Die Cliffs of Moher sind eines der wenigen Must-Sees auf der Insel mit Gefühl

© Getty Images/iStockphoto/mafra13/Thinkstock

Irland
02/24/2016

Irland: Mehr Gefühl als Sehenswürdigkeit

Es ist schon gut, dass es auf der Insel nur wenige Muss-Sehenswürdigkeiten gibt. Die würden nur vom tiefen Gefühl der Menschen ablenken.

von Axel Halbhuber

Irland ist ein Gefühl. Fast überall anders auf der Welt führen Klischees zu schwitzenden Touristen. Wer sich aber in Irland mit Whiskey oder Pint ins Pub setzt, einem in die Jahre gekommenen Fiedler zuhört, den ein versoffener Banjospieler mit "Mac" oder "Ó" im Namen begleitet, ist im Land angekommen. Einige der Pub-Gäste wippen dort mit, ohne ihr Gespräch zu verlassen, andere gehen zur Musik richtig ab. Kein Zwang, der Darbietung zu folgen. Aber kalt lässt sie keinen. Denn Irland ist ein Gefühl.

Und von diesem Gefühl lenkt wenig ab. Irland gehört zu jenen Reisezielen, von denen man kaum Fotomotive im Kopf gespeichert hat. Auf den meisten Postkarten sind Schafe oder Pub-Eingänge. Kein Must-see-Fjord, kein Must-be-Turm, kein Must-do-Pfad.

Das Müssen würde auch gar nicht zu den Iren passen. Auch wenn Schriftsteller Oscar Wilde, der eigentlich O’ Flahertie hieß, über seine Landsleute einmal sagte: "Das Leben ist eine Bühne, aber das Stück ist schlecht besetzt" – die Menschen sind die heimliche Sehenswürdigkeit dieser drittgrößten Insel Europas – so groß wie Österreich, wobei in der Republik Irland nur knapp fünf Millionen Leute leben. Besonders gilt das für die rauen und schwach besiedelten Regionen an der Westküste. Und ganz besonders gilt es, wenn man sich zwischen der Dingle-Halbinsel und Limerick an der Mündung des Shannon River bewegt.

Whiskey im Hirn

Der kleine Ort Annascaul auf der Dingle-Halbinsel ist zum Beispiel sehr schön. Idyllisch in einer Senke zwischen den mächtigen Hügeln, oder Kleinbergen, gelegen, ein Park, ein paar Läden. Und ein blaues Pub namens "South Pole Inn". Hübsch, aber hübsche Pubs hat Irland wie der Ozean Tropfen. Einzigartig ist aber die Geschichte des einstigen Besitzers. Mehr noch, Tom Crean (1877–1938) geht als Sinnbild für das irische Gefühl durch: Nahm an drei Südpol-Expeditionen teil, ohne je den Südpol zu erreichen. Rettete dabei aber mit unglaublicher Ausdauer anderen Teilnehmern das Leben. Ließ sich dann nieder, um der Gefahr einer neuerlichen Expedition zu entgehen. Sperrt ein Pub auf und stirbt dann an Blinddarmdurchbruch. Ein Abenteurer mit Furchen im Gesicht, Kartoffeln in der Hose und Whiskey im Kopf. Sláinte und slán agat! (Prost und Adieu!)

Iren kennen aber auch das Rüschige, das Teehaushafte. Eine der Hauptattraktionen des Städtchens Tralee ist "Mary Anne’s Teerooms" (siehe Foto). Diese Mary Anne war eine liebende Hausfrau und Mutter, die gerne backte und Gäste empfing. In ihrem Sinn eröffnete eines ihrer 54 Enkelkinder ein Restaurant, das es an Lieblichkeit mit jeder Rosamunde-Pilcher-Schandtat aufnehmen kann. Unglaublich, dass Enkelin Eileen Nolan das Ambiente mit ihrer Koch- und Backkunst noch übertrifft.

Über die kulinarische Bedeutung des Irish Coffee hingegen lässt sich debattieren, der Whiskey ist jedenfalls besonders schnell im Hirn. Gesichert scheint seine Herkunft, zumindest für Menschen in Foynes, gelegen an der Atlantikbucht, in die der Shannon mündet. Sie sind stolz darauf, dass das süße Kaffee-Whiskey-Creme-Konglomerat bei ihnen erfunden wurde und erzählen davon im "Flying Boat & Maritime Museum". Einem absurden Ort, der von der Sackgassen-Idee der Flugzeug-Geschichte berichtet, in der man Jumbojet und Wasserflugzeug kreuzen wollte.

Zurück zu den Menschen: In Listowel versteckt sich ein Pub, dem man seinen Glanz von außen nicht ansieht. Von innen auch nicht, aber dort steht Billy Keane hinter der Schank. Und der erzählt leidenschaftlich von seinem Vater, dem Schriftsteller John B. Keane. Nach dem ist das Pub benannt und eines seiner Stücke übersetzte ein enger Freund ins Deutsche. Felix Mitterer. Wenn man auf der abgewetzten Polsterbank, mit einem Guinness in der Hand, Billys Freunden zuhört, große Reden über kleine Sorgen, dann versteht man Irland. Und das Leben. Oder, wie es auf dem Weg zur Toilette an der Wand steht: "Geheimnis einer glücklichen Ehe: Wenn du unrecht hast, gib es zu. Wenn du recht hast, halt den Mund."

