Politik 13.12.2011

Terroristenlager in Österreich

Neue Ermittlungen erhärten den Verdacht, dass die Zwickauer Terrorzelle in Oberösterreich und Tirol insgesamt drei Depots hatte.

Drei mysteriöse Lager in Oberösterreich und Tirol, die vor zwei Jahren unter strengster Geheimhaltung gehoben wurden, sind jetzt die erste Spur der Zwickauer Terrorzelle nach Österreich. Damals wurden die brisanten Erddepots einem psychopathischen Einzelgänger zugeschrieben. Der könnte aber der Waffenlieferant jener Extremisten gewesen sein, die in Deutschland neun ausländische Händler und eine Polizistin ermordeten (siehe Bericht unten).  
Im Mai 2008 kontrollierten Polizisten in Bayreuth einen Obdachlosen mit auffälligen roten Handschuhen, der sich an einem Fahrrad zu schaffen machte. Der feuerte plötzlich mit einer Walther PPK-Pistole auf die Polizisten. Die feuerten zurück – trafen sechs Mal – dennoch konnte der Mann weglaufen und sich anschließend selbst erschießen.

Erddepots

Es handelte sich um den damals 53-jährigen gelernten Betonbauer Michael Krause aus Berlin. In Krauses Rucksack fanden sich 38 verschlüsselte Lagepläne zu Erddepots und Listen mit Handgranaten, Sprengstoff, Bomben, Zünder und Schusswaffen.  Ein Jahr lang benötigten die Behörden für das Knacken der Zahlencodes. Erst dann konnten die Lager gefunden und geöffnet werden. Verstecke gab es in Wäldern in Bayern, Sachsen, Thüringen und Brandenburg. Drei Lager fanden sich auch in Österreich.  Die  Spezialisten fanden in den Erdlagern ein Arsenal an Sprengkraft. Die Bomben waren mit höchster Präzision gefertigt, darunter   auch Zehn-Kilo-Bomben, mit denen man ganze Gebäude hätte zerstören können. Das warf natürlich Fragen auf. Woher hatte Krause die Ausbildung und die Ausrüstung für die Anfertigung der Höllenmaschinen? Hat sie jemand anderer angefertigt? Doch die Behörden fanden keinen Hinweis auf einen terroristischen Hintergrund. Krause war  wegen einer Persönlichkeitsstörung in psychiatrischer Behandlung gewesen. Aufgefallen war er nur wegen kleinerer Delikte. Der Fall Krause wurde zu den Akten gelegt.

Neue Erkenntnisse

Vor dem Hintergrund der Mordserie wird nun der Fall  wieder neu aufgerollt, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken bestätigt. Demnach gäbe es neue Erkenntnisse zu dem Personenkreis der Zwickauer Zelle. Im Klartext: Die Behörden vermuten, dass Krause der Sprengstoff- und Waffenlieferant der Nazi-Terroristen gewesen sein könnte. Beispielsweise ähnelt eine blau lackierte Bombe aus Krauses Depot frappierend der in einem Bekennervideo gezeigten Nagelbombe vom Kölner Anschlag 2004.

Für die österreichische Behörden ergab sich nach der Öffnung der Lager kein besonderer Handlungsbedarf. Denn hier wurden laut Aktenlage keine Waffen, Bomben oder NS-Devotionalien gefunden, sondern nur „Dinge des täglichen Bedarfes“. Das reicht von Zahnpasta bis zum Campingkocher. Diese wurden den deutschen Kollegen übergeben.  Dass hier vielleicht eine Terrorzelle Erdlager für ein mögliches Untertauchen angelegt hatte, war damals nicht erkennbar.

 

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

( Kurier ) Erstellt am 13.12.2011