Reise
09.01.2012

Der Pauschaltrip ins Universum

Der private Weltraumflug nimmt Gestalt an. Ein Sechssitzer der US-Firma Virgin Galactic bringt 2012 die ersten Touristen ins All.

Branson stößt das Tor zum Weltraum für die breite Öffentlichkeit auf." Der ehemalige "Austronaut" Franz Viehböck begrüßt den für September geplanten Start in die Ära der kommerziellen Raumfahrt. Ein Ticket für einen Flug mit der Rakete des umtriebigen US-Milliardärs Richard Branson wird er trotzdem nicht lösen. "Für mein Leben ist das keine Bereicherung."

Der Traum vom Privatflug ins All nimmt 2012 Gestalt an. Sechs Passagiere und zwei Piloten passen in Bransons "geflügelte Karbonröhre" (Süddeutsche Zeitung). Erste Anwärter für Plätze sind – neben Branson und seinen Kindern – der Astrophysiker Stephen Hawking, Regisseur Bryan Singer ("X-Men") und Designer Phillippe Starck. William Shatner alias Captain Kirk hat abgesagt. Seine Begründung: "Mich im All zu übergeben, ist nicht das, was ich mir unter einem netten Ausflug vorstelle".

 

 

Dessen ungeachtet haben sich 475 Interessenten bei Virgin Galactic gemeldet. Der Preis für den suborbitalen Kurztrip: 155.000 €. Wer online bei Virgin Galactic bucht, landet beim Reiseversicherer AGA (Allianz Global Assistance), der eine Versicherung für die Hobbyastronauten anbietet.

Alltouristen checken drei Tage vor Abflug am Weltraumbahnhof in Las Cruces, New Mexico, ein. Zwei Tage dienen der Vorbereitung auf Notfälle. Viehböck weiß: "Im Weltraumanzug in den Sitz zurückkehren und sich anschnallen will geübt sein."

Am dritten Tag bringt das Trägerflugzeug "White Knight Two" die Touristen auf 15 Kilometer Höhe und klinkt sich dort aus. Dann zündet "Space Ship Two" seine Raketentriebwerke, beschleunigt auf fast vierfache Schallgeschwindigkeit bis zur Kármán-Linie in 100 Kilometer Höhe – dort, wo laut Definition der Weltraum beginnt.

Virgins Konkurrent XCOR Aerospace meldet 100 Reservierungen für ihren Zweisitzer-Flugkörper. Kostenpunkt pro Sitz: 74.000 €. Start: 2013. Der Mann mit der praktischen Erfahrung, Viehböck, bezweifelt, dass Alltourismus so selbstverständlich wird wie ein Flug nach New York. "Das Risiko ist viel zu groß."

Interview mit Franz Viehböck

"Fünf fantastische Minuten in der Schwerelosigkeit"

Ob sich die Weltraumpassagiere bei ihrem Jungfernflug in der ungewohnten Schwerelosigkeit übergeben werden müssen? Gut möglich. Honiglecken sei auch ein Kurztrip in den Weltraum keiner, sagt Franz Viehböck. Der ehemalige Astronaut – heute Vorstandsmitglied der Berndorf AG – musste 1991 für die Austromir-Mission ein zweijähriges Training absolvieren. Die Vorbereitung für den Flug mit der Virgin Galactic dauert genau zwei Tage.

KURIER: Ist es bitter, dass jetzt sozusagen die Bloßfüßigen den Weltraum erobern?

Viehböck: Nein. Weil das zwei Paar Schuhe sind. Bei unserem Raketenstart haben wir auf 28.000 km/h beschleunigt, auf unsere Körper wirkte eine Kraft von 4 G (etwa so viel wie auf einen Formel-1-Fahrer, Anmerkung), auf die Virgin-Galactic-Insassen die Hälfte.

Ist diese Art von Extremtourismus den hohen Preis wert, den man dafür zahlt?

Ja. Die Passagiere sind zwar nur wenige Minuten freischwebend im Weltraum, aber diese fünf Minuten sind fantastisch. Man sieht die Krümmung der Erde, spürt die Schwerelosigkeit und überblickt ein riesiges Gebiet. Dazu kommt der Nervenkitzel. Das ist kein Linienflug, sondern High Risk. Vielleicht vergleichbar mit einer geführten Tour auf den Mount Everest.

Es gibt ein Foto von Ihnen, wie sie kurz nach Ihrer Landung in der kasachischen Steppe mit geschlossenen Augen in einem Liegestuhl sitzen, – woran haben sie da gedacht?

Das war 15 Minuten nach dem harten Aufprall. Ich war frustriert. Gleich hinter Clemens (Ersatzmann Lothaller, Anmerkung) haben Reporter durch die Luke geschaut. Ich wollte sofort wieder rauf.

Franz Viehböck

"Fünf fantastische Minuten in der Schwerelosigkeit"

O b sich die Weltraumpassagiere bei ihrem Jungfernflug in der ungewohnten Schwerelosigkeit übergeben werden müssen? Gut möglich. Honiglecken sei auch ein Kurztrip in den Weltraum keiner, sagt Franz Viehböck. Der ehemalige Astronaut – heute Vorstandsmitglied der Berndorf AG – musste 1991 für die Austromir-Mission ein zweijähriges Training absolvieren. Die Vorbereitung für den Flug mit der Virgin Galactic dauert genau zwei Tage.

 

KURIER: Ist es bitter, dass jetzt sozusagen die Bloßfüßigen den Weltraum erobern?

Viehböck: Nein. Weil das zwei Paar Schuhe sind. Bei unserem Raketenstart haben wir auf 28.000 km/h beschleunigt, auf unsere Körper wirkte eine Kraft von 4 G (etwa so viel wie auf einen Formel-1-Fahrer, Anmerkung), auf die Virgin-Galactic-Insassen die Hälfte.

 

Ist diese Art von Extremtourismus den hohen Preis wert, den man dafür zahlt?

Ja. Die Passagiere sind zwar nur wenige Minuten freischwebend im Weltraum, aber diese fünf Minuten sind fantastisch. Man sieht die Krümmung der Erde, spürt die Schwerelosigkeit

und überblickt ein riesiges Gebiet. Dazu kommt der Nervenkitzel. Das ist kein Linienflug, sondern High Risk. Vielleicht vergleichbar mit einer geführten Tour auf den Mount Everest.

Es gibt ein Foto von Ihnen, wie sie kurz nach Ihrer Landung in der kasachischen Steppe mit geschlossenen Augen in einem Liegestuhl sitzen, – woran haben sie da gedacht?

Das war 15 Minuten nach dem harten Aufprall. Ich war frustriert. Gleich hinter Clemens (Ersatzmann Lothaller, Anm.) haben Reporter durch die Luke geschaut. Ich wollte sofort wieder rauf.

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