Busreisen nach Rom könnten erheblich teurer werden

Coliseum, Rome - Italy
Foto: fazon - Fotolia/Fotolia/Roland Nagy  

Der Deutscher Busverband läuft gegen die Pläne der Stadtregierung bereits Sturm.

Für Reisebusse könnte eine Fahrt nach Rom demnächst erheblich teurer werden. Ein Sprecher des für den Verkehr zuständigen Stadtpolitikers Stefano Esposito bestätigte am Montag Pläne, die Gebühr für die Fahrt ins historische Zentrum von 200 auf 1.000 Euro pro Tag zu erhöhen. Darüber solle die Stadtregierung diese oder nächste Woche abstimmen.

Angesichts des am 8. Dezember beginnenden außerordentlichen Heiligen Jahres solle diese Maßnahme das Zentrum vor Überlastung schützen. In der vorigen Woche hatte die deutsche Busbranche wegen dieser Pläne bereits Alarm geschlagen. Der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer (bdo), Wolfgang Steinbrück, hatte von einem "beispiellosen Skandal" gesprochen. Der Plan sei für die europäischen Busunternehmer nicht akzeptabel.

Esposito hatte seine Pläne zuvor schon in einem Zeitungsinterview vorgestellt. 2014 seien 90.000 Touristenbusse ins Zentrum gefahren, für das Heilige Jahr würden 170.000 erwartet. "Sie nur 200 Euro pro Tag bezahlen zu lassen, ist ein verrückter Anreiz", sagte er. Es solle dann für die Busse Parkplätze außerhalb der Altstadt geben.

Hip & cheap in Rom

Rom ist mehr als nur das schönste Freiluft-Museum der Welt. Zwar stolpert man wirklich alle paar Meter über eine ausgegrabene Säule von Kaiser Soundso, und die Stadt hat zu lange mit ausschließlich diesem Image gearbeitet, aber heute regiert Kaiser Partylaune die "ewige Stadt". Nehmen wir als Beispiel den sagenumwobene Fontana di Trevi (Trevi-Brunnen): ständig von münzenwerfenden Touristen umsäumt (das Werfen bringt Glück, sagt man) und ein Zeugnis des spätbarocken Stils, der einem in Rom überall begegnet. Für Junge ist der Brunnen vor allem Treffpunkt, für das erste Bier als Ausgangspunkt zur Party. Menschen leben in Rom nämlich zwischen den Sehenswürdigkeiten, die Altstadt ist mehr als ein Geschichtsbuch aus Stein. Vor allem die Piazza di Spagna (mit der Spanischen Treppe und Fontana della Barcaccia) gleicht am Abend einem Party-Sit-In. Ebenso der Platz vor dem Pantheon, fast 2000 Jahre alter Rundbau mit Loch in der enormen Kuppel. Nur das Kolosseum (Bild) liegt in einer relativ Bar-freien Zone. Besonders viele junge Ausgeher queren übrigens auch die Piazza Venezia (mit dem Vittorio-Emanuele-Monument am Fuße des Kapitolhügels. Ein Drittel der 200 römischen Buslinien, mit denen man am kostengünstigsten durch die Stadt kommt, kommen hier vorbei. Apropos Transport: Am besten kommt man zu Fuß durch die Stadt, dafür braucht man aber Zeit zum Verharren. Auch das Rad ist eine gute Variante, wenn der Verkehr auch chaotisch ist: Ähnlich den Wiener City Bikes bietet die italienische Hauptstadt an vielen Orten Leih-Räder, die erste halbe Stunde gratis, danach relativ günstig. Muss es schneller gehen, nimmt man eine der zwei U-Bahn-Linien (die dritte ist im Bau und zum Teil schon eröffnet). Besonders, wenn man an den Stadtrand will, doch dazu später mehr. Mit dem Rad kommt man gut zu den großen Parks Villa Doria Pamphili, dem Flohmarkt bei der Porta Portese (Via Portuense & Ippolito Nievo, Sonntag 6.30 - 14 Uhr) oder dem Botanischen Garten. Gleich in der Nähe - Piazzale Garibaldi - findet man übrigens einer der besten Aussichten über Rom. Oder man umfährt mit dem Rad das erst im 19. Jahrhundert wieder ausgegrabene Forum Romanum (Bild). An dem kommt man beim ersten Rom-Besuch aber ohnehin nicht vorbei. Ebenso wie am Bocca della verità an der Kirche Santa Maria in Cosmedin. Glaubt man einer Sage, werden Unwahrheiten hier hart bestraft: Wer als Lügner seine Hand in diesen Mund steckt, dem soll sie abgebissen werden. Was noch nie dokumentiert wurde. Pflichtprogramme sind zwar immer zu hinterfragen, aber Vatikan muss sein. Die Aussicht vom Petersdom (nach 510 Stufen bis zur Kuppel), der Petersplatz mit seinen 140 Heiligenstatuen auf den Kollonaden, und die Vatikanischen Museen, sind tatsächlich außergewöhnlich. Um in diesen Vatikanischen Museen die unfassbar lange Schlange zu vermeiden, kommt man am besten eine halbe Stunde vor Kassaschluss (16 Uhr). Man hat dann noch bis 18 Uhr Zeit für die Kunstwerke und die Sixitinische Kapelle.

