Politik
05.12.2011

Spindeleggers Auszeit beim Papst

Benedikt XVI. empfing den innenpolitisch gebeutelten Außenminister und ÖVP-Chef in Privataudienz.

Wie zahlreich sind meine Bedränger ... Du, Herr, richtest mich auf." Die vatikanischen Verantwortlichen hätten bei der gestrigen Generalaudienz des Papstes auf dem Petersplatz keine bessere Bibelstelle (Psalm 3) für den extra angereisten ÖVP-Chef Michael Spindelegger aussuchen können. In der Heimat einem politischen Mehrfrontenkrieg ausgesetzt, nahm sich der Außenminister eine kurze Auszeit und suchte päpstlichen Beistand in Rom.

Am Vortag hatte sich Spindelegger ein wenig ratlos gezeigt angesichts der innenpolitischen Turbulenzen (Stichwort Telekom) . Vor Journalisten versprach er aber, "aufzuräumen". Er wolle dafür bloß den richtigen Zeitpunkt abwarten. Und es wird gemunkelt, dass er damit in Wien beginnen könnte. Die Ablöse der glücklosen Christine Marek steht im Raum.

"Saturno"

Zurück zum Petersplatz: Dort saß Spindelegger mit Frau Margit in der ersten Reihe der VIPs unter der prallen Sonne der Ewigen Stadt, als Benedikt XVI. mit seinem Papamobil (Kennzeichen SCV 1) unter lauten südamerikanischen Rhythmen einfuhr - ohne Glaskuppel, aber flankiert von einem Dutzend Leibwächtern. Sein persönlicher Sekretär Georg Gänswein setzte dem rüstig wirkenden 84-Jährigen den "Saturno" auf, den roten breitkrempigen Sonnenhut des Papstes.

Tausende Gläubige jubelten dem Kirchenoberhaupt zu, darunter drei Gruppen aus Österreich und argentinische Mitglieder des "Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem", dem auch der VP-Chef angehört. Nach Fünfviertel-Stunden in Backofenhitze endete die Generalaudienz mit einem "Vater Unser" auf Italienisch - der Text befand sich auf der Rückseite der Eintrittskarten.

Für Michael Spindelegger stand der eigentliche Höhepunkt des Tages aber noch bevor: Die Privataudienz mit dem Papst aus Bayern in der Aula von Papst Paul VI. (1963-1978). Ein halbes Jahr hatten Diplomaten daraufhin gearbeitet. Als Gastgeschenk brachte der Außenminister einen massiven Briefbeschwerer aus Swarovski-Kristall mit.

In dem zehnminütigen Gespräch habe der Pontifex Maximus auch die Situation der Kirche in Österreich angesprochen (Stichwort rebellierende Pfarrer, Anm.) . "Ich habe ihm meine Einschätzung mitgeteilt, möchte die aber nicht näher ausbreiten", sagte Minister Spindelegger, der am Nachmittag auch seinen Amtskollegen, den "Außenminister" des Vatikan, Erzbischof Dominique Mamberti, traf.

Christenverfolgung

In der Unterredung mit dem Papst sei auch der "Arabische Frühling" ein Thema gewesen. In diesem Kontext habe Benedikt XVI. seine Sorge über eine möglicherweise wachsende Radikalisierung geäußert. Den Einsatz Österreichs gegen Christenverfolgungen weltweit habe das Kirchenoberhaupt gelobt, betonte Spindelegger. Der Außenminister zeigte sich erstaunt, wie "gut der Heilige Vater informiert ist".

Persönlich wurde "Papa Ratzinger", als er Margit Spindelegger liebe Grüße an ihre zwei Kinder mit auf den Weg gab. Und auch bei der Begrüßung des KURIER-Redakteurs: "Und Sie werden der Welt also über alles berichten?"

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