Die Statue des Augustus wacht über Capri

© Claudia Lepuch

Reise
08/08/2019

Capri, ein Sehnsuchtsort - nicht nur für Heidi und Tom

Capri verzaubert. Aber warum? Es liegt nicht nur an historischen Villen und einer mystischen Grotte. Aber schon auch.

Die Klatschblätter sind voll davon: Am vergangenen Samstag gab Topmodel und Moderatorin Heidi Klum ihrem Tom Kaulitz auf der italienischen Insel Capri das Ja-Wort. Doch die 10,4 Quadratkilometer große Insel im Golf von Neapel ist nicht nur für die High Society ein beliebter Treffpunkt. Malerische Ortschaften, traumhafte Ausblicke und die raue Natur begeistern jedes Jahr Urlaubsgäste aus aller Welt.

Wir zeigen, warum Capri so faszinierend ist und welche Orte unbedingt besucht werden sollten.

Prunkvillen und eine Grotte

Archäologische Funde belegen, dass die Insel seit der Altsteinzeit besiedelt ist. Die Römer entdeckten die Insel als Erholungsgebiet. Kaiser Tiberius verlegte im Jahre 26 n.Chr. sogar seinen Regierungssitz nach Capri. Angeblich, um ungestört seine Feste und Orgien feiern zu können. In den Jahren, die Tiberius auf Capri verbrachte, ließ er insgesamt zwölf Villen errichten. Die bekannteste davon ist die Villa Jovis auf der östlichen Spitze Capris. Die Ruinen der Villa kann man heute dort besichtigen.

Nach dem Untergang des römischen Reiches schwand die Bedeutung der Insel und sie war nur noch selten ein Schauplatz der Geschichtsschreibung. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Capri zunehmend zum Anziehungspunkt für Künstler und Schriftsteller. Diese verbreiteten die Schönheit der Insel in ihren Werken und weckten damit die Sehnsucht der europäischen Elite. Besonders die Grotta Azzurra, die blaue Grotte, sorgte nach ihrer Wiederentdeckung durch den deutschen Dichter August Kopisch für ein wahres Capri-Fieber. Wer es sich leisten konnte, besuchte die Insel. Oder baute sich einen luxuriösen Landsitz. Wie beispieslweise der schwedische Schriftsteller Axel Munthe. Dessen Villa San Michele in Anacapri gehört heute zu den Highlights eines Inselbesuches.

In den 1950er-Jahren wurde Capri schließlich zur Heimat des Jetsets. Unvergessliche Persönlichkeiten wie Oscar Wilde, Maria Callas oder Brigitte Bardot zählten zu den Stammgästen. Das sprach sich herum und machte Capri im deutschsprachigen Sprachraum zum Traumziel Nummer eins. Davon zeugen Erfindungen wie die Capri-Hose, der Ford-Capri und das Fruchtsaftgetränk Capri-Sonne.

Von der Marina Grande zur Villa San Michele

Jeder Besuch der Insel beginnt im Hafenörtchen Marina Grande. Dort kommt alles an: Fährschiffe ebenso an wie Ausflugsboote und Yachten. Vom Hafen führt ein Wanderweg direkt ins höhergelegene Anacapri. Der Aufstieg ist anstrengend. Besonders im Sommer und mit der zum Zenit strebenden Sonne im Nacken. Hunderte von Treppenstufen führen steil nach oben. Die Belohnung ist ein einmaliger Blick auf den Hafen und das Meer, die mit den gewonnenen Metern immer kleiner werden. Und das Gefühl, etwas getan zu haben, um diese Aussicht genießen zu dürfen.

Am Ende des Aufstieges wartet die Villa San Michele. Der Eintrittspreis für diesen über mehrere Etagen angelegten Komplex beträgt acht Euro. Im Inneren kann man die Wohnung des schwedischen Dichters Axel Munthe besichtigen. Dieser praktizierte auch als Arzt und war einer der Gründer des Roten Kreuzes. Ein Säulengang mit einem Dach aus grünen Blättern führt hinaus in den Park. Dem schönsten Teil der Villa. Die dichte schattenspendende Vegetation ist nach dem schweißtreibenden Aufstieg eine Wohltat. Der Park endet an den Felsvorsprüngen. Ein Blick über das Geländer verrät, dass es hier steil zum Meer hinab geht. Es bietet sich an, diesen Blick länger als nur für einen Augenblick zu genießen. Vorausgesetzt man ist schwindelfrei. Das Meer scheint von hier oben wirklich so blau wie auf all den Werbebildern im Reisebüro. Hin zur Küste verändert sich die Farbe in ein fast schon kitschiges türkis. Vor dieser Kulisse wartet die steinerne Sphinx. Der Legende nach muss man drei Finger auf ihre Flanken legen und die Augen schließen damit einem der größte Wunsch erfüllt wird.

