Politik
07.04.2012

Wie Frank Stronach an einer Partei bastelt

Der Austro-Kandier Frank Stronach will das politische System in Österreich umkrempeln.

Noch ist er weit weg, genießt Ostern auf seiner Rinderfarm im sonnigen Florida. Doch in den nächsten Wochen wird Austro-Kanadier Frank Stronach in der Innenpolitik zunehmend präsent sein, will er doch nicht weniger, als das politische System Österreichs umkrempeln.

Die Pläne des Selfmade-Milliardärs sind recht weit gediehen. Dass er bei der nächsten Nationalratswahl (geplant 2013) mitmischt, das ist für den Austro-Kanadier praktisch fix, wie dem KURIER mehrfach bestätigt wurde. Die Frage ist nur: Wie und mit wem poliert der 79-Jährige das Polit-Parkett? Denn er selbst – auch das bestätigen alle Gesprächspartner – will sicher nicht in der ersten Reihe stehen.

BZÖ

Ein offenes Geheimnis ist, dass das BZÖ allergrößtes Interesse an einer Zusammenarbeit hat. Mandatar Peter Westenthaler – er kennt Stronach noch aus der Bundesliga-Zeit – soll bereits mehrfach versucht haben, eine Kooperation mit dem Magnaten einzufädeln. Für die Orangen geht es bei der Wahl um Sein oder Nicht-Sein – entsprechend gut könnte die Partei eine saftige Geldspritze gebrauchen.

Die Chancen eines orangen Antritts mit Stronach’scher Unterstützung sind zuletzt freilich stark gesunken. „Dem Frank ist klar geworden, dass mit einer Partei, die einen Westenthaler, Ewald Stadler oder Stefan Petzner in zentralen Funktionen hat, kein Staat zu machen ist“, sagt ein Vertrauter.

Die Konsequenz: Der Ex-Magna-Boss sucht andernorts Polit-Personal. „Er trifft sich mit vielen honorigen Leuten, um sich mit ihnen über seine Polit-Ideen zu unterhalten“, sagen Insider.

Vranitzky

Als einer dieser regelmäßigen Gesprächspartner gilt Ex-Bundeskanzler Franz Vranitzky. Auch mit Uni-Rektoren und -Professoren parliert der Austro-Kanadier. So traf er Heinz Mayer, Dekan der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien. Es sei nicht um Stronachs politischen Ambitionen gegangen, sondern um ein Institut für Demokratiereform und finanzielle Unterstützung für die Fakultät, sagt Mayer. „Die Gespräche wurden aber nicht weitergeführt.“ Im Klartext: Die Vorstellungen waren zu konträr.

Tatsächlich eilt Stronach der Ruf voraus, sich schwer zurücknehmen zu können. „Der Frank kann nicht loslassen. Racino, Austria: Bei all diesen Projekten wäre es besser gewesen, er hätte gesagt: ,Hier, das ist euer Budget, macht was draus‘“, sagt ein Vertrauter.

Stattdessen habe sich der Milliardär zu oft und zu sehr eingemischt. „Das hat sich herumgesprochen. Gerade bei jenen, mit denen er über die neue Partei spricht."

Herbert Paierl

Die Frage, ob Stronachs Ideen mit den eigenen Vorstellungen zusammenpassen, dürfte sich auch Herbert Paierl stellen. Der steirische Ex-VP-Wirtschaftslandesrat gilt als heißester Kandidat, wenn es um Stronachs Polit-Engagement geht. Offiziell sagt er dazu gar nichts. Dem Vernehmen nach irritiert aber auch ihn das Stronach’sche Gesetz „Wer das Gold hat, macht die Regeln“. Es sei fraglich, erzählt man sich in Graz, ob Paierl unter diesen Voraussetzungen ernsthaft über ein Engagement nachdenkt.

Im Gespräch ist auch Wiens einstiger Polizei-General Franz Schnabl, der bei Magna Europa mittlerweile zum Vice President Human Ressources & Communication aufgestiegen ist. Doch der deklarierte SPÖ-Mann winkt ab: „Das ist kein Thema.“

Einer, der sich „von Zeit zu Zeit“ mit Stronach trifft, weil er ihn seit den 80er-Jahren kennt, ist Claus Raidl. „Es ging aber nie um ein politisches Engagement meinerseits“, sagt Raidl.

Was will Stronach eigentlich? Womit will er bei Wählern punkten?

Antworten bietet das Frank Stronach Institut für sozialökonomische Gerechtigkeit. Die dort verwendeten Schlagworte sind Stronachs Polit-Agenda: Schulden abbauen; mehr Demokratie, weniger Parteipolitik; Steuern senken; Verwaltung reduzieren.

Insider orten ein Wählerpotenzial von 15 bis 25 Prozent. Die jüngste OGM-Umfrage für den KURIER ergibt, dass im Moment um die 18 Prozent für eine Stronach-Partei zu haben wären. Der Politfrust im Land ist groß. Oder wie Raidl sagt: „Es ist kennzeichnend für die Verfassung der österreichischen Parteien, dass solche Bewegungen für chancenreich erachtet werden.“

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