Reise
27.12.2017

Auf Entdeckungsreise zu einem Surf-Pionier in Kolumbien

Der Grazer Matthias Lamprecht eröffnete vor sieben Jahren am Strand von Palomino die Finca Escondida. Jetzt blüht die Gegend auf.

Die milchige Mischung aus Mückenschutz und Sonnencreme hat sich längst aus den Hautporen verabschiedet und tropft im Schrittrhythmus zu Boden.

"Wie lange noch?", fragt ein Tourist aus Europa. "Zehn Minuten – wir sind gleich da", antwortet Jesus, unser Wegbegleiter. Der schmale Weg durch den Wald liegt zum Glück voll im Schatten. "So, jetzt hier runter zum Fluss." Eine Lichtung gibt den Blick frei auf die Urwälder an den Hängen der Sierra Nevada de Santa Marta. 60 Meter hohe Bäume ragen aus den Baumkronen empor. Die Kulisse erinnert an Einstellungen von Indiana Jones. Trotz der 30 Grad im Schatten und der Luftfeuchtigkeit kommt in Anbetracht der atemberaubenden Natur Gänsehaut auf.

Tatsächlich ist endlich klares Wasser zu sehen. Das Ufer des Rio Palomino ist erreicht. "Keine Angst", beruhigt Jesus. "Es gibt hier weder Krokodile noch andere gefährliche Tiere." Also werden die mitgebrachten Reifenschläuche ins Wasser gelegt und los geht’s. Der Fluss ist maximal 1,40 Meter tief und hat keine Stromschnellen. Auch Nichtschwimmer können die eineinhalb Stunden bis zur Mündung ins Meer genießen.

Palomino ist noch ein Geheimtipp an der Karibik-Küste von Kolumbien. Hinter dem vier Kilometer langen Sandstrand reiht sich aber bereits ein Hostal an das nächste.

Die Anfänge

Ein Pionier im 2100-Einwohner-Dorf ist Matthias Lamprecht. Der 47-jährige Steirer kaufte vor sieben Jahren einen Grund am Strand und eröffnete die Finca Escondida. "Ich war einer der ersten, der hier Tourismus angeboten hat", erinnert sich der Surf-Enthusiast an die Anfänge. Und natürlich war er der erste, der auf den Wellen vor Palomino gesurft ist. "Es haben alle davor gewarnt in das Wasser zu gehen. Aber das ist auch verständlich. Wegen der Wellen konnten die Leute hier nicht schwimmen lernen. Aber eigentlich ist das ein ganz normaler Surfstrand", sagt Lamprecht.

Vor allem im Juli und August sorgen die Wellen für Freude bei der mittlerweile kleinen und feinen Surfszene an der Küste.

Vor sieben Jahren war es noch sehr mutig, in diesen Teil Kolumbiens zu kommen. "Einen Freund, der uns beim Aufbau der Finca geholfen hat, haben wir mit bewaffnetem Schutz vom Flughafen in Santa Marta holen müssen." Die Hänge an der Sierra Nevada und das feuchte Klima an dem mit 5775 Meter höchsten Berg Kolumbiens bieten perfekte Bedingungen für den Anbau von Koka und Marihuana. Guerillas und Paramilitärs drangsalierten die Bevölkerung mit der Verarbeitung und dem Vertrieb. Lamprecht erinnert sich: "Vor ein paar Jahren wurde im Dorf verlautbart, dass am Abend der Strom abgeschaltet wird und strikte Ausgangssperre herrscht. Es war klar, da gehst du wirklich nicht hinaus." Dann rollten die voll beladenen LKW zu den versteckten Häfen.

Als hätte es diese Zeiten nie gegeben erlebt man den Landstrich in diesen Tagen. Die linke Guerilla-Truppe Farc hat die Waffen niedergelegt, Paramilitärs sind bei einer Urlaubsreise nicht zu entdecken. Im Gegenteil. Das Militär ist sehr präsent und sorgt in der Bevölkerung für ein höheres Sicherheitsgefühl.

Die Gegenwart

Die Finca Escondida läuft mittlerweile wie am Schnürchen. Die einheimischen Angestellten sind dem Österreicher dankbar für die Chance, im Tourismus zu arbeiten. Lamprecht ist kein gewöhnlicher Chef. So ließ er auf dem Grund der Finca einen eigenen Fußball-Platz errichten, auf dem sich Bewohner des Dorfes austoben können. "Wenn du als Fremder wohin kommst, ist es wichtig, dass dich die Leute respektieren", begründet er.

Diese Erfahrung hat er schon davor gemacht. 1997 gründete er mit seinem Bruder Philipp das Chill&Surf-Camp in Frankreich, dann übersiedelten sie nach Portugal. 2004 zog es Matthias Lamprecht weiter nach Rio de Janeiro, wo er in der Favela Leme das Chill&Surf-Hostel eröffnete. Arbeiten am Haus ließ er grundsätzlich von Leuten aus der Favela machen, gleich zu Beginn kaufte er 200 Liter Milch für die Kinder im Viertel.

