Politik
05.12.2011

Unis: "Die Regierung lässt uns allein"

Rektoren-Chef Hans Sünkel beklagt, dass die Politik den Ansturm deutscher Studenten ignoriert.

Hans Sünkel hat mit der Regierung ein Hühnchen zu rupfen. Wieder einmal. Der Chef der Universitätenkonferenz kritisiert, dass die Politik den zu erwartenden Ansturm deutscher Studierender auf die heimischen Hochschulen ignoriere - obwohl seit Langem bekannt ist, dass nach dem Aus für die Wehrpflicht und aufgrund des "doppelten" Maturajahrgangs in Bayern mit einem sprunghaften Anstieg zu rechnen ist.

"Die Regierung lässt die Universitäten mit diesem Problem alleine", sagt Sünkel zum KURIER. "Man sieht zu, wie wir überschwemmt werden von zusätzlichen Studenten. Und wir kriegen keinen Cent mehr."

Dem Rektoren-Chef geht es dabei nicht darum, Deutsche von den Unis fernzuhalten - mehr Studenten müssten aber auch mehr Geld bedeuten, sagt Sünkel.

"Jeder Student ist bei uns willkommen. Aber es kann nicht sein, dass ein so kleines Land wie Österreich die Ausbildungskosten für Studenten aus einem so großen Land wie Deutschland übernimmt." Daher müsse nun Geld aus dem Ausland fließen - "entweder aus einem EU-Topf oder direkt aus Deutschland". Dafür müsse sich die Regierung schleunigst stark machen. "Sinkende Qualität aufgrund von Überfüllung ist weder im Interesse der Studenten noch der Gesellschaft."

Schwäche

Eine Schelte gibt es von Sünkel auch für die neu eingeführte Voranmeldung (Anfänger und Wechsler müssen sich bis Ende August registrieren). Die sollte den Unis zu besserer Planbarkeit verhelfen. Tut sie aber nicht, sagt Sünkel: "Die jetzige Regelung lässt zu, dass sich Studenten an mehreren Unis für mehrere Studienrichtungen anmelden.

Es ist eine Schwäche des Gesetzgebers, dass man verabsäumt hat, das zu verhindern."

Schon gibt es etwa an der Uni Wien mehr Voranmeldungen, als es im letzten Jahr Anfänger gab. "Ob das ein echter Zustrom ist oder nicht, kann man aber nicht sagen. Die Wirksamkeit der Voranmeldung ist eingeschränkt."

Systemwechsel

Sünkel könnte sich ein vollkommen neues System vorstellen, in dem Studenten ihre Prioritäten angeben und je nach Verfügbarkeit einen Studienplatz zugewiesen bekommen: "Man könnte angeben, was und wo man am liebsten Studieren möchte - und welche Alternativen denkbar wären. Für die Unis wäre es jedenfalls kein Problem, sich für die Verteilung der Plätze zusammenzuschließen."

Vorerst würden sich die Unis wohl mit noch strengeren "K.o.-Prüfungen" während der ersten Semester helfen, meint Sünkel: "Was bleibt uns anderes übrig?"

Aufnahme: Kaum beschränkte Studien

Limit
Aufnahmeverfahren gibt es derzeit nur bei Medizin, Psychologie und Publizistik. Nachdem im Vorjahr die Publizistik-Aufnahmetests wieder eingeführt wurden, ging die Zahl der Interessenten an einigen Unis drastisch zurück - und die Tests waren obsolet.

Quote
Eine Ausländer-Quote gibt es derzeit nur bei Medizin-Studien. 75 Prozent der Studienplätze sind für Österreicher reserviert, 20 Prozent für EU-Studenten, fünf Prozent für andere. Die Beschränkung wurde wegen der großen Anzahl deutscher Studenten eingeführt.

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