Guide Dawa auf dem Weg zum Tigernest, Taktshang genannt.

© /Maria Gurmann

Bhutan
02/14/2016

Das außergewöhnlichste Land der Welt

Das Recht auf Glück steht in der Verfassung, Hunde sind heilig und haben Narrenfreiheit, es gibt keine Ampeln und Rauchen ist im ganzen Land verboten.

von Maria Gurmann

Jeder Reisebericht über das Königreich zwischen China, Tibet und Indien beginnt mit dem Landeanflug auf den in 2250 Metern gelegenen Flughafen. Es ist der schwierigste, aber auch der schönste der Welt. (Siehe Video am Ende der Reportage)

Bhutan, Chime Lhakhang Tempel, Dorf Lobensa…

Bhutan, Chime Lhakhang Tempel, Dorf Lobensa…

Bhutan, Bauernhaus…

Bhutan, Bauernhaus…

Bhutan, Phobijikha Valley, Kinder…

Bhutan, Bauernhaus…

Thimphu, Bhutan, Dordenma Buddha Point…

Bhutan…

Bhutan…

Bhutan…

Bhutan, Bauernhaus…

Bhutan…

Bhutan, Tigernest, Taktshang oder Tigernest-Kloste…

Bhutan…

Bhutan; Phobjikha Hotel Dewachen…

Bhutan, Doma, Betelnuss…

Bhutan, Kyichu Lhakhang Gempel, Paro, ältester Tem…

Bhutan, Kyichu Lhakhang Gempel, Paro, ältester Tem…

Bhutan, Chime Lhakhang Tempel, Dorf Lobensa…

Bhutan Tempel Cheri Monastary…

Bhutan, Bauernhaus…

Den Frankfurter, geschätzte 50+, interessieren das dramatische Himalajamassiv auf der einen Seite, die bunten holzgeschnitzten Fenster, durch die man bis zum glühenden Holzofen sieht, auf der anderen Seite oder die Piste, die wie ein kleines schwarzes Handtuch mitten in der Natur liegt, wenig.

Der leidenschaftliche Trekker und Kettenraucher erzählt lieber von den Zollbestimmungen des Nichtraucherlandes für Tabakwaren. 100 Prozent Steuer zahlt er für den Tabak, mit dem er sich vier Wochen lang auf seiner Wandertour Zigaretten drehen wird. Zum vierten Mal kommt er in sein liebstes Reiseland. Bei seinen bhutanischen Freunden wird er wohnen. Das heißt, er ist einer der wenigen, die ohne Guide und Fahrer Bhutan erkunden können.

Umwelt- und Naturschutz

Die restlichen 132.000 Touristen, die pro Jahr das Land mit der saubersten Luft bereisen, werden begleitet. Nicht, um Besucher abzuschrecken. "Im Gegenteil, sie sind alle willkommen. Der Tourismus ist nach dem Stromexport nach Indien die zweitgrößte Einnahmequelle", sagt Thinley Wangdi, Bhutans Tourismus-Marketingmanager. "Wir bauen unsere Infrastruktur aus, ohne die Natur zu zerstören." Umweltschutz liegt dem tief religiösen, buddhistischen Volk am Herzen. Die zum großen Teil unberührten Wälder Bhutans beherbergen viele geschützte Pflanzen- und Tier-Arten, wie Schneeleoparden, Panther oder Tiger.
"Unsere Berge sind heilig", erklärt Dawa, der Guide, seiner kleinen Reisegruppe. In Bhutan ziehen keine Karawanen, wie in Nepal, auf die jungfräulichen Himalajagipfel. Der Gangkhar Puensum (7570 m) ist der höchste Berg Bhutans und zugleich der höchste unbestiegene Berg der Welt.

Recht auf Glück

In dem Land, das so groß wie die Schweiz ist, aber nur 800.000 Einwohner hat, ist überhaupt alles anders als in anderen Ländern.

Bhutan ist das einzige Land, in dem das Recht auf Glück in der Verfassung festgeschrieben ist. Nicht das Bruttosozialprodukt wird gemessen, sondern das Bruttonationalglück. "Und, seid ihr wirklich so glücklich?", fragt der Wirtschaftsstudent den Fahrer Jambay, der die Reisenden in einem SUV chauffiert. "Ich bin happy", antwortet er und bindet sich mit dem Gürtel seinen Gho, die traditionelle Kleidung der Männer, die aussieht wie ein Bademantel mit weißen Manschetten, fester. "Wir messen Glück nicht an Materiellem. Unser Glück besteht aus psychischem Wohlbefinden, Zeitbudget, Gemeinschaftsaktivitäten, Kultur, Gesundheit und Bildung." Unter dem jungen, 35-jährigen König Jigme Khesar Namgyel Wangchuck wurde die Kommission, die nach der "Glücksformel" forscht, sogar in den Stand eines Superministeriums erhoben.
Spätestens nach einer Woche an der Seite von Dawa und Jambay nimmt der junge Student aus Wien den beiden nicht nur ihr Glücksgefühl ab, sondern lässt sich davon anstecken. "Ihre Gelassenheit und Zufriedenheit, ihr Sinn für die Schönheit der Natur hat sich auf mich übertragen. " Er genießt jede Minute dieser Reise. Handy und Internet sind vergessen.

Verkehrte Welt

Der Blick von 3000 Metern auf die 7000er des Himalajagebirges, ein Spaziergang über Wiesen, durch Wälder zu dem Chagri Dorieden Kloster, das Picknick an einem glasklaren Fluss voll mit Forellen, die keiner fischt, weil in Bhutan keine Tiere geschlachtet werden, und die vielen, so liebenswerten Traditionen lassen den Studenten Snapchats, Whatsapps und den TV-Serienwahnsinn vergessen.

