Politik
01.01.2012

Ron Paul: Kanditat mit Österreich-Bezug

Der 76-jährige Gynäkologe liegt als Außenseiter im Spitzenfeld.

Der einzige Kandidat im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf mit klarem Österreich-Bezug ist Ron Paul. Der texanische Politiker redet begeistert über die Österreichische Schule der Nationalökonomie („Austrian School of Economics“). Laut Washington Post ist sein Lieblingsfilm „The Sound of Music“ – ein schmalziger Hit aus den 60-Jahren über die Salzburger Familie Trapp.

Der 76-jährige Gynäkologe, Kongressabgeordnete, Groß- und Urgroßvater stand in manchen Umfragen der letzten Tage sogar an vorderster Stelle in Iowa. Das ist überraschend. Denn „Dr. Paul“ ist selbst innerhalb der republikanischen Partei ein Außenseiter und stößt mit seinen Ansichten auf starken Widerstand.

Unter anderem setzt er sich für die Legalisierung von Marihuana ein, möchte die amerikanische Notenbank abschaffen und lehnt den Einsatz amerikanischer Truppen im Ausland kategorisch ab. Er kritisiert sogar die Sicherheitsvorkehrungen, die nach den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 Teil des amerikanischen Alltags geworden sind, und bestreitet, dass der Iran eine nukleare Gefahr darstellt.

Viele Junge wollen Paul Trotz seines hohen Alters hat er mit diesen Ansichten erstaunlich viele junge Fans – Studenten, die schon seit Monaten für ihn die Werbetrommel rühren. Manche Beobachter bezeichnen seine Anhängerschaft sogar als „Kult“.

So wie auf andere Kandidaten werden aber auch auf Paul Giftpfeile abgeschossen. So musste er sich zum Beispiel gegen Rassismus-Vorwürfe wehren. Diese bezogen sich auf Rundschreiben, die er vor Jahrzehnten herausgegeben hatte. Die Associated Press zitierte eine Passage, geschrieben nach den Rassenunruhen 1992 in Los Angeles: „Die Ordnung wurde in L. A. erst wieder hergestellt, als für die Schwarzen die Zeit gekommen war, ihre Sozialhilfe-Schecks drei Tage nach Beginn der Unruhen einzulösen.“ Paul betont, dass er die umstrittenen Texte nicht selbst geschrieben habe.

Politische Kommentatoren gehen davon aus, dass Paul selbst dann, wenn er in Iowa hervorragend abschneidet, für die Kandidatur dennoch nicht infrage kommt. „Das republikanische ,Establishment‘ wird ihn stoppen“, so der Blogger Bill Schneider in der Huffington Post.

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