Reise
23.07.2017

Die stille Schönheit am Millstätter See

Ein Rückzugsort, der Raum für Begegnungen gibt – mit sich selbst und seiner Liebe.

Drüben am Wörthersee dröhnen die Motorboote, die Wasserskifahrer rauschen über den See und das Panorama ist mit bunten Segeln gespickt. Es gibt allerhand Abendprogramm, Diskotheken, Feste. Hier am Millstätter See ticken die Uhren noch anders. "Keines meiner Boote ist jünger als 50 Jahre", erzählt Gottlieb Strobl, der sich zeitlebens darum kümmert, sie liebevoll zu pflegen und hegen, das Holz zu schleifen und immer wieder zu lackieren. "In Zeiten von Action und Aufmerksamkeitsheischerei überall, geht es hier bei uns um Ruhe und Stille." Die schätzen auch Persönlichkeiten wie Kanzler Christian Kern, der Industrielle Hans-Peter Haselsteiner oder der Künstler Werner Schneyder.

Beim sogenannten Buchtenwandern setzt sich jedes Paar in ein eigenes Boot. Ein lockerer Griff auf das Ruder reicht und Strobl zeigt, wie es am besten so geführt wird, dass das Boot mit einer geschmeidigen Bewegung lautlos über den See gleitet. 100 Meter vom Land entfernt, kommt der Aha-Effekt. Stille. Nicht die beklemmende, bedrückende Art. Vielmehr eine erstaunte Andacht. Keine Motorengeräusche, kein Menschengewirr, nicht einmal das Surren einer Fliege. Einfach nur Stille. Mit sich allein sein.

Der See ist an dieser Stelle etwa einen Kilometer breit und die nahezu unverbaute Kulisse des Südufers entfaltet sich in der Mitte des Sees zum Naturerlebnis. An der tiefsten Stelle geht es 142 Meter hinunter, an der Oberfläche wird das Wasser hier bis zu 22 Grad warm. Wir sind umgeben von den Wandergebieten in den Nockbergen. Mischwälder, pure Natur. Eine Radtour um den See kommt auf etwa 30 Kilometer – wer nicht alles treten will, holt sich Unterstützung vom E-Bike und eine Radfähre führt über den See von einem Ort zum anderen.

Je näher wir zum Südufer kommen, desto lauter wird das Vogelgezwitscher. In einer lauschigen Ecke ist unter Bäumen eine Picknickbank für romantische Momente zu zweit versteckt. Derer gibt es in der Gegend zuhauf: Auf dem Millstätter Höhensteig führt der "Weg der Liebe" bis zum Granattor. Hier werden Paare immer wieder zur liebevollen Begegnung miteinander aufgefordert. "Was ist das Verrückteste, das du jemals aus Liebe getan hast?", fragt eine Wand in der Nähe der Alexanderhütte. "Niemals aufgegeben – trotz aller Widerstände", steht da. Oder: "Durch Krokodil-befallene Flüsse gewandert." Jemand anderes schreibt: "Tieftemperaturphysik gelernt."

An einer anderen Station lädt eine Liegebank dazu ein, den Blick auf den Millstätter See zu genießen und regt dazu an, die liebsten Spitznamen in ein Buch einzutragen. Da steht Sonnenschein, Herzblatt, aber auch Dickie und Zipfelklatscher.

Unter Sternen

Das neueste "Liebesprojekt" der Gegend sind die Biwaks unter Sternen – kleine Holzhütten, spartanisch mit Bett, Waschbecken (ohne fließend Wasser) und Toilette ausgestattet, jedoch mit zahlreichen Fenstern, die einen freien Blick auf Sterne, See und Berge bieten. Jedes der geplanten sieben Biwaks erzählt eine Geschichte: "Tramonto" steht etwa direkt am Seeufer und ist in Richtung Sonnenuntergang ausgerichtet. Den Betreibern geht es um ein direkteres Wohnerlebnis – die Essenz ist die Unmittelbarkeit.

Ein unmittelbares Erlebnis bieten auch 18 Familien aus der Gegend, die sich zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen haben. In der "Kaslab’n" können Besucher nicht nur dabei zusehen, wie aus regionaler Bio-Milch Käse hergestellt wird, sondern sich auch direkt mit den Herstellern unterhalten. Direkter Kontakt zum Produzenten statt anonymes Einkaufen im Supermarkt. Die Bauern wollen ihren Beruf wieder aufwerten, sie setzen auf Klasse statt auf Masse. "Gewisse Dinge kannst du nur ändern, wenn du es der Jugend vorlebst und sie einbindest", erklärt der Genossenschafts-Obmann und Biobauer Michael Kerschbaumer. Keine Frage, dass die Verkostung der Produkte den Gaumen verzückt.

"Unsere authentische Art und Weise spiegelt sich im Produkt", sagt der Käser. Und nicht nur dort, die gesamte Region lebt davon, dass sie sich treu bleibt. Hier liegt die Kraft tatsächlich noch in der Ruhe.

Info

Anreise aus dem Norden über die A10 Tauernautobahn oder über die A2 Südautobahn in Richtung Süden (Villach) bis zur Autobahnabfahrt Spittal-Millstättersee.

Essen und Trinken Die „Aussichtsreichen 3“ sind quasi ein Muss für Feinschmecker und Natur- liebhaber. Sie alle bieten feinste, natürliche Produkte aus eigener Landwirtschaft und einen wunderbaren Ausblick auf den See: Die „Alexanderhütte“ erreicht man sogar mit dem Kinderwagen. Der „Gasthof zur schönen Aussicht“ spricht für sich selbst und die „Sennerei“ bietet neben Führungen verschiedenste Käsesorten nach alter Tradition. www.sennerei.at
– Wer vom Käse nicht genug bekommen kann, schaut noch in die Kaslab’n und blickt den Produzenten über die Schulter. www.kaslabn.at

Übernachtung 4*Superior Romantikhotel Seefischer in Döbriach: Idyllische Lage mit modern-rustikalem Flair und Sauna am See. Hauben-Küche, die mit Regionalität und Qualität punktet. Tel. 04246 – 77120, www.seefischer.at
–4* Hotel Die Forelle in Millstatt am See: Schöner Ausblick auf der großzügigen Seeterrasse, elegant eingerichtete Zimmer mit dem Charme früherer Tage, reichhaltiges Frühstücksbuffet. Tel. 04766 – 20500, www.hotel-forelle.at

Biwak Ob nahe am Wasser, auf einer Waldlichtung oder am Berg. Derzeit gibt es sieben Biwaks, die mit Gourmetkorb und Frühstück (teils im Biwak, teils in einem nahegelegenen Hotel) gebucht werden können. Eine Übernachtung kostet ab 99,50 Euro. www.biwaks.millstaettersee.com

Auskunft Millstätter See Tourismus, Kaiser-Franz-Josef-Straße 49, 9872 Millstatt, Tel. 04766 – 37000 www.millstaettersee.com