Politik
19.01.2012

Schmied will 10.000 neue Lehrerposten

Für die geplanten Schulreformen braucht die Unterrichtsministerin mehr Personal. Die bis 2018 benötigten zehntausend Pädagogen sollen nicht pragmatisiert werden.

Die Bildung dominierte am Donnerstag das Geschehen im Parlament: Der Nationalrat beschloss die Einführung der Modularen Oberstufe. Für das Bildungsvolksbegehren, das im Herbst 380.000 Unterschriften erreicht hatte, wurde ein eigener Ausschuss eingesetzt. Die Anliegen des Bildungsvolksbegehrens, z. B. Reformen bei Dienstrecht und Ausbildung der Lehrer, stehen schon auf der Agenda der Regierung. Wichtige Schritte in der Bildungsreform sind noch offen – ein Überblick:

Mehr Lehrer durch Neue Mittelschule & Co.
Bis 2018 werden alle Hauptschulen zu „Neuen Mittelschulen“. Dort gibt es in Deutsch, Mathematik und einer lebenden Fremdsprache in einem Teil der Stunden zwei Lehrer. Laut Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) bringt allein die NMS-Reform 4000 zusätzliche Lehrer-Jobs. Insgesamt, bestätigt das Schmied-Büro dem KURIER, sollen bis 2018 10.000 neue Lehrer-Dienstposten entstehen – ein Plus von fast zehn Prozent (derzeit 120.000 Lehrer). „Ein großer Teil der neuen Arbeitsplätze ist durch die Verkleinerung der Klassenschülerzahl und andere Maßnahmen, wie etwa durch die Sprachförderung zu erwarten“, heißt es im Ministerium. Nachbesetzungen pensionierter Lehrer sind hier nicht mit eingerechnet. Die 10.000 neuen Lehrer sollen laut Schmied nicht pragmatisiert werden.

Neues Dienstrecht für die neu eintretenden Lehrer
Das neue Dienstrecht wird seit Jahren angekündigt – und verschoben. Aktueller Termin: Vor dem Sommer. Ist man im Plan? „Zu diesem Thema wurde Stillschweigen vereinbart“, heißt es im Schmied-Büro. Geplant ist, dass Junglehrer künftig mehr verdienen (und dafür nicht mehr arbeiten, aber mehr Stunden in der Klasse stehen) und die Gehaltskurve flacher wird. Das neue Dienstrecht soll flexibler werden; die Lehrer sollen z. B. dazu verpflichtet werden können, ihre gesamte Arbeitszeit in der Schule zu verbringen. Aus Regierungskreisen hört man, dass Schmied bei ihren Gesprächen mit Beamtengewerkschafter Fritz Neugebauer (ÖVP) nicht weiterkommt. Ein Insider zum KURIER: „Die Ministerin hat der ÖVP signalisiert: Wenn sie von der Volkspartei auf Regierungsebene nicht stärker unterstützt wird, gibt es vor dem Sommer kein Dienstrecht.“

Gemeinsame Ausbildung für alle Pädagogen
SPÖ und ÖVP haben sich schon darauf geeinigt, dass künftig alle Pädagogen eine gemeinsame Grundausbildung absolvieren sollen. Die „Lehrer-Bildung neu“ soll bis 2013 stehen. Die Umstellung auf das Bachelor-/Master-System soll es erleichtern, zwischen den Institutionen zu wechseln. Ein Volksschullehrer soll z. B. nur mehr einen Teil der Ausbildung nachholen müssen, um an eine AHS zu wechseln. Geplant sind stärkere Kooperationen zwischen Pädagogischen Hochschulen (sie bilden derzeit Pflicht- und Berufsschullehrer aus) und Universitäten (AHS-Lehrer). Strittig ist, wer die Federführung übernimmt: Schmied will die PHs (die zu ihrem Ressort gehören) aufwerten und im besten Fall zu „Pädagogischen Unis“ machen. Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) hingegen will, dass die Universitäten (die zu ihm ressortieren) bei der Lehrer-Ausbildung das Sagen haben. Derzeit erarbeiten die Unis ein koordiniertes Modell; dieses soll „als wesentlicher Baustein berücksichtigt werden soll“, heißt es aus Töchterles Büro.

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