Schlüsselfigur im Fall Kampusch

"Es genügt das geringste Wissen, dann ist man genauso dran." Der KURIER führte mit Ernst H., Freund des Entführers Wolfgang Priklopil, Telefonat-Interviews.


Eine Schlüsselfigur in den Ermittlungen rund um den Fall Kampusch war Ernst H., ein Freund des Entführers Wolfgang Priklopil, der am Tag der Flucht von Natascha Kampusch durch einen Zug getötet wurde. Ernst H. hat sich in Einvernahmen durch Ermittler mehrfach widersprochen. Die Staatsanwaltschaft jedoch hat H. niemals einvernommen oder der potenziellen Mittäterschaft angeklagt.

In langen Telefonaten, die er mit dem KURIER vor einigen Wochen geführt hat, zeigte sich Ernst H. trotzdem auffallend nervös. Er redete sehr viel, auch über eine mögliche Kronzeugenregelung.

KURIER: Die Evaluierungskommission, geleitet von ehemaligen Höchstrichtern, hatte Sie als möglichen Mittäter Priklopils unter Verdacht, zumal es laut Evaluierungskommission Ungereimtheiten rund um Ihre Person gegeben haben soll. Sollte der Fall neu aufgerollt werden, könnte das auch Sie betreffen. Haben Sie etwas zu verbergen?
Ernst H.: Die Kommission, das sind Leute, die keine Ahnung haben. Die hatten nur die halben Informationen. Es gibt nichts zum Zugeben. Abgesehen davon: Jeder, der nur eine Sekunde lang von der Entführung nur irgendwie gewusst hat, der sitzt garantiert zehn Jahre lang im Gefängnis.

Wenn man aber erklärt, man war eingeschüchtert, dann gibt es jetzt schon eine Kronzeugenregelung.
Nein! Da gab es den Fall dieses Billardspieler ... aber ... ich kann die Kronzeugenregelung ohnehin nicht brauchen, ich habe ja nichts verbrochen. Gar nichts. Sie machen das jetzt aus strategischen Gründen so ... ääähhhh ..., dass das nichts wäre, wenn man etwas weiß. Bitte nehmen Sie aber zur Kenntnis, dass eine Mitwisserschaft ein schweres Verbrechen ist. Wenn jemand im Auto sitzt, während der andere eine Bank ausraubt und in der Bank wird einer erschossen, dann bekommt der im Auto auch seine zehn Jahre.

Wenn Sie nur von etwas gewusst haben, aber nicht der Täter sind, dann haben Sie doch nicht so viel zu befürchten.
Das stimmt nicht. Schauen Sie sich den Fall dieses Billardspielers an. Der wurde aus Eifersucht umgebracht. Es ist alles aufgeflogen. Die haben versucht, sich via Handys Alibis zu geben. Ich glaube, der Haupttäter, der geschossen hat, hat 12 Jahre bekommen. Ein Mittäter hat zehn Jahre bekommen. Es genügt das Wissen, das geringste Wissen. Dann ist man genauso dran.

Aber es ist doch ein Unterschied zwischen einem Mord und einer Mitwisserschaft bei einer Entführung.
Nein, da ist kein Unterschied. Da ist man genauso dran. Ein Mitwisser kann kein Kronzeuge sein, das ist ein Mittäter. Lesen Sie doch die Zeitungen. Lesen Sie gewisse Fälle von Mittätern. Wenn einer jemanden erschossen hat, und ein anderer liefert die Pistole …

Aber mit Verlaub, Sie haben doch niemanden erschossen.
Eine Entführung ist ein vergleichbares Verbrechen. Wenn nicht sogar schwerer. Aber wenn Sie ... äääähhhh ... darauf bestehen, dass da ... sollte das aufgedeckt werden, dass jemand nur ein paar Sekunden davon gewusst hätte, dann geht der garantiert zehn Jahre ins Gefängnis. Und bitte nehmen Sie Bedacht auf Veröffentlichungen, die in meine Richtung gehen.

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(KURIER) Erstellt am
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