Wie man günstig zu First-Class-Tickets kommt

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Foto: theyhbu

Durch Error-Fares oder Meilen-Programme günstig, aber exklusiv durch die Welt jetten.

Sie sind der Traum eines jeden Vielfliegers und der Albtraum jeder Fluggesellschaft: Error-Fares. Das sind Tarife, wo sich an irgendeiner Stelle ein Fehler eingeschlichen hat, sei es bei der falschen Kommastelle oder bei einem Ziffernsturz. Ob menschliches Versagen oder Übertragungsfehler - es passiert immer wieder mal. Sehr zur Freude mancher Vielflieger, die gezielt danach suchen. Einer davon nennt sich "theyhbu", ein anonymer Blogger, der die Welt nur noch günstig, aber stilsicher bereisen will (siehe Interview unten).

Weniger freut das natürlich die Fluggesellschaften. Stellungnahme möchte dazu aber kaum eine abgeben. Bei der AUA zeigt man sich etwa einfach nur glücklich, dass es noch nicht passiert ist, "denn ist so ein Angebot einmal im System, kann man schwer zurückrudern – ganz nach dem Motto: Was liegt, das pickt", so Peter Thier, Unternehmenssprecher der AUA.

Auch Ben Schlappig ist - zumindest im englischsprachigen Raum - mit seinem Blog "One Mile at a Time" eine kleine Berühmtheit unter den Vielfliegern, deren Ziel es ist, die Airlines zu überlisten. Noch mehr, seit das Rolling Stone Magazine ein großes Porträt über ihn gebracht hat. Dort heißt es, er habe bereits mehr als 400.000 Meilen auf dem Buckel – also hätte er 16 Mal die Erde umrundet. Sein Ziel: Kostengünstig luxuriös fliegen, beziehungsweise bezahlt er mit seinem gigantischen Meilenkonto, das mit jedem Tag wächst. Natürlich musste er dafür anfangs ein größeres Investment tätigen, das sich mit der Zeit wieder bezahlt machte.

Er begann schon als kleiner Junge, sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen, hat etwa ein Jahr gebraucht, bis er die Kniffe heraus hatte um die Buchungs-Algorithmen, Systemfehler und die Meilenprogramme der Airlines zu begreifen. Es geht darum, die Regeln ganz genau zu kennen, nicht, sie zu brechen, schreibt er auf seinem Blog.

Zu seinem 17. Geburtstag bunkerte der heute 25-jährige Schlappig schon eine halbe Million Meilen. Er sammelt die wertvollen Bonuspunkte durch strategische Flüge, mit Kreditkarten und steigert sie durch "Manufacture Spend", das heißt, man sammelt etwa Meilen durch Kreditkarten-Buchungen, indem man Gutscheine kauft, die wieder in Bargeld gewandelt werden. Seine Devise: Angebote müssen schamlos ausgenutzt werden.

Interview

Holzklasse? Nein danke!

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Foto: theyhbu

KURIER: Auf Ihrem Blog verraten Sie immer wieder, wie man an günstige Tickets kommt, ohne Holzklasse fliegen zu müssen. Wie kam es, dass Sie sich in das Thema vertieften?

Theyhbu: Ich verreise sehr gerne, wie viele andere Österreicher auch. Dann bin ich irgendwann einmal über Blogs und Foren aus den Vereinigten Staaten gestolpert. Und ich habe gemerkt, wie man die Welt auch sehr luxuriös sehen kann.

Wie viel fliegen Sie? Und fliegen Sie überhaupt noch Economy?

Das hört sich vielleicht jetzt ein wenig eingebildet an, aber bevor ich mich auf Langstrecke in eine Economy setze, höre ich auf zu reisen. Die Economy hat sich sehr zum Negativen verändert. Das halte ich einfach nicht mehr aus. So viele Gerüche, so viele Menschen eingesperrt, die Hektik. Meine Reisen sind immer eine Kombination aus billigen Premium Tickets bzw. Error-Fares und Meilentickets und das funktioniert ganz gut.

Welche Tipps haben Sie, um solche Error-Fare-Flüge zu finden?

Eine echte Error-Fare zu finden, ist gar nicht so einfach. Gute Quellen sind Foren (Vielfliegertreff oder Flyertalk) oder Blogs. Immer wichtiger aber wird Twitter. Die Haltbarkeit solcher Error-Fares ist so kurz, ohne Twitter könnte ich mir das für mich nicht mehr vorstellen.

