© Tourismus Kostanjevica na Krki

Reise
07/30/2019

Warum man die Heimat von Melania Trump jetzt besuchen sollte

Vier Autostunden südlich von Wien liegt die slowenische Posavje-Region – noch ist sie relativ unbekannt, aber vielfältig.

Auf dem Rasen vor dem Anwesen modern Holzskulpturen malerisch vor sich hin. Eine Lindenreihe führt auf das Portal zu, über dem Rundbogen wacht eine barocke Madonna, daneben zwei ovale Renaissancetürme. Der Besucher spürt: Die Klosteranlage Kostanjevica na Krki im Südosten Sloweniens hat nichts mit Askese zu tun. Es ist ein Ort des Genusses, des Kunst-Genusses. Kristina Simončič begrüßt uns am Tor: „Willkommen in Kostanjevica. Hier seht ihr Arbeiten aus dem Biennale-Projekt Forma Viva.“ Die junge Frau zeigt auf überdimensionale, leicht verwitterte „Brotwecken“ und andere Figuren aus Eichenholz. „Es ist lebende Kunst: Nach dem Bildhauer dürfen nun auch Naturgewalten und Verwitterung Hand anlegen“, sagt sie schmunzelnd.

Während Kristina erzählt, betreten wir die herrschaftliche Burg und stehen – welch’ Überraschung – im größten Arkadenhof Mitteleuropas. Links schließt die gotische Klosterkirche Maria Verkündung an. „Aber Mönche gibt es hier seit Joseph II. (1786) keine mehr. Er ließ auch die Kirchenausstattung entfernen, jetzt regiert hier die Kunst.“

Und wie! Kostanjevica na Krki (einst zum Bistum Salzburg gehörig) beherbergt seit 1974 mit der Božidar Jakac-Galerie das zweitgrößte Kunstmuseum Sloweniens. Hier warten nicht weniger als neun permanente sowie zahlreiche wechselnde Ausstellungen mit barocken bis zeitgenössischen Meisterwerken. Ein unerwarteter Kunstschatz. Dennoch selbst in Slowenien weitgehend unbekannt, obwohl namhafte heimische Künstler der Gegenwart vertreten sind: die Brüder Tone und France Kralj oder Janez Boljka etwa. Man muss kein ausgemachter Kunstliebhaber sein, um sich stundenlang in den ausgezeichnet präsentierten Schauen inmitten historischer Substanz mit archaischer Atmosphäre zu verlieren. Kostanjevica na Krki nimmt seinen Besucher gefangen.

Unbekanntes, grünes Slowenien

Die Posavje-Region im Südosten unseres Nachbarstaates ist sanft-hügelig, unaufgeregt, sehr grün, lieblich, bukolisch. Und ziemlich unberührt. Die Kombination aus intakter Natur mit unzähligen Schlössern, Burgen und Klöstern (die teilweise im Dornröschenschlaf vor sich hin schlummern) macht ihren Reiz aus. Auf den Besucher warten Schlossmuseen, historische Parkanlagen, Barocksäle, die zu den schönsten Mitteleuropas zählen, Wehrburgen, die von den Grenzproblemen des Habsburgerreiches erzählen und verträumte Städtchen.

Abgesehen von den Thermentempeln in Olimia (terme-olimia.com) und Čatež (terme-catez.si) spielt der Tourismus noch keine bedeutende Rolle. Völlig zu Unrecht: Der Kozjanski-Regionalpark (UNESCO Biosphären-Schutzgebiet) präsentiert sich idyllisch als Wein- und Apfelland mit zahlreichen Streuobstwiesen. Apfelsaft und Wein fließen allerorts.

Ein Kleinod ist das nahe Städtchen gleichen Namens. Kostanjevica na Krki (dt. Landstraß an der Gurk) kann auf Superlative verweisen: Es ist die kleinste und älteste Stadt Sloweniens. Die einzige, die zur Gänze auf einer (winzigen) Flussinsel liegt. Rund um die historischen Mauern fließt das blitzsaubere Flüsschen Krka, Holzboote schaukeln, Trauerweiden hängen ab und im Sommer tummeln sich Badenixen am Wiesenstrand und im Wasser. Das verschlafene Nest war sogar für die brandschatzenden Türken zu unbedeutend, um angegriffen zu werden. Doch die EU zollt Kostanjevica na Krki mit dem EDEN-Award großen Respekt (European Destinations of Excellence).