  Der Vatikan liegt von der Altstadt aus gesehen auf der anderen Seite des Flusses Tiber - westlich davon. Dort liegt mit dem Stadtteil Trastevere auch eines der aufstrebenden Szene-Viertel Roms. Die Bar Freni e Frizioni ("Bremsen und Kuppeln") hat sich aus einer früheren KFZ-Werkstatt entwickelt und ist heute einer der Party-Hot Spots. Die Einrichtung ist unauffällig, aber Barkeepter und Gäste scheinen immer gut aufgelegt zu sein. (www.freniefrizioni.com, Via Del Politeama 4/6) Vor allem hat die Bar einen großen Platz vor der Türe und das ist in Rom ohnehin der "place to be": Vor Lokalen lernt man Menschen kennen, Einheimische sind oft neugierig Gästen gegenüber. Die Mit-dem-Glas-draußen-Stehen ist hier entwickelt wie nirgendwo. Das Viertel rund um die Bar bietet auch einige günstige Unterkünfte, wie Rom überhaupt tausende "Villas", Albergos und Hostels hat. Ein Zimmer um rund 70 Euro in Altstadtnähe sollte man immer finden. Tipp: Rom hat auch viele tolle Jugendherbergen! Etwas teurer, aber innen sehr stylisch (von außen nicht): Das Ripa Hotel in Trastevere. (Via degli orti di trastevere 3) Ebenfalls in Travestere ist die San Calisto Bar, kultiger Treff für Künstler und Studenten (günstig, viel Grappa Wein; Piazza San Calisto 3). Aber auch andere Altstadtrand-Viertel entwickeln sich: Ein schräger Insidertipp und Szenetreff unter Römern ist die Bar Radio Londra in Monte Testaccio - zwischen Sandsäcken wird manchmal Jazz und Blues, oft Techno und House, gelegentlich Faschingsfest geboten (www.radiolondradiscobar.com; Via di Monte Testaccio, 67). Auch der Club Bòeme in der Via Velletri ist extravagant, aber gediegener, fast schon etwas gelackt. Bleibt noch der Planet Alpheus: bunt gemischt, riesengroß, immer randvoll, mal Tango, mal House, Hip-Hop, Soul, Jazz, Metal, Dark-Gothic, ... Programm beachten! (www.planetliveclub.com; Via del Commercio, 38). Sehr angesagt sind auch Club und Sozialzentrum Brancaleone im Viertel Montesacro, mit kleinen Musikfestivals das ganze Jahr über  (www.brancaleone.it; Via Levanna 11) und gutem Essen. Apropos: Für Rom-Fortgeschrittene empfiehlt sich ein Ausflug zum Hafen von Fiumicino - ca. 30 Kilometer entfernt, wo sich auf der Viale Traiano großartige Fischrestaurants aneinander reihen. Mehr Adressen zum Schlemmen, subjektiv ausgewählt in einer Stadt, in der Genießen ohnehin der Hauptdarsteller ist: das kleine, reizende Lokal "Il Posto Accanto" in der Via del Boschetto 36a (ausgezeichnete hausgemachte Ravioli. Der Cappuccino im "Sant`Eustachio Il Caffè" hinter dem Pantheon (1,50  Euro im Stehen, 4 Euro am Tisch; Piazza di Sant`Eustachio, 82). Die "Gelateria dei Gracchi" mit jenem Eis, für das mittlerweile die ganze Welt nach Rom kommt (Via dei Gracchi, 272).

(APA / cka) Erstellt am
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