Reise
26.08.2017

Bilder aus der Alten Welt

Amerikaner, und wie sie uns Europäer sehen. Das legendäre US-Magazin „National Geographic“ fotografiert sich seit 125 Jahren durch die Alte Welt. Ein neuer Prachtband versammelt die besten Bilder.

Die Sporen von Siena

Es ist eines der härtesten Pferderennen der Welt: der Palio von Siena, quasi die Renaissance-Version von „The Fast and the Furious“. Als Fotograf Albert Moldvay Mitte der 1970er-Jahre in Italien auf der Pirsch war, schaute er auch bei dem traditionellen sportlichen Event in der Toskana vorbei. Man sieht, dass im Gegensatz zur aktuellen Formel 1 auch in der Kurve noch genügend Platz für Überholmanöver vorhanden war.

Gut ausgerüstet

Die ganz normale Ausrüstung eines National-Geographic-Fotografen in den 1970er-Jahren umfasste: 9 Kameras, 14 Linsen, 2 Lichtmesser, 500 Filmrollen ...

Legende von der "Green Lady"

Autodidakt, Outdoor-Fan und Pionierin der ersten Stunde: Als Kathleen Revis Anfang der 1950er-Jahre zu National Geographic stieß, war die Institution ein reiner Männerverein. Fotografen galten als menschenscheue Tüftler, die stundenlang im Fotolabor hocken. Vielleicht erhielt Miss Revis daher den Auftrag für ein Rendezvous mit einer echten Lady. Das Dunnottar Castle an Schottlands Ostküste wird der Legende nach von einem Geist heimgesucht, dem Geist der „Green Lady“. Very charming, isn’t it?

Küss die Hand

Über fünfzig Jahre lang fotografierte der 1915 in Dresden geborene Volkmar K. Wentzel für „ National Geographic“. Er selbst war mit einem Freund 1934 in die Vereinigten Staaten gekommen. Eines seiner Lieblingsfotos gelang ihm in einem Jazzklub in der Nachkriegszeit in Wien. Man spürt direkt die Erleichterung über das Ende der Besatzungszeit. Und die Kapelle im Hintergrund spielte ein verjazztes „Bésame mucho“, „Küss mich“.

Quasi wie Quasimodo

Fünf Jahre bevor „Der Glöckner von Notre Dame“ 1956 mit Gina Lollobrigida und Anthony Quinn in die Kinos kam, turnte Fotograf Justin Locke auf der Kathedrale umher. Was für eine Aussicht! Und erst diese Bildkomposition mit dem von Eugène Viollet-le-Duc im 19. Jahrhundert entworfenen Fantasiewesen links im Bild. Noch heute schaut das wie ganz großes Kino aus. Dafür machte sich der Ausflug auf die Chimären-Galerie in 46 Meter Höhe locker bezahlt.

Flatterhaftes Venedig

Bis Ende des Jahres will Venedig ein Buchungssystem für den Zugang zum Markusplatz einführen. Von solchen Zuständen war die Lagunenstadt weit entfernt, als sich John Scofield im Jahr 1960 für „ National Geographic“ hier umschaute. Wie man sieht, waren Touristen damals noch in der Minderzahl. Eher hat man den Eindruck, dass die Tauben über den Markusplatz vor dem Dogenpalast herrschen. Eigentlich wie heute. Beruhigend, dass in Zeiten des Wandels etwas gleich bleibt.

Standesgemäß

Die Dienstreisen durch good ol’ Europe legten die Mitarbeiter von „ National Geographic“ seinerzeit in einer stattlichen Plymouth-Limousine zurück.

Paris, mon amour

Mon dieu, der Eiffelturm hat schon was! Besonders, wenn man ihn vom Trocadéro-Garten aus betrachtet. Maynar Dowden Williams gelang diese Aufnahme vom Pariser Wahrzeichen im Jahr 1946. Eigentlich eine Sensation, denn heute wäre der gesamte Garten von Touristen bevölkert. So aber lässt sich mutmaßen, ob die Buben rechts auf dem Bild beim Posieren Anleihen bei den Statuen genommen haben.

Bildband " Europa National Geographic. In 125 Jahren um die Welt", Taschen Verlag, 336 Seiten, 49,99 Euro