Meditativ sitzt er mit Dawa und Jambay umringt von Wäldern in einer Lichtung, stellt Fragen, hört zu. Blinzelt in den blitzblauen Himmel und auf die steilen Felswände, in die 1692 ein Kloster gebaut wurde – das Tigernest. "Die zweistündige Wanderung mit Jambay, der voll Vorfreude, fast in Trance, Gebete summt, ist schon ein Erlebnis – auf der Terrasse des Klosters zu stehen ist dann magisch. Für mich sicher das Beeindruckendste dieser ungewöhnlichen Reise."

Reisetagebuch

Ungewöhnliches, das er in seinem Reisetagebuch festhält:

Ein Spaziergang durch das Dorf Lobesa zum Chimi Lhakahng Kloster, an allen Hauswänden, -eingängen und Dächern bunte, fantasievolle Phallusdarstellungen, ein Penis als Hinweispfeil zur Toilette. Im Kloster Phallusskulpturen und der Oberlama, der mit einem Holzpenis Frauen mit Kinderwunsch segnet. Vielleicht ist auch die junge Königin hierher gepilgert, die gerade den lang ersehnten Thronfolger zur Welt brachte.

Polygamie und Polygandrie sind hier normal. Jigme Singye Wangchuck, der Vater des jetzigen Königs, der auch das Bruttonationalglück in den 1970ern einführte, ist mit vier Schwestern verheiratet. Frauen heiraten oft auch einen Mann und seine Brüder. Der junge König, den wir durch Thimphu radeln sehen, begnügt sich mit einer, seiner bildschönen Frau.

Hunde in Bhutan haben es gut. Sie gelten als heilig, streunen in Tempeln, auf Märkten, um Häuser, sind gutmütig, werden gefüttert, das Volk freut sich über das nächtliche Gejaule, die Touristen gewöhnen sich bald daran. Es könnte ja sein, dass der eine oder andere als Hund wiedergeboren wird. Ein Mal im Jahr werden sie eingefangen, kastriert und sterilisiert und wieder freigelassen.

Die Bhutaner schlachten keine Tiere, essen aber Fleisch, das aus Indien importiert wird.

Bhutan ist ein Land ohne Ampeln, nur an einer Kreuzung in Thimphu regelt ein Polizist mit Handzeichen den Verkehr.

Egal, ob Klosterfestung, Tankstelle, Hotel oder Bauernhaus, alles muss laut königlichem Erlass im traditionellen Stil gebaut werden.

Ein Besuch im Phobjikha Valley bei Ab Sari, ein bhutanischer Bauer, wie er im Buche steht. Seine Zähne von der Volksdroge Doma, der Betelnuss, rot gefärbt. Er serviert Ema Datsi, einen scharfen Eintopf aus Chili und Yak-Käse, Buttertee und Ara, den Reisschnaps. Das beste Essen der ganzen Reise, auf dem Boden serviert, mit Händen gegessen. Zum Abschied gibt’s einen Bogenschießwettbewerb, der Nationalsport in Bhutan.

Noch einmal steigt das Glücksgefühl, gewonnen auf einer außergewöhnlichen Reise, beim Abflug aus Paro mit dem Blick auf das Naturparadies. Wie lange wird dieser emotionale Höhenflug wohl anhalten?

Info

Anreise Von Wien über Istanbul nach Kathmandu mit Turkish Airlines. Nach Paro fliegen nur Drukair oder Bhutan Airlines, die bhutanischen Fluglinien. www.turkishairlines.com, www.bhutanairlines.bt, www.drukair.com.bt

Klima Sep., Okt. ist Hochsaison, das Königreich ist in satte Goldtöne getaucht. Nov. bis Feb. ist es kälter, die Sicht auf die Himalaja-Berge aber prachtvoll. März bis Mai, traumhaftes Blütenmeer von Rhododendren, Azaleen, Edelweiß und Wildblumen. Juni bis Aug. warm, aber es regnet oft.

Währung 1 € = 75 BTN Bhutan-Ngultrum, Cappuccino 2 €, Cola 1,50 €

Visum/Einreise Das Visum kostet 40 USD. Theoretisch braucht man für Reisen nach Bhutan kaum extra Geld mitzunehmen, nur für Souvenirs, Trinkgeld und Getränke. Im Preis von 200 bis 250 USD pro Tag/Person (je nach Saison) sind Unterkunft, Vollpension, Auto, Fahrer und Guide inkludiert. Besucher müssen ihre Reise über eines der registrierten Reiseunternehmen Bhutans buchen.

Pauschalangebot 13 Tage Bhutan und Nepal um 3695 € p. P. im DZ., 27.09.–09.10.2016, 04.10.–16.10.2016, 08.11.–20.11.2016
Inklusive: Linienflug mit Qatar Airways WienDohaKathmanduDohaWien, sämtliche Taxen und Gebühren, Flüge Kathmandu–Paro–Kathmandu, 3 Nächte im Hotel Shangri La in Kathmandu und 7 Nächte in Mittelklassehotels in Bhutan, 10 x Frühstück, 3 x Mittagessen und 10 x Abendessen, alle Transfers, Ausflüge und Besichtigungen inkl. Eintritte, lokale deutschsprachige Reiseleitung, Bhutan Visum, Reisehandbuch, Mindestteilnehmer: 15 Personen
Info & Buchung Raiffeisen Reisen, Tel. 01 / 31 75-82, buze@raiffeisen-reisen.at

Auskunft www.tourism.gov.bt

Das Video zur KURIER-Reise: Im Königreiche Bhutan

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