Schulreform: Schmied macht Druck auf ÖVP

Kritik am Koalitionspartner ÖVP: "Was ist da eigentlich die Rolle des Wissenschaftsministers?"
Foto: KURIER/Christandl

Die Ministerin kritisiert die Lehrergewerkschaft, hält nichts von Schul-Uniformen und wirft ÖVP Versäumnisse bei Unis vor.

Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) sprach mit dem KURIER über Schulreformen und Probleme an den Unis.

KURIER: Frau Minister, das Schuljahr beginnt. Wie wird die Schule sein, wenn sie die jetzigen Anfänger verlassen?
Claudia Schmied: Mein Traum wird in Erfüllung gegangen sein: Wir haben in allen öffentlichen Schulen flächendeckend ein ganztägiges Angebot - mit bester Betreuung. Und in allen internationalen Studien werden wir im Ranking ganz vorne sein.

Träumen darf man ja. Wird es dann noch Gymnasien geben?
Wie die Institution heißt - "Gymnasium", "Neue Mittelschule" oder "Schule" -, ist egal. Bis zum Alter von 14 Jahren stehen dann Begabung, Interessen, Wertevermittlung im Vordergrund. Erst ab 15 fächert sich die Schule in Richtung handwerklicher Fertigkeiten, wissenschaftlicher Entwicklung oder Berufsbildung auf.

Reden wir vom jetzt: Es gibt 114 weitere "Neue Mittelschulen", in denen in den Hauptfächern zwei Lehrer unterrichten. Wie wollen Sie den Zusatzbedarf angesichts der vielen Lehrerpensionierungen abdecken?
Für dieses Schuljahr ist der Bedarf gedeckt. Und wir haben steigende Studierendenzahlen an den Pädagogischen Hochschulen. Wir müssen gleichzeitig aufs Tempo beim neuen Dienst- und Besoldungsrecht drücken.

Da bremsen Sie. Sie sagen, wegen des Gewerkschaftstages im November geht sich das Dienstrecht bis Jahresende nicht aus. Das BZÖ wirft Ihnen devote Haltung vor.
Devote Haltung gehört nicht zu meinen Charaktereigenschaften. Ich bin Reform-Ministerin - und hartnäckig. Beim Dienst- und Besoldungsrecht kommt es aber nicht auf die Einzelleistung der Ministerin an. Zum Abschluss gehören auch die Gewerkschafter. Ich habe den Eindruck, dass es einige nicht so eilig haben.

Die Gewerkschaft sagt, Sie hätten noch immer keine Zahlen auf den Tisch gelegt.
Es war immer allen Beteiligten klar, dass wir erst auf Basis gemeinsamer Modelle die dafür nötigen Geldsummen besprechen können.

Kommen wir zur Lehrerausbildung: Die gibt es an der Uni und an Pädagogischen Hochschulen. Wer sollte die Oberhoheit haben?
So wie wir für Ärzte medizinische Unis haben, brauchen wir für Lehrer eigene Institutionen. An einzelnen Standorten kann das die Pädagogische Hochschule sein, die sich zur Uni weiterentwickelt, an anderen kommt es zur Ausgliederung des Lehramtsstudiums aus der Uni und zur Fusion mit der Pädagogischen Hochschule. Das Lehramtsstudium soll kein Anhängsel sein.

Die Ganztagsbetreuung an Schulen wird ausgebaut. Die Grünen sagen, das sei bloß Aufbewahrung der Kinder.
Das ist es nicht. Wir haben schon vor drei Jahren ein Gütesiegel für die ganztägigen Schulformen entwickelt. Und die Qualität wird alle zwei Jahre überprüft.

Kärntens Landeshauptmann Dörfler ist für Schuluniformen. Sie auch?
Ich dachte, Jeans sind so was wie eine Uniform (lacht) . Ich kann dem Vorschlag nichts abgewinnen. Ich bin für Vielfalt.

Kommen wir zu den Unis: Bei der SPÖ hat man das Gefühl, dass sie die dortige Realität nicht wahrhaben will. Sie sagt Nein zu Gebühren, zu Zugangsbeschränkungen.

Die Unis bekommen den Entfall der Gebühren refundiert. Mit Gebühren werden die Finanzierungsprobleme daher nicht gelöst.

Wie würden Sie diese lösen?
Wir brauchen ein Gesamtkonzept, eine Ist-Aufnahme der Situation bei der Finanzierung der Forschung und der Lehre. Welche Kapazitäten sind bei einzelnen Studienrichtungen da? Wenn wir das Land der Wirtschaftswissenschaftler werden wollen - ich übertreibe -, dann müssen wir dafür gezielt Personal und Räume zur Verfügung stellen. Wollen wir das nicht, dann müssen sich die Studierenden für andere Fächer entscheiden, weil die Kapazität nicht da ist.

Also Beschränkungen.
Ich muss zuerst wissen, wie die Ausgangslage ist. Ich werde langsam ungeduldig. Schon im Jahr 2007 haben wir im Regierungspakt verankert, einen Hochschul-Plan zu erstellen. Wir müssen wissen: Wo werden welche Studienrichtungen angeboten? Wie viele Studierende gibt es in einzelnen Bereichen? Welche Mehrfachangebote haben wir an verschiedenen Standorten? Das können nicht 22 Einzeldarstellungen sein. Was ist da eigentlich die Rolle des Wissenschaftsministers?

Der ist von der ÖVP. Hat die versagt?
Faktum ist, dass wir seit 2007 den dritten ÖVP-Wissenschaftsminister haben. Der Hochschulplan ist bis heute nicht da.

(kurier) Erstellt am
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