USA: Obdachloser nach Verhaftung tot

Die Polizei von Fullerton muss sich nun rechtfertigen
Foto: APA/FRISO GENTSCH

In Kalifornien wurde die Verhaftung von Kelly Thomas mitgefilmt, die nicht ohne Zwischenfälle ablief. Der Obdachlose starb daraufhin.

Der Obdachlose Kelly Thomas aus Fullerton, Kalifornien, ist an den Folgen schwerer Verletzungen nach fünf Tagen im Koma gestorben. Er war zuvor verhaftet worden, sechs Polizisten sind vorübergehend beurlaubt worden. Und es gibt Videos. Soweit zu den Fakten des Polizeiskandals, der zurzeit die US-amerikanische Öffentlichkeit beschäftigt.

Die Beamten waren nahe eines Busbahnhofs unterwegs, um Hinweisen auf Autoeinbrüche nachzugehen. Der an Schizophrenie leidende Obdachlose wurde als möglicher Täter verdächtigt. Passanten hatten die Festnahme des 37-Jährigen am 5. Juli auf Video festgehalten. Zudem zeichnete eine Überwachungskamera an einer Bushaltestelle den Vorfall auf. Auf den Videoaufnahmen sind die Schreie des Mannes zu hören, der verzweifelt nach seinem Vater ruft. Eine Frau spricht davon, dass die Beamten fünfmal mit einer Elektroschockpistole auf den Mann losgegangen seien.

Vater klagt an

Die amerikanische Bundespolizei untersucht nun den Tod des Mannes. Es mache einen "traurig", diese Bilder anzuschauen, sagte Susan Kang Schroeder von der Staatsanwaltschaft im Bezirk Orange County dem Sender CNN. Auf dem Video sei aber nicht der gesamte Vorfall zu sehen, so Schroeder. Der Fall werde gründlich untersucht. Ein Anwalt der sechs Polizisten nahm seine Mandanten am Mittwoch in Schutz. Der Verdächtige habe sich zur Wehr gesetzt, sagte Michael D. Schwartz der Los Angeles Times. Der Taser sei nicht "übermäßig" angewendet worden.

Zahlreiche Bewohner von Fullerton forderten bei einer Stadtverordnetenversammlung eine gründliche Untersuchung des Vorfalls. Ron Thomas, der Vater des Opfers, wirft den Polizisten vor, sie hätten seinen Sohn brutal zu Tode geprügelt.

Erinnerungen an 1992

Die Aufnahmen wecken Erinnerungen an das Video eines Amateurfilmers von der brutalen Festnahme des Afroamerikaners Rodney King im März 1991, der damals von Autobahnpolizisten nahe Los Angeles mit Schlagstöcken schwer misshandelt worden war. Nach dem Freispruch der vier Polizisten kam es im Frühjahr 1992 zu schweren Unruhen in Los Angeles, bei dem über 50 Menschen getötet wurden.

(APA/dpa / csm) Erstellt am
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