Politik 13.01.2012

Prozess nach Hundeattacke auf Kind

Salzburg; Hundehalter sieht sich „nicht schuldig“ / Amelie am Weg der Besserung.

Die Sache tue ihrem Mandanten leid, sagt die Verteidigerin. Schuldig sei der Mann aber nicht. Er habe weder die Verwahrungspflicht bei seinem Hund vernachlässigt, wie das die Staatsanwaltschaft sieht, noch seien im Zuge des folgenschweren Bisses besonders gefährliche Verhältnisse vorgelegen.

Der 42-jährige Angeklagte, damals Angestellter einer Security-Firma, gab sich beim Prozess am Freitag als strenger Hundeführer, dem sein Rottweiler aufs Wort folgte. Trotzdem sprang das Tier im Mai 2011 in Wals-Siezenheim in Anwesenheit seines Herrls über einen Gartenzaun auf ein Nachbargrundstück und biss der dort mit einem Dackel spielenden Amelie in den Kopf. Der Rottweiler galt als aggressiv und hat zumindest schon einmal eine Frau gebissen und einen Buben umgestoßen. Das aber will der Angeklagte nicht gelten lassen. In beiden Fälle sei Fehlverhalten der Betroffenen vorgelegen, eine Tiertrainerin habe seinem Hund Unauffälligkeit beschienen. „Ich war immer bemüht, alles richtig zu machen.“

Dennoch hatte „Avego“ in der Vergangenheit mehrmals den Gartenzaun übersprungen. Der Hundebesitzer wollte offenbar auf Wunsch der Nachbarn den Zaun auch erhöhen. „Aber dazu ist es nicht mehr gekommen.“ Wenige Tage nach dem Vorfall wurde der Rottweiler eingeschläfert. Die Gemeinde hat darauf ein Hundehalteverbot gegen den 42-Jährigen ausgesprochen, gegen das der Mann berufen hat – allerdings ohne Erfolg.

OP-Marathon

Dem heute fünfjährigen Opfer geht es mittlerweile besser. „Amelie ist fröhlich, wie eh und je. Aber sie spricht nach wie vor nicht über den Vorfall“, sagt Anna Reifberger, Amelies Mutter. Ihre Tochter erlitt durch die Attacke schwere Bisswunden im Gesicht. Zudem riss ihr der Hund ein großes Stock Haut vom Kopf. Das wuchs aber nur zum Teil wieder von selbst an – und machte eine zermürbende Behandlung mit fast drei Dutzend Operationen notwendig.

Zumindest damit ist nun Schluss. Vergangene Woche fand Amelies letzte geplante Operation statt. „Dabei wurden ihr die Expander entfernt, der zur Straffung der Kopfhaut eingesetzt waren“, betont die Mutter. „Jetzt heißt es einmal abwarten, wie die Heilung weiter verläuft.“ Folgebehandlungen sind aber nicht auszuschließen. Der Prozess wurde am Freitag vertagt.

( Kurier ) Erstellt am 13.01.2012