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Politik
05/08/2012

Renee Schroeder: Abgang aus Protest

Molekularbiologin Renee Schroeder verlässt die Akademie der Wissenschaften. Die Zustände dort seien nicht mehr tragbar.

Renee Schroeder legt ihre Mitgliedschaft in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) zurück. Das teilte die Molekularbiologin, die 2003 als erst zweite Frau als wirkliches Mitglied der "Mathematisch-Naturwissenschaftliche Klasse" der Akademie aufgenommen wurde, dem ÖAW-Präsidium brieflich mit. Schroeder wurde unter anderem vom Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten als "Wissenschafterin des Jahres 2002" und mit dem Wittgensteinpreis 2003 ausgezeichnet.

"Meine Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren bei der ÖAW gemacht habe, haben mich davon überzeugt, dass es der Gelehrtengesellschaft der ÖAW weder um die Förderung von Exzellenz noch um wissenschaftliche Erkenntnisse geht. Aus Solidarität mit jenen exzellenten WissenschaftlerInnen, denen es wegen ihres kulturellen Hintergrundes oder ihrer politischen Einstellung nicht möglich ist, Mitglied dieser Gesellschaft zu werden, lege ich meine Mitgliedschaft zurück", schreibt Schroeder.

Stimmung "am Boden"

"Es geht mir seit Jahren nicht gut in der ÖAW, weil es da wirklich nicht um die wissenschaftliche Qualifikation geht", erklärte Schroeder. Unter anderem würden in den Wahlsitzungen nicht nachvollziehbare Entscheidungen über die Ernennung neuer Mitglieder getroffen. "Es geht einfach nicht, dass man irgendwelche Quoten und Argumente heranzieht, um Leute zu wählen, die einfach nicht die besten sind". Schroeder führt auch ins Treffen, dass ein hoher Anteil an ÖAW-Mitgliedern auch Mitglied im Österreichischen Cartellverband (CV) seien. "Meines Wissens sind 61 Prozent der ÖAW-Mitglieder auch Mitglieder vom CV".

"Es geht nicht um wissenschaftliche Exzellenz und deshalb will ich einfach auch nicht mehr dort Mitglied sein", so Schroeder, die auch heftige Kritik an dem Umgang mit der Jungen Kurie der ÖAW übt. "Es kann nicht sein, dass die Mitglieder der Jungen Kurie nicht wahlberechtigt sind, während unbegrenzt viele nicht mehr aktive Wissenschaftler das Geschehen der ÖAW bestimmen". Man gebe den jungen Mitgliedern, die teilweise Wittgenstein-Preisträger sind und in hochdotierten Förderprogrammen erfolgreich seien, "keinen Handlungsrahmen".

Es gebe sehr viele "tolle Leute in der ÖAW, die kämpfen und kämpfen", die Stimmung beim letzten Wahltag sei aber "am Boden" gewesen, so die Wissenschafterin.

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