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Bundespräsidentschaft
05/09/2016

Van der Bellen weiß nichts von Freimaurer-Unterstützung

Der Bundespräsidentschaftskandidat war "passives Mitglied" der Innsbrucker Loge.

von Johanna Hager

Der freiheitliche Bundespräsidentschaftskandidat Norbert Hofer behauptete in der Puls4-Sendung „Wer wird Präsident? ­- Das Duell“, Kontrahent Alexander Van der Bellen werde von einer Berliner Freimaurer-Organisation unterstützt. Van der Bellen gab an, nichts davon zu wissen.

Fakt ist, dass der Ex-Grünen-Chef bis dato keinen Hehl daraus gemacht hat, in den 1970er Jahren in „die damals einzige Innsbrucker Loge aufgenommen“ worden zu sein. Auf meinparlament.at ließ er 2008 auf Nachfrage wissen, dass er ein Jahr lang „aktiv“ gewesen sei, danach als „rein passives Mitglied noch etwa 10 Jahre lang den Mitgliedsbeitrag bezahlt“ habe und schließlich auf seinen „expliziten Wunsch hin ausgeschieden“ sei.

Fakt ist auch, dass Hofer nicht der erste Freiheitliche ist, der die Freimaurerei zum Thema macht. Ewald Stadler, bis 1997 FPÖ-Politiker, äußerte stets lautstark seine Skepsis.

Laut einem Logen-Kenner könnte Hofer mit der Unterstützung aus Berlin die Universelle Freimaurerliga, kurz UFL, gemeint haben. Der UFL, die seit 1905 besteht, gehörten u.a. der Schriftsteller und Journalist Kurt Tucholsky sowie Politiker Friedensnobelpreisträger Henri Lafontaine an. Gelegentlich nimmt die UFL öffentlich zu Themen und Personen Stellung.

Gemäß der Homepage der Großloge von Österreich gibt es derzeit landesweit 74 Logen, 3500 Brüder (Mitglieder). Bekannte und sich bekennende österreichische Freimaurer waren u.a. Wiens Ex-Bürgermeister Helmut Zilk und Ex-Verkehrsminister Rudolf Streicher. Dass sich Freimaurer öffentlich als solche zu erkennen geben oder zu Wort melden ist indes mehr als selten, denn: Sie verpflichten sich den fünf Grundidealen – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz, Humanität ­– und der Verschwiegenheit. Diese soll insbesondere den freien Ideen- und Meinungsaustausch sicherstellen. Gleichzeitig nährt eben diese Verschwiegenheit das Image der Freimaurer und: Verschwörungstheorien. Von Geheimbünden, kriminellen Machenschaften und anderem ist oftmals die Rede. Die „Großloge von Österreich der Alten, Freien und Angenommenen Maurer“ weiß darum und gibt auf der Homepage selbst Antwort auf die Frage. "... Kein starker Glaube ist durch Argumente erschütterbar, mögen diese auch noch so stichhaltig sein. Und warum die Freimaurer? Weil sich in vordemokratischen Zeiten kirchlich und staatlich Mächtige und ihre Anhängerschaften von den freimaurerisch-humanitären Ideen und deren Internationalität bedroht fühlten. Und so schürten sie gegen die Freimaurer und andere eingebildete „Täter“ wie etwa die Juden, die Jesuiten oder gar die Illuminaten, obwohl dieser Bund vor mehr als zwei Jahrhunderten kaum zwanzig Jahre existierte. In den letzten Jahrzehnten änderte sich die Liste der „Verdächtigen“: Die amerikanische NASA, die Bilderberger und Andere, die es gibt oder nicht gibt, sind nun die bevorzugten Opfer aktueller Verschwörungstheorien. Die Freimaurer kommen weniger dran. Vielleicht weil eine besser informierte Öffentlichkeit das heutzutage kaum mehr ernst nehmen würde."