Politik 01.02.2012

Preis für Skandalfilmer des Heeres

Der Oberst, der ein angeblich sexistisches Panzervideo gedreht hatte, wurde nun als bester Personalwerber des Bundes ausgezeichnet.

Auf den Kopf von Oberst Johann Millonig hätte im Jänner 2010 niemand mehr viel gegeben. Nach einem als sexistisch empfundenen Werbevideo für das Bundesheer war er zum Ziel öffentlicher Empörung geworden und gleichzeitig bei Verteidigungsminister Norbert Darabos in Ungnade gefallen. Jetzt wurde der Offizier von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle als bester Personalrekrutierer ausgezeichnet.

Zur Erinnerung: In dem umstrittenen Bundesheer-Videoclip wirbt ein muskelbepackter Glatzkopf, der breitbeinig auf dem Kühler seines Sportwagens sitzt, um eine Spritztour mit den Mädels. Er unterliegt jedoch einem Soldaten, der lasziv die Kanone seines Ulan-Kampfschützenpanzers streichelt und zu einer Rundfahrt einlädt. Der Spot, der bei der 3. Panzergrenadierbrigade in Mautern gedreht wurde, war Teil der Kampagne „Heer 4U“ – aber nur bis zu dem Tag, an dem er in der Süddeutschen Zeitung thematisiert wurde.

Konsequenzen

Verteidigungsminister Norbert Darabos war „sauer“, setzte den Spot ab und kündigte Konsequenzen an. Millonig führte seine Werbeaktionen ohne Video weiter.

In der Studie „Career’s Best Recruiters“, die Homepages, Präsenz auf Online-Stellenmärkten, Auftritte bei Recruiting-Messen und Social-Web-Aktivitäten untersucht, konnte Millonig nun  den ersten Platz im Bereich des öffentlichen Dienstes belegen und das „Goldene Siegel für herausragende Leistungen“ entgegen nehmen. Natürlich nicht für seine Video-Aktivitäten sondern für die Leistungen nach dem Fauxpas. Und die wurden, wie die Studienautoren betonen, penibelst und unter der Kontrolle von deutschen und österreichischen Uni-Instituten evaluiert.  Diesmal freut’s Minister Darabos: „Diese Auszeichnung beweist die großartige Leistung meiner Mitarbeiter im Personalmarketingbereich.“

Das Panzervideo gibt es noch immer. Es hat sich über YouTube verbreitet. Bei 4,5 Millionen Klicks hat Millonig aufgehört zu zählen.

 

( Kurier ) Erstellt am 01.02.2012