"Irgendwann habe ich dort eine Kolumbianerin kennengelernt, die mir vom Strand in Palomino vorgeschwärmt hat. Also habe ich mir das angesehen. Es war jedes ihrer Worte wahr." Innerhalb einer Woche hatte er den Grund am Strand gekauft.

Neben der Finca Escondida betreibt Matthias Lamprecht seit heuer auch das Casa Chapolin. Ursprünglich wollten er und seine Freundin Chantal nur ein Privathaus bauen. Doch dann haben sie es um vier Gästezimmer erweitert. Im Chapolin herrscht noch mehr Surf-Camp-Atmosphäre. Im offenen Gemeinschaftsraum gibt es All-you-can-eat-Breakfast und Matthias kocht am Abend selbst.

Und natürlich wird über die Wellen des Tages geplaudert.

Die besten Ziele am 5775 Meter hohen Berg

Palomino liegt circa 300 Kilometer östlich von Cartagena und 90 Kilometer östlich von Santa Marta, der mit 474.520 Einwohnern nächst größeren Stadt mit einem Flughafen. Die Taxifahrt dauert 1:40 Stunden, Busse fahren die Hauptstraße auf und ab.

Zwischen Santa Marta und Palomino liegt der Parque Tayrona, eines der größten touristischen Ziele in Kolumbien. Der Nationalpark umfasst eine Fläche von 15.000 Hektar. Die Einfahrt mit Autos ist nicht erlaubt. Wer die knapp zwei Stunden bis zum Meer nicht gehen will, kann sich von einem Pferd tragen lassen. Belohnt werden die Gäste mit karibischen Stränden und unberührter Natur.

Manchmal kommen den Touristen auch Kogis entgegen. Sie sind die Ureinwohner und durch ihre weißen Kleider bekannt. Ihre Umhängetaschen namens Mochila Arhuaca sind in ganz Kolumbien beliebt und eine wichtige Einnahmequelle des Stamms, der geschätzt 4000 bis 6000 Personen zählt. Wer Geld sparen möchte, sollte sich eine solche Tasche nicht am Kunstmarkt in einer Stadt, sondern in einem Laden in den Dörfern kaufen.

Neben dem Parque Tayrona und dem Tubing am Rio Palomino (siehe Haupttext) gibt es in der Nähe noch anderes zu erkunden. Lokale Veranstalter bieten zum Beispiel Touren zu indigenen Dörfern in der Sierra Nevada de Santa Marta an. Dort kommt man auch vorbei, wenn man sich für eine Zweitagestour zum beeindruckenden Wasserfall San Salvador hoch oben auf dem Berg entschieden hat. Die Kosten dafür belaufen sich auf knapp 50 Euro. Mitzubringen ist natürlich Moskitoschutz und Sonnencreme.

Ein Höhepunkt einer Kolumbien-Reise kann auch die Wanderung zur Ciudad Perdida werden. Es werden vier- bis sechstägige und sehr anstrengende Wandertouren zu den Ruinen der zwischen dem 11. und dem 16. Jahrhundert errichteten Stadt angeboten. Die ehemalige Stadt namens Teyuna liegt auf circa 1000 Metern Höhe an den Hängen der Sierra Nevada und ist nach Machu Picchu eine der größten präkolumbianischen Städte in Südamerika. Touren werden in Santa Marta bzw. in den Dörfern am Rande des Parque Tayrona angeboten.

Wer Gänsehaut ohne Anstrengung haben will, macht sehr früh am Strand von Palomino einen Spaziergang zur Flussmündung. Vor sieben Uhr in der Früh ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass keine Wolken am Berg hängen und somit die atemberaubende Sicht zum schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada frei ist . Der 5775 Meter hohe Pico Cristóbal Colón, wie der Gipfel heißt, liegt nur 40 Kilometer Luftlinie vom Strand entfernt.

Info

Anreise von Wien zum Beispiel mit der Lufthansa über Frankfurt nach Bogotá (ab 680 Euro im April). Der Langstreckenflug dauert circa zwölf Stunden. Inlandsflüge können günstig über das Internet gebucht werden.

Beste Reisezeit Das ganze Jahr über. Hochsaison ist in vielen Gebieten über Weihnachten/Neujahr sowie im Juli und im August. Achtung: Da es Millionen Auslandskolumbianer gibt, die im Sommer die Heimat besuchen, sind die Flüge schnell ausgebucht bzw. teuer. Bogotá bietet auf einer Höhe von 2640 Metern Temperaturen von zwölf bis 20 Grad. An den Küsten wird es sehr warm. An den Hängen der Sierra Nevada de Santa Marta kann es feucht und gewittrig werden. Hier herrscht im Juli und August das beste Wetter.

