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Reise
08/03/2019

Damit poliert Hamburg kräftig am Image der Musik-Metropole

Ein Blick auf den musikalischen Hafen: Was Brahms mit der "Elphi", dem König der Löwen und Pretty Woman zu tun hat.

von Herbert Gartner

Lieben Sie Brahms? Ja, nein, doch, sehr, aber nicht so wirklich.

Egal. Beginnen wir trotzdem mit dem gebürtigen Hamburger, der nach Wien auswanderte und dort 1897 auch starb. Die Hansestadt reklamiert den Pianisten, Komponisten und Dirigenten heftig als einen der ihren auch wenn das Verhältnis Johannes Brahms und Hamburg zu seinen Lebzeiten nicht gerade friktionsfrei verlief. Was ein Brief an Gustav Mahler eindrucksvoll verdeutlicht. Darin qualifizierte Brahms das Publikum der Hansestadt harsch ab: „Die Bremer sind unmusikalisch, die Hamburger aber sind antimusikalisch“. Was daran gelegen haben mag, dass Brahms in seiner Heimat niemals die von ihm angestrebten Jobs bekam.

Apropos Mahler: Der bekam einen Job, wurde Erster Kapellmeister des Hamburger Stadt-Theaters (von 1891 bis 1897) und war dadurch ein maßgeblicher Faktor des hanseatischen Musiklebens. In dieser Zeit vollendete er auch seine zweite Symphonie, die in die Musikgeschichte als Auferstehungssymphonie einging, in der Hansestadt aber gerne auch als Hamburger Symphonie bezeichnet wird.

Der Barockkomponist Georg Philipp Telemann blieb hingegen Hamburg bis zu seinem Lebensende treu. 1721 nahm die Stadt den gebürtigen Magdeburger als Musikdirektor, zuständig für die Musik in den fünf Hauptkirchen, in ihre Dienste. Laut Vertrag muste der Meister wöchentlich zwei Kantaten und jährlich eine Passion schreiben. Kein Wunder also, dass Telemann nach sechsundvierzig Jahren im Solde der Hanseaten mehr als 3600 Werke hinterließ.

Beerbt wurde Telemann von seinem Patenkind Carl Phillipp Emanuel Bach, zweiter Sohn des großen Johann Sebastian. Auch dieser komponierte fleißig, war aber von der Kompetenz des Hamburger Publikums auch nicht wirklich angetan. Originalzitat Bach: „Wenn auch die Hamburger nicht alle so große Kenner und Liebhaber der Musik sind, wie Sie und ich es wünschen mögen, so sind dagegen die meisten sehr gutherzige und umgängliche Personen“.

Telemann, Bach und Mahler waren allerdings nicht die einzigen Ausnahmekomponisten, die in der Elbestadt zumindest zeitweise lebten. Im sogenannten Komponistenquartier in der Neustadt wird die Geschichte weiterer großer Namen wie Johann Adolf Hasse oder Fanny und Felix Mendelssohn wieder lebendig.

Weil man aber vom Ruhm vergangener Zeiten nicht ewig zehren kann, tauchte 2001 eine kühne Idee auf: Die Musikstadt Hamburg braucht ein neues, möglichst repräsentatives Konzerthaus – die Elbphilharmonie. 2007 wurde der Bau beschlossen, 2010 sollte er fertig sein und 77 Millionen Euro kosten. Doch es kam anders. Das hundertzehn Meter hohe Gebäude samt imposanter Architektur und schwieriger Akustik wurde erst sechs Jahre später (Ende 2016) übergeben und im Jänner 2017 feierlich eröffnet. Und: Gekostet hat das neue Wahrzeichen den Hamburger Steuerzahlern letztendlich mehr als das Zehnfache: Satte achthundersechsundsechzig Millionen Euro.

Wo die Beatles ihre Weltkarriere starteten

Trotzdem scheint das Geld gut angelegt zu sein. Denn die Hamburger lieben ihr neues Wahrzeichen, nennen es liebevoll „Elphi“ und die Touristen stürmen die Stadt. Um die neun Millionen Menschen haben seit der Eröffnung die Aussichtsplattform (Plaza) kostenlos besichtigt. Und an die zwei Millionen haben ein Konzert im Großen Saal besucht. Was einer Auslastung von knapp neunundneunzig Prozent entspricht und im Klartext bedeutet: Die Elbphilharmonie ist fast immer so gut wie ausverkauft.

Bestens besucht ist auch die „leichte Konkurrenz“ auf der gegenüber liegenden Seite des Flusses. Da spielt man seit sage und schreibe neunzehn Jahren das Walt-Disney-Musical „König der Löwen“ . Und gleich daneben gibt man derzeit den Broadway-Hit „Mary Poppins“, der im Herbst von „Pretty Woman“ abgelöst wird.

Um Hamburgs musikalisches Portefeuille abzurunden, sind noch die Beatles zu erwähnen, die von hier aus ihre Weltkarriere starteten. Den legendären Star Club in dem sich die Pilzköpfe aus Liverpool ihre ersten musikalischen Sporen verdienten, gibt es allerdings schon lange nicht mehr. Der wurde nach einem Brand in den 1980er Jahren abgerissen.

Anreise
Direkt  mit dem Nightjet in zwölf Stunden von Wien nach Hamburg (oebb.at). Oder Flug mit  austrian.com  

Schlafen
4* Steigenberger Hotel Hamburg, zehn Geh-Minuten von der Elbphilharmonie entfernt. steigenberger.com

Essen
Störtebeker, Restaurant direkt in der Elbphilharmonie. störtebeker-eph.com
Henssler & Henssler Restaurant und Sushibar am Hafen. hensslerhenssler.de

Angebot
Die MS6 Reisegesellschaft bietet  viele Packages (Flug oder Bahnfahrt/Hotel/ Konzert) für Hamburg   (1.100–2.000 €/ P./DZ) an. Das Programm: 26.9. „Die Nase“ in der Staatsoper.  Am 27.9. Elina Garanča und am 28. 9. Angela Gheorghiu und Piotr Beczala mit  Wiener Kammerorchester im Großen Saal der Elbphilharmonie.Tel. 0463 57 92 0,  reisegesellschaft.at

Auskunft
hamburg-tourismus.de, elbphilharmonie.de

H wie Hafen

Die Menschen

Im vergangenen Jahr brachten 220 Kreuzfahrtschiffe 915.000 Passagiere in die Hansestadt. Die zahlreichen Werften und Logistikfirmen sichern im Hafen insgesamt 156.000 Arbeitsplätze.  

Die Lage

Der Hamburger Hafen  liegt etwa hundert Kilometer von der Mündung der Elbe  in die Nordsee entfernt. Dennoch gilt er als Seehafen, da er von Schiffen mit  einem Tiefgang bis zu fünfzehn  Metern angelaufen werden kann.

Die Gründung

Als Gründungsdatum gilt  aufgrund eines kaiserlichen Freibriefes der 7. Mai 1189. Dieser Tag wird   jedes Jahr mit einem mehrtägigen Fest, dem Hafengeburtstag, gefeiert.