In anderen Worten: Wer Atmosphäre sucht, übernachtet lieber in Listowel als in Limerick.

Umweg zu den Fotos

Auf der Fahrt von dort nach Galway macht jeder einen Umweg. Zu den Klippen. Zu DEN Klippen. Die Cliffs of Moher sind das dritte große Postkartenmotiv, und das aufstrebende Galway ist ein weiteres. Überhaupt tummeln sich nahe der junge Universitätsstadt die Fotostopps: Connemara gilt als eine der schönsten Naturgegenden der Insel, die kleinen, verwundenen Straßen freuen das Auge und plagen den Magen. Aber sie führen zur Kylemore Abbey, einem Bild von Schloss (siehe Foto). Alle wollen dorthin und wirklich bietet das Anwesen mehr als das Foto, das jeder über den See (Irisch: lough) hinweg schießt. Eine Ausstellung der Herrschaftseinrichtung etwa, oder eine alleinstehende Kleinkirche oder den Prachtgarten. Mit seinen exotischen Pflanzen, Glashäusern, dem umwerfenden alten "Chief Gardeners House". Und den miges – den vielleicht bissigsten Fliegen der nördlichen Hemisphäre.
Sie passen ins westliche Irland. Wesen mit Kanten zwischen einer Natur voll schroffer Klippen und halben Berg. Wo die Menschen noch immer Irish-Gälisch sprechen, zumindest da und dort. Wo in manchen Orten mitcéad míle fáilte(hunderttausend Mal willkommen) gegrüßt und mitgo raibh mile maith agat (tausend Dank) bestätigt wird.

Auf der Fahrt nach Dublin endet diese unaufgeregte Kleinheit plötzlich. Früher musste man zwischen Ost- und Westküste noch durch Ortschaften fahren, das hatte Charme und man sollte das noch immer so tun. Die Autobahn, an der seit 2007 gebaut wird, durchschneidet eine triste Ebene, Fabriken und Industriezentren siedeln sich im Spalier daneben an.

Immerhin führt sie nach Dublin. Die Hauptstadt ist doppelt so schnell wie Restirland und halb so schnell wie Resteuropa. Ein bisschen Guinness-Brauerei, ein wenig Trinity College (siehe Foto), und vielleicht ein Dichter-Haus. Ein Foto mit der Molly-Mallone-Statue. Dann ins Pub. Oder, wie Schriftsteller William Butler Yeats sagte: "Das Schlimmste an manchen Menschen ist, dass sie nüchtern sind, wenn sie nicht betrunken sind."

Info

Anreise:Direktflüge gibt es derzeit von Österreich nur nach Dublin. VeranstalterPrima Reisenbietet 2016 auch Charterflüge mitAustrian von Wien nach Shannon an: 9. bis 30. Juli (letzter Rückflug) und 20. August bis 3. September (letzter Rückflug).

Unterkünfte: In Irland ist die Bed & Breakfast-Tradition wie in allen angelsächsischen Ländern sehr groß. Landhäuser und Inns (Gasthöfe) bieten Quartiere in nahezu allen Ortschaften. In den Städten gibt es zudem 3*- u. 4*-Hotels, oft in sehr guter Lage am Meer. Beliebt sind auch das Youth-Hostel-Netz (Einzel-,Doppel- und Familienzimmer, YHA auf www.anoige.ie) und Reisen im Camper (diverse Anbieter).

Rundreise: Prima Reisen bietet folgende Packages:
– „Die Höhepunkte der Grünen Insel“. Highlights: Dingle-Halbinsel, Ring of Kerry, Cliffs of Moher, Dublin Galway, Connemara, Wicklow Mountains uvm.. 1 Woche, Flug ab/bis Wien, Rundreise mit 7x HP, Preis p. P. im DZ 1195 €.
– Autotour „Prima Selektion“, Empfehlung für eine Entdeckungs- reise durch den Westen Irlands. Highlights: Galway (Wochenende), Connemara, Burren, Cliffs of Moher, Herrenhausübernachtung in Kerry, Ring of Kerry, Limerick. 1 Woche, Flug ab/bis Wien, 7x N/F (2 N im Herrenhaus, 2 N im Gästehaus, 3 N im Hotel), Preis p.P. im DZ 998 €, (Mietwagen nicht inkludiert).
– Autotour: „Juwelen irischer Gastlichkeit“, stilvoll die schönsten Plätze Irlands erkunden. Highlights: 7 Nächte in Herrenhäusern oder Schlosshotel, beste irische Gastlichkeit an der Westküste.
1 Woche, Flug ab/bis Wien, 7N/F (Herrenhaus), Preis p.P. im DZ 1345 €, (Mietauto nicht inkludiert).
Info & Buchung: Prima Reisen, Favoritenstraße 42, 1040 Wien, Tel. 01/ 50 50 22 20, eMail: favoriten@primareisen.com, www.primareisen.com

Irland-Info: www.ireland.com, info.at@tourismireland.com, Tel. 01/501 59 6000.
www.cliffsofmoher.ie, www.limerick.ie, www.connemara.ie

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