Billige Premium Tickets findet man aber dauernd, da brauche ich nur eine Flugsuchmaschine öffnen. Bestimmt Abflugorte wirken enorm preismindernd. So sind Tickets aus Budapest oft sehr interessant. Und Budapest ist ja von Wien nicht so weit entfernt.

Wie häufig kommt so ein Schnäppchen zustande? Und wie spontan muss man seine Koffer packen?

Lapidar gesagt, ständig. Gerade jetzt hat sich eine lustige Sache getan. Es war zwar keine Error-Fare, aber auch sehr spannend. Eine südamerikanische Fluglinie hat Meilen verkauft und die Meilenanzahl für Tickets nicht wirklich richtig berechnet. Man konnte Flüge von London nach Bangkok in der Qatar A380 First um 700 Euro buchen. Das ist doch ein guter Preis für eine internationale First Class.

Man muss mit dem Kofferpacken gar nicht so schnell sein. Es ist sogar besser, eine gewisse Distanz zum Abflugdatum zu haben, weil wenn die Airline auf die Idee kommt und storniert, hat man keine Hotels oder andere Flüge gebucht.

Gibt es Airlines, die besonders „fehleranfällig“ sind?

Ja, definitiv. Gerade die schnell wachsenden Airlines der Golfstaaten sind eher fehleranfällig. Aber prinzipiell hat es fast schon jede Airline getroffen.

Gibt es Ziele, die besonders häufig angeboten werden?

Bei Error-Fares ist es normalerweise nur eine bestimmte Strecke, die den niedrigen Preis hat. Wenn es aber ein Währungsfehler ist, dann sind alle Flüge von einem Abflugort billig. Bei Rangoon hat es das immer wieder gegeben. Die Airlines sind bei der Anpassung der Preise mit der Entwertung nicht nachgekommen.

Wie schnell dauert es, bis eine Airline auf ihren Fehler kommt?

Das hängt ganz von der Airline ab. Viele Airlines bekommen Error-Fares nicht mit, gerade dann, wenn die Tickets nicht häufig gebucht wurden. Manche Airlines akzeptieren diese Fehler und fliegen sie stoisch ab. Etihad hat da einen echt guten Ruf. Und manche Airlines wie Swiss kommen irgendwann später drauf und beginnen wild zu stornieren. Swiss hatte sehr viele First Tickets von Rangoon nach Kanada verkauft (man konnte eine Asienrundreise in der First machen) und es hat wirklich eine Woche gedauert, bis Swiss den Fehler registriert hat und zu canceln begonnen hat. Deswegen würde ich immer abwarten. Hält das Ticket ein Monat, schaut die Sache schon eher gut aus.

Was war der beste Flug, den Sie bisher erlebt haben und wie viel hat er gekostet?

Die Antwort ist gar nicht so einfach. Aber eine der besten Geschichten war fast schon eine Weltreise. Es ging mit Etihad First von Colombo über Abu Dhabi und New York nach Dallas und dann einige Wochen später wieder zurück. Die Sache hat in der First Class nur ca. 1000 Euro gekostet, ein Bruchteil des realen Preises. Etihad hatte da schlechte Karten. Sie konnten die Tickets gar nicht stornieren, da die Rechtslage in den USA (und der Flug ging ja dorthin) damals jede Airline zum Abfliegen mit horrenden Strafandrohungen gezwungen hat. Es war also viel billiger mich mitzunehmen, als eine Strafe zu riskieren. Und wo trifft man sonst die Familie des Scheichs von Abu Dhabi, als in der Etihad First.

Fliegen Sie manchmal einfach nur irgendwo hin, weil Sie einen günstigen Flug finden?

Eigentlich fliege ich immer dorthin, wo ich günstige Flüge finde. Ich kann keine Error-Fare von einem Flughafen zu einem bestimmten Reiseziel an einem bestimmten Datum erwarten. Also ganz wichtig: Keine fixen Ziele haben. Und wenn es einen günstigen Business Flug von den Malediven nach New York gibt. Warum nicht? Ich würde den sofort fliegen. Und für die teuren Strecken dazwischen eignen sich Meilentickets hervorragend.

Wie sieht die Rechtslage aus? Können Fluglinien die Error-Fare-Flüge beanstanden?

Die Rechtslage ist schlecht. In weitgehend allen europäischen Rechtsnormen gibt es den Irrtum und damit kann eine Airline jedes Ticket einfach so stornieren. Aber auf jede Error-Fare folgt die nächste.

(KURIER) Erstellt am
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