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Politik
12/05/2011

Türkei bleibt auf Konfrontationskurs

Spannungen um Zypern: Ankara will eigene Forschungsschiffe entsenden, um Gas-Claims im Mittelmeer abzustecken - unter Marine-Schutz.

von Walter Friedl

Derzeit vergeht kein Tag, an dem die türkische Regierung unter Premier Erdogan nicht die Muskeln spielen lässt. Jüngster Streitfall: Die Öl- und vor allem Gasfelder vor der Küste Zyperns, die von den griechischen Zyprioten und Israel gemeinsam erschlossen werden sollen - am Wochenende trafen die ersten Bohrschiffe ein. Die Türkei forderte den sofortigen Stopp aller Aktivitäten und ging gleich zum "Gegenangriff" über.

In einer Kooperation mit den türkischen Zyprioten (deren Staat im Norden der geteilten Insel wird nur von Ankara anerkannt) will die Türkei selbst die Exploration der Offshore-Vorkommen vorantreiben. Erste Forschungsschiffe sollen demnächst in See stechen - unter Geleitschutz der türkischen Marine. Die hat laut Medienberichten bereits jetzt 17 Kriegsschiffe in der Region.

Damit hält Erdogan an seinem zuletzt eingeschlagenen Kurs fest, einem harten Konfrontationskurs: Der Streit mit Israel wegen der Aufbringung der Gazahilfsflotte im Vorjahr (neun Tote) eskalierte jüngst mit der Ausweisung des israelischen Botschafters aus der Türkei.

Position der Stärke

Und am Wochenende kündigte Ankara an, die Beziehungen zur EU auf Eis zu legen, wenn Zypern in der zweiten Jahreshälfte 2012 den EU-Vorsitz übernimmt und der Konflikt um die geteilte Mittelmeerinsel nicht beigelegt sein sollte.

Politisch agiert die Türkei aus einer Position der Stärke. Die Basis dafür ist der ungeheure Wirtschaftsboom und eine durch den Arabischen Frühling veränderte Architektur in Nordafrika und dem Nahen Osten, die Ankara eine gewichtigere Rolle zuweist.

Dementsprechend selbstbewusst treten türkische Politiker auf. Präsident Gül meinte auf dem Weg nach Deutschland, wo er derzeit einen Staatsbesuch absolviert, dass sein Land heute so einflussreich sei wie die ganze EU zusammen. Die Union sei schwach und verhalte sich wie ein Fahrradfahrer, der nicht mehr in die Pedale trete und daher sturzgefährdet sei. Deswegen brauche die EU die Türkei. Eine Rede Güls an der Berliner Humboldt-Universität musste Montagabend nach einer Bombendrohung kurzfristig abgesagt werden.

Ankara wendet sich auch massiv der arabischen und islamischen Welt zu - mit Ägypten etwa wolle man eine "Achse der Demokratie" bilden, sagte Außenminister Davutoglu in einem Interview mit der New York Times. Diese Achse richte sich aber nicht gegen andere Staaten.






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