Währung/Preisniveau 1 Euro = 3528 kolumbianische Pesos (COP). Lebensmittel sind günstig, Elektronik ähnlich wie in Europa.

Sicherheit/Gesundheit In den letzten Jahren hat sich die Lage stark verbessert. Die Situation in den Großstädten ist vergleichbar mit anderen in Südamerika. Das Außenministerium führt eine Liste mit Gebieten, für die „hohes Sicherheitsrisiko“ gilt, wie das Department Chocó oder die Grenzregion zu Venezuela. Lange Busfahrten in der Nacht sollten gemieden werden. Das Institut für Tropenmedizin hilft bei der Frage der Impfungen. Wer den Parque Tayrona besuchen will, sollte gegen Gelbfieber geimpft sein. Extrem wichtig: guter Mückenschutz!

Essen und Trinken Mais ist die Basis für viele Speisen, Arepas – Laibchen aus Maismehl – sind Nationalspeise. Gerne gegessen werden Rind, Huhn, Reis und Fisch an den Küsten. Und natürlich die vielen Früchte, die das Land im Überfluss bietet. Empfehlenswert ist eine Reise in die Kaffeeregion z.B. bei der schönen Andenstadt Salento mit einem Besuch auf einer Kaffee-Finca.

Übernachten In vielen Orten kann günstig in Hostels genächtigt werden. Tipps in Palomino: www.fincaescondida.com. Es gibt Hängematten unter dem Gemeinschaftsdach (6 Euro) bis zu Drei- und Vierbettzimmer (ab 40 Euro), direkter Strandzugang. www.casachapolin.com: Im neuen Haus von Matthias Lamprecht gibt es zwei Minuten vom Strand entfernt vier Zimmer (ab 45 Euro), Camping-Möglichkeit und Frühstück.

Auskunft www.kolumbien.de,

www.bmeia.gv.at, tropeninstitut.at

Anreisevon Wien zum Beispiel mit der Lufthansa über Frankfurt nach Bogotá (ab 680 Euro im April). Der Langstreckenflug dauert circa zwölf Stunden. Inlandsflüge können günstig über das Internet gebucht werden. Beste ReisezeitDas ganze Jahr über. Hochsaison ist in vielen Gebieten über Weihnachten/Neujahr sowie im Juli und im August. Achtung: Da es Millionen Auslandskolumbianer gibt, die im Sommer die Heimat besuchen, sind die Flüge schnell ausgebucht bzw. teuer. Bogotá bietet auf einer Höhe von 2640 Metern Temperaturen von zwölf bis 20 Grad. An den Küsten wird es sehr warm. An den Hängen der Sierra Nevada de Santa Marta kann es feucht und gewittrig werden. Hier herrscht im Juli und August das beste Wetter. Währung/Preisniveau1 Euro = 3528 kolumbianische Pesos (COP). Lebensmittel sind günstig, Elektronik ähnlich wie in Europa. Sicherheit/Gesundheit In den letzten Jahren hat sich die Lage stark verbessert. Die Situation in den Großstädten ist vergleichbar mit anderen in Südamerika. Das Außenministerium führt eine Liste mit Gebieten, für die „hohes Sicherheitsrisiko“ gilt, wie das Department Chocó oder die Grenzregion zu Venezuela. Lange Busfahrten in der Nacht sollten gemieden werden. Das Institut für Tropenmedizin hilft bei der Frage der Impfungen. Wer den Parque Tayrona besuchen will, sollte gegen Gelbfieber geimpft sein. Extrem wichtig: guter Mückenschutz! Essen und Trinken Mais ist die Basis für viele Speisen, Arepas – Laibchen aus Maismehl – sind Nationalspeise. Gerne gegessen werden Rind, Huhn, Reis und Fisch an den Küsten. Und natürlich die vielen Früchte, die das Land im Überfluss bietet. Empfehlenswert ist eine Reise in die Kaffeeregion z.B. bei der schönen Andenstadt Salento mit einem Besuch auf einer Kaffee-Finca. ÜbernachtenIn vielen Orten kann günstig in Hostels genächtigt werden. Tipps in Palomino: www.fincaescondida.com. Es gibt Hängematten unter dem Gemeinschaftsdach (6 Euro) bis zu Drei- und Vierbettzimmer (ab 40 Euro), direkter Strandzugang. www.casachapolin.com: Im neuen Haus von Matthias Lamprecht gibt es zwei Minuten vom Strand entfernt vier Zimmer (ab 45 Euro), Camping-Möglichkeit und Frühstück. Auskunftwww.colombia.travel/de, www.bmeia.gv.at, tropeninstitut.at