Politik 05.12.2011

SPÖ lehnt Rat der Uni-Weisen ab

Der Bericht der internationalen Experten "liest sich wie von der ÖVP selbst geschrieben", sagt die rote Uni-Sprecherin Andrea Kuntzl.

Sechs Monate lang haben sich drei internationale Experten den österreichischen Unis gewidmet, um - wie berichtet - Ratschläge für deren gedeihliche Zukunft zu liefern. Die Reaktionen auf den Weisen-Rat sind höchst unterschiedlich: Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) will daraus bis Jahresende einen "österreichischen Hochschulplan" machen.

Die Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) sieht die Forderungen nach Studiengebühren und Zugangsregeln zwar kritisch, fordert aber, die Vorschläge der Fachleute zumindest ernsthaft zu diskutieren. "Reflexartiges Neinsagen bringt die österreichischen Universitäten und Fachhochschulen nicht weiter."

Ablehnung

Angesichts der Reaktion ihrer eigenen Partei klingt Burgstallers Appell Richtung Wien wie ein frommer Wunsch. Für die Bundes-SPÖ hätten sich die Experten die Arbeit ersparen können. "Die Empfehlungen lesen sich so, als hätte sie die ÖVP selbst geschrieben", sagt SPÖ-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl zum KURIER. "Es ist enttäuschend, dass keine neuen Vorschläge gekommen sind. Aber offenbar hat man sich Experten ausgesucht, die das sagen, was die ÖVP seit Jahren predigt."

"No-go" Gebühren

Voller Hörsaal: Regierung streitet über Zugangsbeschränkungen
© Bild: KURIER/Christandl

In der Tat unterstützt der Weisen-Rat die langjährige Forderung der Volkspartei nach Studiengebühren und Zugangsregelungen. Beides kommt für die Kanzlerpartei nicht infrage.
Studiengebühren seien weiterhin ein "absolutes No-go", sagt Kuntzl: "Wir wollen nicht zurück zum alten Prinzip ,Höhere Bildung für höhere Töchter und Söhne'." Auch von Töchterles Idee zu "dynamischen Gebühren"(Unis sollen die Höhe je nach Fach festlegen können) hält sie nichts: "Das ist eine besonders absurde Idee, weil es darauf hinausläuft, dass die beliebtesten Studienrichtungen die teuersten werden sollen."

Woher soll mehr Geld für die Unis kommen, wenn nicht aus Studiengebühren? Kuntzl: "Es gibt ein Bekenntnis der Finanzministerin, dass wir für Bildung und die Universitäten mehr Geld in die Hand nehmen müssen."

Vorstellen kann sich die SPÖ-Mandatarin auch, vom Ausland einen Beitrag für in Österreich ausgebildete Gast-Studenten zu verlangen. "Man müsste versuchen, das Problem der Numerus-clausus-Flüchtlinge auf europäischer Ebene zu lösen", sagt Kuntzl. "Ausgleichszahlungen wären begrüßenswert."

Keine Hürden

Zugangsbeschränkungen, wie sie Töchterle und die Experten fordern, werde es mit der SPÖ jedenfalls auch keine geben, sagt Kuntzl. Die heuer neu eingeführte Studieneingangsphase mit Pflicht-Prüfungen in den ersten ein bis zwei Semestern sei Hürde genug: "Uns ist wichtig, dass weiterhin jeder nach der Matura sein Wunschstudium beginnen kann. Eine K.o.-Prüfung zu Studienbeginn lehnen wir ab."

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011