Toulouse: Bruder des Täters angeklagt

This undated and unlocated frame grab provided Wednesday, March 21, 2012, by French TV station France 2 shows the suspect in the killing of 3 paratroopers, 3 children and a rabbi in recent days, Mohamed Merah. French police were preparing to storm an apar
Foto: rts Mohamed Merah (Archivbilder) war während seiner Taten allein, doch auch gegen seinen Bruder wird ermittelt

Ermittlungen gegen Abdelkader Merah dauern an - man glaubt, dass er wie sein Bruder zur Islamistenszene gehört.

Auf der Suche nach Helfern des mutmaßlichen Serienmörders von Toulouse konzentrieren sich die Ermittler auf dessen älteren Bruder. Abdelkader Merah bleibt in Haft, er wird wegen Beihilfe zum Mord und Verschwörung zur Vorbereitung von Terrorakten angeklagt. Am Samstag war er zusammen mit seiner Frau in eine Pariser Haftanstalt überstellt und dort verhört worden; seine Frau wurde unterdessen auf freien Fuß gesetzt.

Polizeikreisen zufolge sagte Abdelkader Merah in einer ersten Vernehmung, er sei "stolz" auf die Taten seines jüngeren Bruders -  drei französische Soldaten, drei jüdische Kinder und ein Rabbiner zum Opfer fielen. Abdelkader Merah habe eingeräumt, seinem Bruder beim Diebstahl des Motorrollers geholfen zu haben, der bei den Morden verwendet worden sei. Er habe jedoch angegeben, von den Tötungsabsichten nichts gewusst zu haben, hieß es. Die Ermittler gehen davon aus, dass auch Abdelkader zur Islamistenszene gehört. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat die Polizei Sprengstoff seinem Auto gefunden. Wie sein Bruder Mohamed war er im Visier der Sicherheitsbehörden. Abdelkader soll 2007 geholfen haben, islamistische Kämpfer in den Irak zu schmuggeln - in Pakistan erklärte indes eine Taliban-Gruppe, Mohamed Merah sei in einem Camp an der pakistanisch-afghanischen Grenze ausgebildet worden.

Keine Hinweise

Der Chef der Staatsschutzbehörde DCRI, Bernard Squarcini, sagte der Zeitung Le Monde, bisher gebe es jedoch keine Hinweise, wonach der Attentäter einer radikalen Islamistengruppe angehört habe. Der Islamist hatte angegeben, im Namen von Al-Kaida gehandelt zu haben. Die französischen Behörden versuchen herauszufinden, ob der Franzose algerischer Herkunft Unterstützer hatte oder alleine handelte. Mohamed Merah wurde am Donnerstag von einem Scharfschützen der Polizei getötet, als er nach mehr als 30-stündiger Belagerung seines Hauses schießend aus dem Fenster sprang.

Während der Verhandlungen mit der Polizei hat der Mann laut Medienberichten bedauert, nicht noch mehr Kinder getötet zu haben. Der 23-jährige Franzose algerischer Abstammung sagte auch, er habe "seine Opfer sehen" wollen, berichtete die Pariser Sonntagszeitung Le Journal du Dimanche. Die jüdische Schule sei ein Ausweichplan gewesen, hieß es in dem Bericht. Die ersten drei Opfer waren Soldaten gewesen und Mehrah plante ursprünglich, weitere Soldaten zu töten. Der islamistische Attentäter sagte zudem, er habe Videos seiner Bluttaten zum Hochladen ins Internet an seine muslimischen "Brüder" übergeben.

Beobachtungs-Liste

Als die Polizei Mohamed Merah in der Nacht auf Dienstag gestellt hatte, war sein älterer Bruder Abdelkader zusammen mit seiner Frau festgenommen worden. Sie sollten helfen, Mohamed zur Aufgabe zu bewegen. Der mutmaßliche Attentäter Merah stand an der Spitze einer DCRI-Liste von 20 Personen, die in Südwestfrankreich besonders intensiv beobachtet werden sollten. Offenbar verlor der Geheimdienst aber seine Spur. Dem 23-Jährigen gelang es, ein Waffenarsenal anzulegen. Sarkozys Geheimdienstberater Ange Mancini sagte im Fernsehen, das Geld dafür habe er sich anscheinend bei Raubüberfällen beschafft.

In Pakistan erklärte ein Taliban-Sprecher, Mohamed Merah sei bei der Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) in Nord-Waziristan trainiert worden. "Wir haben aber keine Informationen über die Anschläge in Frankreich; das hat nichts mit uns zu tun", sagte Ahmed Marwat, der sich als Sprecher einer Gruppe der TTP bezeichnete, der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Mutter der beiden Brüder Mohamed und Abdelkader gab unterdessen zu, mit Schuldgefühlen zu kämpfen. Zoulhika Aziri frage sich, ob sie die Taten ihres 23-jährigen Sohns hätte verhindern können, ließ ihr Anwalt am Samstag wissen. Seine Klientin sei wütend auf ihren Sohn und frage sich, warum er ihr dies angetan habe. Sie habe zudem Angst vor Racheakten und wolle deshalb im Moment nicht nach Hause zurückkehren. Aziri war am Freitagabend wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

 

Frankreichs Politiker nahmen unterdessen den Präsidentschaftswahlkampf wieder auf. Der sozialistische Kandidat Francois Hollande sprach von schweren Verfehlungen der Sicherheitsdienste. Merah stand nach Reisen nach Afghanistan und Pakistan unter Beobachtung. Innenminister Claude Gueant verteidigte das Vorgehen der Polizei. Frankreich sei noch niemals zuvor mit einem solchen Einzelattentäter konfrontiert worden. Es sei daher für die Sicherheitskräfte sehr schwierig gewesen, die Handlungen dieses "einsamen Wolfs" vorherzusagen, so Gueant.

Für Sonntagnachmittag haben verschiedene Organisationen zu einem Schweigemarsch in Paris aufgerufen. An der Demonstration unter dem Motto "Die Republik gegen Rassismus, Antisemitismus und Integralismus" will unter anderem auch die Sozialistische Partei teilnehmen.

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(apa, rts, dpa / ep) Erstellt am
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