Mit dem Sessellift auf den Monte Solaro

Von der Villa San Michele am Ortsrand ist es nur ein kurzer Weg bis ins Zentrum von Anacapri. Dort befindet sich die Piazza Vittoria. Von hier aus fährt ein Sessellift auf den höchsten Berg Capris, den Monte Solaro.  Der Preis für Hin- und Rückfahrt beträgt zwölf Euro und dauert etwa dreizehn Minuten. Auf dem Gipfel wartet ein Panoramarundblick. Der Ort ist so etwas wie die reale Verkörperung der Metapher "Das Dach der Welt". Es ist der Mittelpunkt hoch über all dem Blau weit unten. Ein Ort von dem man alles sieht. Zwar nur im Kleinen aber trotzdem klar. Vielleicht war es auch einmal der Sitz der Götter, die von hier oben aus über alles wachen konnten. Der Olymp quasi. 

Jetzt ist es ein Anziehungspunkt für Capribesucher auf ihrer Jagd nach dem perfekten Selfie. Besonders um die Felsformation der Faraglioni sammeln sich die Boote. Die insgesamt drei aus dem Meer herausragenden Felsklippen sind das bekannteste Wahrzeichen der Insel. Jeder der drei Felsen trägt einen eigenen Namen – Faraglione di terra, Faraglione di mezzo und Faraglione di fuori.

Auf dem Berggipfel gibt es auch eine Bar. Es ist mehr das Flair, als das Angebot, dass einem zum Einkehren bewegt. "Da lässt es sich aushalten" – denkt der Besucher mit einem Drink in der einen und dem, immer für einen Schnappschuss bereiten, Smartphone in der anderen Hand. Den gleichen Gedanken hatte wohl Kaiser Augustus, der seit 2000 Jahren in Form einer Statue über die Faraglioni ünd das Meer wacht. Allerdings ohne Drink und Smartphone.

Anacapri und Capri

Der Ort Anacapri selbst ist touristisch um einiges ruhiger als der Hauptort Capri. Dafür kommt er mit einer ganzen Menge dörflicher Romantik daher. Besonders idyllisch sind die engen Gassen der gepflasterten Altstadt, die sich zwischen den weißen Häusern hindurchschlängeln. Im Ortskern befinden sich viele kleine Läden und Lokale. Hier findet man immer ein schönes Leinenhemd, gemütliche Ledersandalen und ein farbenfroh bedrucktes Sommerkleid oder ein gemütliches Restaurant, wo man seinen Hunger mit einem original italienischen Pizza- oder Pastagericht stillen kann. Daneben warten viele Souvenirshops auf neugierige Urlauber.

Gute Busverbindungen vernetzen Anacapri mit dem Hauptort Capri. Seit den 1950er-Jahren ein beliebter Treffpunkt für gut betuchte Capritouristen. Hier reiht sich ein nobles Hotel an ein feines Restaurant, eine edle Boutique, an einen teuren Juwelier oder an ein wieder anderes nobles Hotel. Menschen wuseln in den Gassen umher. Sie alle scheinen zu einem Ort zu streben, der Piazza Umberto. Die Cafés rund um den Platz bieten die besten Möglichkeiten das Treiben bei einem Kaffee oder Aperitif Ruhe zu beobachten.

Grotta Azzurra

Eine kleine Schlange hat sich vor der Station der Standseilbahn gebildet. Mit dieser geht es zurück an die Marina Grande. Vom Hafen aus hat man die Möglichkeit, Bootsausflüge zu unternehmen. Beispielsweise zur berühmten Grotta Azzurra.

Dieser sagenumwobene Ort war für die Römer ein göttlicher Ort. Das Besondere an dieser Grotte ist ein einzigartiges Licht- und Farbenspiel. Durch ein unter Wasser gelegenes Felsentor gelangt das Sonnenlicht in die Höhle und färbt Wände und Decke blau. Das Zusammenspiel von Licht und dem sandigen Untergrund der Grotte manifestiert sich in einem einzigartigen Phänomen: Jeder Körper, der ins Wasser getaucht wird, scheint von einem silbernen Licht umschlossen. Da der Eingang zur Grotte nur etwas über einen Meter hoch ist, kann sie nur bei stiller See mit einem kleinen Boot besichtigt werden.