Im Schloss Mokritz (nahe Zagreb und der Grenze nach Kroatien) wartet das gleichnamige Hotel und ein beeindruckender Golfplatz. Diese 18-Loch-Anlage im Schlosspark unter uralten Baumriesen zählt mit engen, verwinkelten Fairways zu einer der schwierigsten Europas. Auch im Schlosshotel Otoček lässt es sich fürstlich logieren. Im (noch aktiven) Kloster Olimja ist ein Besuch der Klosterapotheke mit einer Vielzahl gesunder Tees, Salben, Tinkturen und Bienenprodukten zu empfehlen. Im Schloss Brežice begeistern die Barockfresken in Kapelle und Rittersaal sowie das Posavski-Regionalmuseum. Burg Podsreda wiederum versucht mit Kulturprojekten (z.B. mittelalterliche Küche, Glaskunst, Sommerkonzerte und bald auch Zimmer) künftig mehr Gäste anzulocken.

Melanias süße Heimat

Die stolze Rajhenburg, zur Habsburgerzeit wichtige Grenzfestung, wurde 2011/12 mit EU-Hilfe vorbildlich rekonstruiert. Sie gilt als eine der bedeutendsten Burganlagen Sloweniens, die Renaissance-Struktur aus dem 12. Jahrhundert ist kaum verändert. 1881 kaufte ein französischer Trapistenorden das Schloss, die Mönche brachten Schokolade-Geheimrezepte mit. Kaiser Franz Josef liebte die süßen Köstlichkeiten derart, dass er ihnen das Gütesiegel „Chocolat Imperial“ verlieh. Schokolade gibt es heute noch zu verkosten.

Trotz aller Historie hat die Posavje-Region aber nicht den Anschluss an die Welt verloren. Dafür sorgt Melania Trump (vormals Knavs): In Sevnica, dem Geburtsort der First Lady der USA (natürlich gibt es auch hier ein schmuckes Schloss), kann man ihr zu Ehren naschen. Das Hotel Ajdovec serviert als Nachtisch die Melania-Torte. Die süße Kreation aus weißer Schokolade, verschiedenen Nüssen und einem geschwungenen Schokosegel mit einem Hauch Gold ist so elegant wie die First Lady. Kalorientechnisch allerdings die reinste Bombe.

R wie Regional

Äpfel

Kozjansko ist mit zahlreichen alten, autochthonen Apfel- und Birnensorten die Apfelregion Sloweniens, Streuobstwiesen bestimmen (neben Weingärten) die Landschaft. In Podsreda lädt ein Schaugarten mit 100 Apfel- und 60 Birnenarten sowie Öko-Baumschule ein. Hier steigt in der zweiten Oktober-Woche das große Apfelfestival mit Apfelmarkt und Kür des Apfelstrudel- meisters. kozjanski-park.si

Cviček

Die lokale Weinspezialität ist leicht, hellrot mit weniger als zehn Prozent Alkohol aus je zwei Sorten Rot (Blaufränkisch und Žametovka) und Weiß (Welschriesling und Kraljevina) gemacht. Der Name Cviček (sprich: Zwitschek) leitet sich angeblich von „zwicken“ ab, gegenwärtig wird der Wein weniger säurebetont ausgebaut als früher. Marschall Tito trank angeblich nur Cviček-Wein.

Bienen

Slowenien ist Bienenland und „Erfinder“ des Weltbienentages (21.5.), hier ist das Bienensterben noch kaum angekommen: Es gibt über 10.000 Imker (mit verpflichtender, ausführlicher Schulung), zahlreiche Bienenstöcke und -produkte und es summt und brummt allerorts.

Schlafen, Essen
Hotel Schloss Otocek: Relais & Chateaux Hotel auf einer Insel inmitten der Krka; 16 fürstliche Zimmer und Suiten; DZ/F ab 140 Euro (2 Pers.). grad-otocec.com  

Hotel Ajdovec: modernes 3*-Hotel im Melania Trump-Geburtsort Sevnica; sehr empfehlenswertes Restaurant „Ajda“ (Buchweizen). DZ/F ab 80 Euro (2 Pers.), hotel-ajdovec.com

Hotel-Restaurant Tri Lucke: modernes Hotel, gutes Restaurant in einem ehemaligen Landgut der Grafen von Attems inmitten der Weingärten, schöne Aussicht. DZ/F ab 99 Euro (2 Pers.), trilucke.si/de

Gasthaus Sempeter, Bistrica ob Sotli: urige Gostilna mit bodenständiger Küche zu günstigen Preisen, Haus-Spezialität Kapaun. sem5er.com/en

Auskünfte
slovenia.info, kozjanski-park.si, castlesofposavje.com