Uni Wien steht "vor einer Katastrophe"

Überfülltes Audimax: Studentenzahl in manchen Fächern verdoppelt
Foto: KURIER/Boroviczeny

An der Uni Wien rechnet man zur Halbzeit der Voranmeldefrist mit einem Anstieg der Studien-Anfänger von knapp zehn Prozent.

Die Zeichen stehen auf Ansturm: Noch bis Ende August läuft die Frist für die Voranmeldung. Schon jetzt übersteigen die Anmeldungen an manchen Unis die Anfänger-Zahlen aus dem Vorjahr. An der Uni Wien gab es im Wintersemester 2010 rund 13.000 Anfänger. Am Freitag wurde nun die 20.000er-Marke an Voranmeldungen geknackt.

Wie viele davon tatsächlich kommen, lässt sich zwar noch nicht sagen, weil man sich an mehreren Unis anmelden kann. "Ich gehe aber von einem beträchtlichen Anstieg an Studenten aus", sagt Vizerektor Heinz Engl. Im Gegensatz zu Salzburg, wo sich bis dato mehr Deutsche als Österreicher anmeldeten, sind die Deutschen in Wien nicht der "entscheidende Faktor hinter dem Anstieg".

Warnzeichen

Ein Indikator ist das Publizistik-Studium, wo die Anmeldefrist aufgrund der Aufnahmeprüfung schon am Freitag endete. Im Vorjahr wurde der Test abgesagt, weil es weniger Bewerber als Plätze gab. Diesmal ist das Verhältnis deutlich umgekehrt.
Ein weiteres Beispiel sind die Wirtschaftswissenschaften: Hier dürfte sich die Zahl der Anfänger im Vergleich zum Vorjahr verdoppeln.

Engl warnt vor einer "Katastrophe", die der Uni Wien bevorstehe: "Wir haben finanzielle Kapazitäten für 60.000 Studenten, im Vorjahr hatten wir 88.000. Jetzt sind es bald 95.000. Wir brauchen deutlich mehr Geld - oder die Regierung muss endlich sagen, wie viele Studierende wir uns leisten wollen."

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) verweist auf sein Extra-Budget für den Herbst: "Wir investieren 40 Millionen Euro in Massenfächer und die sogenannten MINT-Fächter (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik). Damit können die Unis zum Beispiel zusätzliche Professoren einstellen."

Für Engl ist diese Finanzspritze ein schwacher Trost: "Das Geld können wir sinnigerweise erst für das Sommersemester bekommen - und es muss bis 2012 ausgegeben werden. Langfristig wirkt das nicht." Sollte es ab 2013 tatsächlich die angekündigten Budgetkürzungen geben, "verkraftet das System das absolut nicht mehr".

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(kurier) Erstellt am
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