Politik
10.04.2012

Smolensk-Tragödie spaltet Polen

Auch zwei Jahre nach dem tödlichen Absturz der Präsidentenmaschine blühen die Verschwörungstheorien.

Zeit heilt doch keine Wunden – zumindest wenn es um Kaczynski-Anhänger und das Unglück von Smolensk geht. "Mein Bruder ist wohl ermordet worden", sagte Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski im Vorfeld des zweiten Jahrestags des Flugzeugabsturzes bei Smolensk. Dort war am 10. April 2010 der damalige Präsident Lech Kaczynski mit seiner 95-köpfigen Entourage abgestürzt.

Die Polen erinnerten sich am Jahrestag der Toten mit vielen Messen und Feiern. Ein Teil der Angehörigen besuchte mit Kulturminister Bogdan Zdrojewski den Ort des Absturzes neben dem Smolensker Flughafen. Dort ist eine Mauer mit den Namen der Verunglückten geplant. Premier Donald Tusk gedachte der Toten auf dem Militärfriedhof in Warschau, wo ein großer Teil der Verunglückten begraben ist.

Jaroslaw Kaczynski und die Anhänger seiner Partei "Recht und Gerechtigkeit", darunter auch Angehörige der Opfer, versammelten sich schon am Morgen vor dem Warschauer Präsidentenpalast. Dort wurden die Namen der Opfer verlesen, wobei die Mitglieder der nationalkonservativen PiS zuerst drankamen. Die Kaczynski-Anhänger verlangen ein Monument direkt vor dem Amtssitz des verstorbenen Präsidenten. "Die Wahrheit lässt sich nicht töten", meinte dort fast drohend ein Kaplan, der ein Fürbitten-Gebet sprach.

Ein gemeinsames Trauern und Gedenken gibt es in Polen nicht. Das rechte Milieu will nicht mit den Mitgliedern der konservativ-liberalen Regierung feiern, da es ihnen vorwirft, nicht genug zur Aufklärung der Katastrophe getan zu haben. Das Ergebnis der russischen Untersuchungskommission, der Absturz sei durch den polnischen Piloten verschuldet worden, der trotz dichten Nebels landen wollte, sehen sie als Fälschung an. Die Stimmung der Verschwörungstheoretiker wurde angeheizt, als Grzegorz Szuladziński, promovierter Ingenieur und Mitglied des PiS-nahen parlamentarischen Untersuchungsausschusses in der letzten Woche von zwei Bomben an Bord der Tupolev sprach, die vor dem Aufprall des Flugzeugs explodiert sein sollen.

Doch auch auf Seiten der Regierung bleiben einige Fragen offen. So gibt die Kommission des Innenministeriums den russischen Lotsen eine Teilschuld, da sie zu spät die Order gegeben hatten, das Flugzeug wieder hochzuziehen.

Izabell Sariusz Skapska, Literaturwissenschaftlerin und Tochter eines der Verunglückten (sie wurde vor einem Jahr im KURIER porträtiert, Anm.) , warnte vor einem "politischen Krieg", der die Katastrophe instrumentalisiere.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund