Politik
05.12.2011

Polit-Dynastien setzen auf ihre Frauen

Von Clinton bis Le Pen: Weltweit treten immer mehr Frauen ihrer etablierten männlichen Polit-Verwandtschaft.

Yingluck Shinawatra ist nicht die einzige Frau, deren Beziehung zu einem Mann ihr zur Macht verholfen hat. Überall auf der Welt gibt es Schwestern, Ehefrauen, Witwen, Töchter oder Enkelinnen, die männlichen Verwandten in politischen Ämtern gefolgt sind oder ihren Namen als Sprungbrett nutzten.

Eine der bekanntesten ist Hillary Clinton . Die Juristin und frühere demokratische Senatorin wollte in die Fußstapfen ihres Mannes, Ex-US-Präsident Bill Clinton, treten, unterlag aber 2008 bei den Vorwahlen Barack Obama. Dieser holte die heute 63-Jährige als Außenministerin in sein Team.

Tatsächlich als Regierungschef folgten mehrere Frauen ihren Männern oder Vätern nach. Meist dient das dazu, die Herrschaft der Familie zu verlängern. In Argentinien regiert seit 2007 Cristina Fernandez de Kirchner (57), die Gattin des 2010 verstorbenen Ex-Präsidenten Nestor Kirchner. Sandra Torres aus Guatemala wollte im September als Nachfolgerin für ihren Mann Alvaro Colom kandidieren. Da das für Verwandte des Staatschefs verboten ist, ließ sich die 55-Jährige im April scheiden. Das oberste Gericht zeigte sich davon unbeeindruckt: Die Beziehung bestehe weiter, egal, ob das Paar geschieden sei.

Auch in Asien ziehen Politdynastien über Frauen die Fäden, etwa der Gandhi-Clan. Sonia Gandhi leitet seit 1998 die regierende Kongresspartei und ist deren längstdienende Chefin. Die 64-Jährige ist die Witwe von Ex-Regierungschef Rajiv Gandhi, Nachfolger des ersten Premiers und Gründers der Gandhi-Dynastie, Nehru. Nicht an der Macht, aber einflussreich ist Burmas Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi (66), die von der Militärjunta 2010 aus dem Hausarrest entlassen wurde. Sie ist die Tochter von Aung San, der das Land 1948 in die Unabhängigkeit von Großbritannien geführt hatte. Sri Lankas Präsidentin war von 1994 bis 2005 Chandrika Kumaratunga (66). Sowohl ihr Vater als auch ihre Mutter waren Premiers.

Manche Politikerinnen fungieren als "Weichspülerinnen" für männliche Verwandte. So schickte der französische Rechtsaußen Jean-Marie Le Pen seine Tochter Marine Le Pen an die Spitze der "Front National". Die gemäßigter als ihr Vater auftretende 43-Jährige gilt als ernst zu nehmende Gegnerin für Staatschef Sarkozy bei der Wahl 2012. In Italien sitzt Alessandra Mussolini (48), die Enkelin von Diktator Benito Mussolini, für Premier Berlusconis Partei "Volk der Freiheit" im Parlament.

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