und "Organic Food und regionale Lebensmittel".

Die 51 Zimmer im Hotel sind klein und fein und ab 165 Euro pro Nacht zu haben. 

www.casacamper.com Trou Aux Biches Resort & Spa, Mauritius

Das Troux Aux Biches auf Mauritius hat nach einer zweijährigen Umbauphase im November 2010 neu eröffnet. Als wären der kilometerlange weiße Sandstrand und das türkisfarbene Meer nicht schon Anreiz genug, ist die Insel im Indischen Ozean um eine Attraktion reicher, die voll auf Nachhaltigkeit und Ökologie setzt. Bei den Maßnahmen zum Umweltschutz wurde nicht gespart: Eine riesige Solarpanele liefert das Warmwasser. Für Kompost und Wasseraufbereitung wurden eigene Anlagen gebaut. Eine Wasserentsalzungsanlage produziert Trinkwasser. Die Pools werden nicht mit Chlor, sondern mit Ozon behandelt. 150000 Pflanzen wurden neu in den tropischen Garten gesetzt, einige davon sogar in den Pool. Umweltfreundlich können Besucher auch die Insel erkunden und zwar mit den "Zip-Line-Touren". An einem Drahtseil hängend düsen die Gäste durch den Urwald und erreichen so gut und gerne bis zu 60 Stundenkilometer. Das Nachhaltigkeitskonzept geht über das Hotel hinaus, auch die Umgebung soll profitieren. Neue Einrichtungen sollen gebaut werden, allesamt aus nachhaltigen Materialien versteht sich. In der Kategorie "Organic Food und regionale Lebensmittel" des Öko-Index sticht das Trou Aux Biches Resort & Spa besonders hervor. 

333 Zimmer, Villen und Suiten ab einer Größe von 63 Quadratmetern erwarten den Besucher in dem dorfähnlich angelegtem Resort auf Mauritius. Die Zimmerpreise liegen bei rund 224 Euro pro Person und Nacht.

www.trouauxbiches-resort.com Buchtipp

Green Hotels.
Mehr als 100 exklusive Reiseziele für nachhaltige Erholung.
Petra Percher/Robert Kropf
Christian Brandstätter Verlag, Wien 
192 Seiten, 19,90 Euro
(KURIER.at) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?