Wal in der Antarktis

© Getty Images/oversnap/IStockphoto.com

Reise
04/08/2019

Antarktis Expedition: Menschenfeindlich und wunderschön

Ob die Fahrt durch den Errera Kanal, Wale oder „Una’s Peak“ – eine Expedition in die Antarktis ist ein unglaubliches Erlebnis.

Mit sanfter Stimme weckt uns kurz nach 6 Uhr früh die Kreuzfahrtdirektorin der MS Bremen, Nadine Armbrust: „Ich wünsche Ihnen einen guten Morgen. Ich weiß, es ist noch früh, aber uns besuchen gerade Backbord drei Buckelwale. Sie frühstücken und sind sehr aktiv.“

Schnell springen wir ins Gewand und raus an Deck. Die drei Wale lassen sich den rosafarbenen Krill schmecken. Sie umkreisen zu dritt den Schwarm, schnappen schnell zu, füllen ihren Maulsack und reißen den Kopf an die Wasseroberfläche, um das Wasser durch die Zähne zu drücken. Ein unglaubliches Schauspiel.

 

Normalerweise sind Wale undankbar zu beobachten. Man sieht eine Fontäne, wenn sie atmen, dann die Flosse und gelegentlich recken sie beim Abtauchen die Fluke aus dem Wasser. Wirklich sehen kann man die mächtigen Meeresbewohner selten. Aber beim Krill-Frühstück kennen die Buckelwale kein Halten.

Der Tourismus boomt

Das sind wohl die Erlebnisse, für die Menschen in die Antarktis fahren. 30.000 bis 35.000 Touristen kommen derzeit jährlich, um Wale, Robben, Pinguine und Albatrosse zu beobachten, um das ewige Eis und die vielen unterschiedlichen Weiß- und Blauschattierungen der Eisberge zu bewundern und die klarste Luft zu atmen, die es auf dem Erdball gibt. 40 Schiffe sind in der abgelaufenen Saison, die von November bis Ende Februar dauert, zeitgleich in der Antarktis unterwegs. In der nächsten werden es schon 50 sein. Tendenz steigend.

Wir haben uns für eine dreiwöchige Fahrt mit der MS Bremen von Hapag Lloyd entschieden, die rein deutschsprachig durchgeführt wird. Alle Experten, die Geologin, der Biologe und der Historiker halten ihre Vorträge auf deutsch. Und zu erzählen gibt es auf der Fahrt von Feuerland über die bananenförmige Insel Südgeorgien, die Orcadas über den offenen Südatlantik hinunter zur antarktischen Halbinsel genug.

Nach zwei Wochen überqueren wir den Südpolarkreis bei 66°33’44’’ südlicher Breite und setzen Fuß auf das antarktische Festland. Dabei erfasst wohl jeden Antarktisreisenden ein Gefühl der Demut und Erhabenheit gleichzeitig. Der siebente Kontinent ist unerbittlich mit Temperaturen bis zu minus 60 Grad Celsius im Winter. Im Sommer und in den Randregionen, in denen wir uns bewegen, hat es aber meist an die 0 Grad. Alles hier ist menschenfeindlich und zugleich wunderschön.

Downtown-Antarktis

Einer der Höhepunkte ist die Fahrt durch die Meeresenge im Norden der antarktischen Halbinsel, den Errera Kanal, der dann in der Paradise Bay endet, die wir mit dem Zodiac – einem für acht bis zehn Passagiere geeigneten Schlauchboot – befahren. Wir steuern eine kleine Eisscholle an, auf der eine Robbe liegt. Plötzlich taucht direkt neben unserem Zodiac ein Seeleopard auf. Circa vier Meter lang ist er mit seinem lang gestreckten Kopf und seinem spitzen Maul – neben Walen das größte Raubtier hier. Vermutlich hatte er es auf die Robbe abgesehen, wir stören. Er umkreist unser Schlauchboot, wir atmen tief durch und beobachten das grau-braun gefleckte Fell des schwimmenden Räubers. Es dauert fünf Minuten, dann taucht der Seeleopard gelangweilt ab. Keine geeignete Beute.

Von Paradise Bay, die von den wenig romantischen Walfängern zu recht so benannt wurde, steuern wir den sechs Kilometer langen Lemaire-Kanal an, der sich zwischen dem antarktischen Festland und der Booth-Insel befindet. Jetzt sind wir mitten in „Downtown-Antartica“ oder auch wegen der vielen Fotomotive „Kodak Gap“ genannten Region.

Eine Männerdomäne

An der schmalsten Stelle misst der Lemaire Kanal 720 Meter. Der Nordeingang wird von dem 747 Meter hohen Doppelgipfel des Kap Renard flankiert. Die beiden Felsspitzen heißen seit 2008 offiziell „Una’s Peak“ , in Erinnerung an Irene Una Spivey, die das Personal des British Antarctic Survey (BAS) auf den Falkland Inseln jahrzehntelang betreute. Sie war die organisatorische Seele so mancher Expedition und ist damit eine der ganz wenigen Frauen, die sich mit ihrem Namen in der Antarktisexploration eingetragen haben.

Allerdings hießen die beiden wunderschönen Gipfel mit den weißen Schneehauben unter Experten schon seit etwa 1955 „Una’s Tits“ (Unas Brüste). Nicht nur daraus lässt sich erkennen, dass die Erforschung der Antarktis lange Zeit eine reine Männerdomäne war. Expeditionen des 19. Jahrhunderts und bis Mitte des 20. Jahrhunderts waren zur Erkundung des Kontinents fest in männlicher Hand. Heute sind natürlich auf den verschiedenen Forschungsstationen zahlreiche Wissenschafterinnen tätig.

Info

Reisezeit Von Dez. bis Feb. ist es an der Küste relativ mild und trocken.

MS Bremen Das 4*-Schiff mit Eisklasse E4 verfügt über 6 Decks und bietet Platz für 155 Passagiere. Bordsprache ist Deutsch, zudem wird die Reise von einer Geologin einem Biologen und einem Historiker begleitet, die für Fragen zur Verfügung stehen und Vorträge halten. Die Bremen ist für Hapag Lloyd nur noch bis zur Saison 20/21 im Einsatz, danach folgen die modernen Hanseatic-Schiffe.

Angebote von Ushuaia nach Ushuaia, z. B. Große Expeditionsroute intensiv von 18.1. bis 9.2. 2021, 22 Tage inkl. An-/Abreisepaket ab 15.080 € (Kat. 1)  oder 22.510 € (Kat. 6 mit Balkon)
– Klassische Antarktis und Weddelmeer intensiv von 5. bis 21.1. 2021, 16 Tage inkl. An-/Abreisepaket ab 11.990 € (Kat. 1)  oder 17.390 € (Kat. 6 mit Balkon)

Buchung in guten Reisebüros oder auf www.hl-cruises.at

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.